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Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Rolf Drechsler

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft?  In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Juli 2016 stand uns Prof. Dr. Rolf Drechsler Rede und Antwort. Der Direktor des DFKIerforscht sichere Softwaresysteme. 

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
    Als Jugendlicher hatte ich großes Interesse an einer Profikarriere als Handballer. Eine weise Entscheidung, dies nicht weiter verfolgt zu haben.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Mit der Arbeit an der Uni habe ich meinen Traumjob gefunden. Die Kombination aus Erforschung unbekannter Gebiete und der Wissensvermittlung an Studierende begeistert mich. Dazu kommt die anregende Atmosphäre, sich mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern austauschen zu können. 
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Mich fasziniert am Freimarkt immer der Stand zum „Aale würfeln“ – wohl auch, weil ich nicht aus der Region komme. Genau so einen Stand würde ich machen. Und während die Leute würfeln, kommen wir dann schon ins Gespräch. 
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Elektronik ist aus unserem heutigen Leben kaum noch wegzudenken. Täglich haben wir mit Handy und Internet zu tun, aber auch in Autos umgeben uns viele Micro-Chips. Mit meiner Arbeit ermögliche ich es, dass wir diesen komplexen Systemen auch in Zukunft vertrauen können.
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Forschung von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Forschung geschieht meist evolutionär und nur selten revolutionär. Wenn man dann aber ein paar Jahre zurückblickt, ist es erstaunlich, was heute möglich ist. Daher retten wir die Welt, indem wir sie jeden Tag ein bisschen besser machen – und natürlich mit einem Lächeln an jedem Tag.
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Ich habe früher Mathematik studiert und bin erst stückweise zum praktischen Informatiker geworden. Meine Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass ich sehr theoretische Verfahren zum praktischen Einsatz bringe. Dadurch wird es ermöglicht, dass Systeme heute nicht nur ein wenig erprobt werden, sondern als korrekt bewiesen werden können. 
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich komme eigentlich aus dem Frankfurter Raum, wo ich aufgewachsen bin und dann auch studiert habe. Im Anschluss habe ich an den Universitäten in Saarbrücken und Freiburg gearbeitet. Nachdem ich 10 Jahre an Universitäten tätig war, zog es mich in die Industrie, und ich ging zu Siemens nach München. Auch wenn es eine spannende Tätigkeit war, merkte ich, dass mein Herz für die Universität schlägt. So suchte ich und erhielt dann drei Angebote aus Deutschland. Ich schaute mir die Alternativen an, und Bremen unterbreitete das attraktivste Angebot. Das ist jetzt schon 15 Jahre her, aber ich habe die Entscheidung nie bereut.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort Bremen/Bremerhaven? Was hält Sie hier?
    Was mir schon damals auffiel, war die „Hier geht was“-Mentalität. In Bremen arbeiten sehr viele hochmotivierte Menschen, die – den oftmals nicht idealen Randbedingungen trotzend – immer wieder Herausragendes leisten.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Natürlich gibt es im Alltag immer Dinge, die verbessert werden können. Allerdings wäre das „Jammern auf hohem Niveau“. An der Uni Bremen habe ich mir eine ideale Arbeitsumgebung schaffen können, die es erlaubt, dass meine Gruppe international hohe Sichtbarkeit und Anerkennung genießt. 
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Ganz untypisch für Bremen bin ich ein bekennender Autofahrer.
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene in Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    In Bremen gibt es nicht ein Tier, sondern gleich vier. Und als Team kann man halt am meisten erreichen.
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Ich arbeite in einem sich sehr dynamisch und schnell wandelnden Gebiet. Hier darf man nicht stillstehen. Die Informatik zu Beginn der 90er – als ich studierte – ist nicht mehr mit der heutigen vergleichbar. Die Herausforderung ist, sich diesem Wettbewerb täglich wieder aufs Neue zu stellen. Und das tue ich sehr gerne.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Sehr viele tolle Sachen – hoffe ich doch stark.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Vielleicht keine Formel, aber einen Leitsatz: Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Es ist ein großes Privileg des Alterns, dass man viele Rückschläge hat hinnehmen müssen. Und man darf erfahren, dass es – wie schlimm es auch manchmal aussieht – dann doch weitergeht.
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Auch wenn ich selbst (leider) nicht mehr so viel Sport mache, gehe ich sehr gerne zu Sportveranstaltungen. Da hat Bremen viel zu bieten. Natürlich allem voran Werder, wo ich kein Spiel auslasse, wenn ich nicht auf Reisen bin, aber auch darüber hinaus gibt es tolle Events im Kampfsport und für mich natürlich (immer noch) der schönste Sport: Handball. 
     
  • Der nächste Nachwuchswissenschaftler zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm raten, wo er wohnen und abends weggehen soll?
    Als ich das erste halbe Jahr in Bremen war, wohnte ich als Gast in einer WG im Viertel. Die Zeit ist mir in sehr schöner Erinnerung geblieben. Aber es gibt viele schöne Ecken. Da ist für jeden etwas dabei.
     
  • Mit wem würden Sie ihn hier in Bremen bekannt machen wollen?
    Da ich selbst neugierig bin, wer so zu uns kommt, sollte er oder sie erst mal bei mir vorbeischauen.

Steckbrief: Prof. Dr. Rolf Drechsler

Alter

46

 

Fachbereich / Forschungsfeld

Universität Bremen, FB 3 - Mathematik und Informatik (Rechnerarchitektur) und DFKI GmbH, Cyber-Physical Systems

 

Aktuelle Position / Funktion

Professor für Rechnerarchitektur an der Universität Bremen und Direktor im DFKI

 

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Erforschung und Realisierung sicherer Systeme

 

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