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Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Andreas Klee

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft?  In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Juli 2017 stand uns Prof. Dr. Andreas Klee Rede und Antwort. Der Direktor des Zentrums für Arbeit und Politik (ZAP) beschäftigt sich mit dem Thema politische Bildung.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
    Gerne Fußballprofi oder Rockstar, aber für beides fehlte das Talent.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Es begeistert mich, gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen über Gesellschaft zu diskutieren und wenn wir uns richtig in Schwung geredet haben, entwickeln wir ein Forschungsprojekt und machen unser Hobby zum Beruf. Das finde ich klasse!
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Mein Stand wäre ein großer Raum mit Spiegeln. Wenn dieser Raum betreten wird, gibt es eine Vielzahl von neuen Perspektiven, die sich mit jeder Bewegung ändern. Man kann sich selbst, aber auch die anderen im Raum immer wieder neu entdecken. Genau das wollen wir mit unseren Projekten erreichen: Menschen sollen sich in der Auseinandersetzung mit Gesellschaft selbst neu entdecken und sich konstruktiv mit anderen in Beziehung setzen.
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Politische Bildung erzeugt keine Ergebnisse, die sich kommerziell vermarkten lassen. Beteiligung, Mitbestimmung, Gleichberechtigung lassen beispielsweise sich nicht in Euros beziffern, aber sie bilden die Grundlagen friedlichen Zusammenlebens und das ist der Ausgangspunkt für alles andere. Meine wissenschaftliche Tätigkeit trägt hoffentlich dazu bei, dass die Menschen verstehen, dass diese Werte immer wieder aufs Neue ausgehandelt werden müssen und keine Selbstläufer sind.
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Forschung von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Ich rette die Welt nicht, aber wir helfen Menschen dabei, die Welt zu retten.
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Mein wichtigstes Forschungsinstrument ist es mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und meine Erfahrungen mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren. Meine liebste Forschungsmethode ist das Gespräch.
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich wohne seit 11 Jahren in Bremen und arbeite im zwölften Jahr an der Universität. Ich bin von Hamburg nach Bremen gezogen, weil hier besserer Fußball gespielt wird und das Wetter besser ist. Nur in Karlsruhe, meiner eigentlichen Heimat, scheint die Sonne noch häufiger.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?
    Bremen ist eine tolle Stadt. Auch wenn es immer wieder gesagt wird, aber die kurzen Wege sind einfach sensationell und das sowohl geographisch – alles kann mit dem Fahrrad erledigt werden – als auch gesellschaftlich – Entscheidungsträger*innen in allen Bereichen sind jederzeit ansprechbar. Für einen Wissenschaftler im Bildungsbereich ist das nahezu alternativlos.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Mehr laue Sommerabende und mehr Geld für Bildung. Vor allem Letzteres!
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Zu Fuß, Simson Schwalbe, Fahrrad
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Mit unserem Hund Lino. Sieht niedlich aus, kann aber ganz schön zuschnappen und ist unglaublich hartnäckig.
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Meine größte Herausforderung war es im Befristungsdschungel des Berufsfeldes Wissenschaft nicht die Nerven zu verlieren und nicht aufzugeben daran zu glauben, dass ich mit "politischer Bildung" tatsächlich mal eine Familie ernähren kann.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Den vielen tollen Kolleginnen und Kollegen aus meinem Arbeitsbereich weiterhin eine berufliche Perspektive bieten zu können und in Forschung und Lehre an der Universität noch offensiver für meine gesellschaftlichen Ideale Stellung zu beziehen.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    "A Gentleman would walk but never run." (Englishman in New York, Sting).Ich glaube Humor und Gelassenheit sind meine große Stärke.
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Es gab eine Phase während meiner Promotion in der ich mit meinen Kräften ziemlich am Ende war. Vier Jahre intensiv an etwas zu arbeiten ohne dass man weiß, ob es wirklich gelingt oder überhaupt Sinn macht, kann sehr anstrengend sein. Ich habe dabei gelernt meine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, mögen die Pfade dahin auch noch so verschlungen sein.
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Durch meine Familie. Drei Kinder sind die beste Ablenkung die man sich vorstellen kann. Und als Jugendtrainer bei Union 60 Bremen kann ich meinem unerfülltem Traum vom Profifußball weiter nachhängen und meine Leidenschaft für das Fußballspielen vermitteln.
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen oder Bremerhaven. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Leider wird das Wohnen hier immer teurer, aber für mich gilt trotzdem noch: Steintor forever! Bloß nicht über die Weser locken lassen. Und abends weggehen heißt im Viertel einfach raus auf die Straße, der Rest ergibt sich.
     
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?
    Unbedingt mit meinem Mitbewohner Horst Wesemann. Er ist lebendige Bremer Geschichte und hat auch zur Gegenwart vieles zu sagen.
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Claudio Pizarro

Prof. Dr. Andreas Klee

Alter

40
 

Fachbereich / Forschungsfeld

Fachbereich 08 / Institut für Politikwissenschaft / Politische Bildung

 

Aktuelle Position / Funktion

Direktor des Zentrums für Arbeit und Politik

 

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Partizipative Werbeformate / demokratieförderliche Lernumgebungen / politische Resonanzräume

 

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