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Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Lutz Mädler

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft?  In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im April 2017 stand uns Prof. Dr. Lutz Mädler Rede und Antwort. Als Direktor Verfahrenstechnik am IWT forscht er im Bereich der Produktionstechnik. Dabei ist er sehr erfolgreich: Für seine Arbeiten im Gebiet der Mechanischen Verfahrenstechnik erhielt er im März 2017 den renommierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
    Mein erster Berufswunsch war Müllfahrer, weil an diesen Autos so viele Hebel sind. Dann wollte ich Goldschmied werden. Heute haben unsere verfahrenstechnischen Reaktoren noch mehr Hebel und lassen faszinierende Materialien entstehen.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Wenn eine verrückte Idee beim Gegenüber klick macht und wenn es in solchen Gesprächen bei mir endlich klick macht.
     
  • Forschungsergebnisse von Ihnen dienen weltweit als Grundlagenwissen und gelten teils als Meilensteine der Wissenschaft. Am 15. März wurde Ihnen der Leibniz-Preis verliehen. Sieben der 364 Preisträger erhielten nach dem Leibniz-Preis auch den Nobelpreis. Wohin soll Ihre Reise Sie noch führen, wenn Sie es sich aussuchen dürften?
    Ich hoffe, ich habe immer genug Demut, um zu realisieren, dass diese Preise nicht ein Ziel darstellen. Ich bin dankbar, dass es Kollegen und Kolleginnen gibt, die sich für mich einsetzen und meine Arbeit würdig finden.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Ich habe sehr viel an Flammen-Reaktoren geforscht. Flammen sind verfahrenstechnisch besonders anspruchsvoll und zeichnen sich durch ihre hohe Temperatur aus. Ich hätte einen Stand mit offenem Feuer und würde vielleicht damit etwas grillen. Und wenn jemand ein Omelett will, müssten wir den Reaktor umbauen – live.
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Ich arbeite jeden Tag mit Menschen, für die die Universität und das IWT Zwischenstationen sind. Ich möchte diesen Menschen etwas mitgeben, das sie beim Lösen von ihren späteren Aufgaben wie einen Hebel nutzen können. Zu erkennen, welcher Hebel für wen passt, ist meine Herausforderung. Aber natürlich hoffe ich auch, dass unsere Prozesse und Methoden Eingang in die industrielle Nutzung finden – dafür bin ich Ingenieur.
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Das liebste Forschungsinstrument ist das Spray. Damit lassen sich Flüssigkeiten zerteilen, die dann besonders schnell reagieren oder abkühlen. Wir nutzen das aus, um neue Materialien herzustellen.
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich kam 2008 aus Los Angeles, Kalifornien. Die Vielfalt des Wetters ist in Bremen auf jeden Fall größer.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort Bremen? Was hält Sie hier?
    Der Fachbereich Produktionstechnik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik ist in Bremen zwar von der Anzahl der Professuren her klein, aber sehr gut aufgestellt. Besonders die Institutsstrukturen sind einmalig, so wie auch das Verhältnis zwischen den Instituten, der Universität und der Bremer Behörde. Ich schätze auch besonders die Verknüpfung von Werkstofftechnik, Fertigungstechnik und Verfahrenstechnik am IWT in Bremen.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Ich wünschte mir, dass die so toll gelebte Akzeptanz in unserem Fachbereich noch mehr die ganze Universität erfasst: Wir sind nicht alle gleich. Wenn wir diese Unterschiede gemeinsam umfangen, sind wir damit im Großen einmalig, innovativ und konkurrenzfähig.
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Jeden Tag mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren, ist ein Privileg. Ich nutze und genieße das, sooft ich kann und das ist fast täglich.
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Natürlich fällt mir sofort das 4-Tier-Team ein. Vielleicht ist es aber auch eine Muschel. Sie verbindet auf faszinierende Weise das Meer mit einem erstaunlichen Material. Muscheln brauchen eine Gemeinschaft. Die Bremer Muscheln haben bestimmt besonders viele Perlen.
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Daran zu glauben, dass es eine wissenschaftliche Laufbahn für mich gibt.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Als Wissenschaftler muss ich mich jederzeit herausgefordert sehen und das mache ich auch.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Glück ist, wenn die Vorbereitung die Gelegenheit trifft (Seneca).
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?]
    Ich wurde bei meinem ursprünglichen Studienwunsch abgelehnt. Ich glaube, am Ende ist es egal, was ich mache, solange ich ausgefüllt bin und mich in einem Team verwirklichen kann. Das passiert nicht von allein.
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Für das tägliche habe ich den Sport. Aber wenn mich etwas bedrückt, hilft darüber zu sprechen. Dafür habe ich in Bremen Menschen, die dies mit mir ertragen und mir den Rücken stärken.
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Auf jeden Fall im Land Bremen wohnen und nicht beim Nachbarn...
     
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen bekannt machen wollen?
    Mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich weiß, die wissen, wo was los ist.
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Vielleicht würde ich einmal einen Tag Roland sein und auf dem Rathausplatz die Touristen belauschen, was die so von Bremen halten.

Steckbrief: Prof. Dr. Lutz Mädler

Alter

45
 

Fachbereich / Forschungsfeld

Fachbereich Produktionstechnik, Institut für Werkstofftechnik (IWT)
 

Aktuelle Position / Funktion

Professor für Mechanische Verfahrenstechnik Universität Bremen, Direktor Verfahrenstechnik am IWT Bremen

 

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Sprecher des Sonderforschungsbereich SFB 1232 "Farbige Zustände"
 

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