Eine junge Frau mit braunen Haaren.

Wissenschaft persönlich: Anna Mankowski

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im August 2017 stand uns Anna Mankowski Rede und Antwort. Die Doktorandin forscht am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI) zu Diversität und Evolution der Symbiose zwischen marinen, darmlosen Würmern und ihren bakteriellen Symbionten.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler/in geworden wären?
    Nach dem Abitur fiel die Entscheidung zwischen Medizin, Jura und Biologie. Dass es Biologie geworden ist, lag damals vor allem an meinem Notendurchschnitt. Heute bin ich froh, dass es so gekommen ist, ich kann mir momentan nicht vorstellen in einem anderen Job zu arbeiten. 
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Eines der größten Highlights der Meeresbiologie sind für mich die Ausfahrten und Arbeiten direkt im Feld. Man sieht Orte und macht Erfahrungen, die andere Berufe einem nicht bieten. Außerdem macht es auch wahnsinnig Spaß direkt an der Probennahme beteiligt zu sein und den Lebensraum unserer Forschungsobjekte selbst zu erkunden.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucherinnen und Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Das wichtigste wären auf jeden Fall Mikroskope. Ich forsche ja an Würmern und ihren mikrobiellen Symbionten und weder die Würmer noch die Bakterien lassen sich besonders gut mit bloßem Auge erkennen. Und dann noch Modelle bzw. visuelle Darstellungen davon, wie die Symbiose zwischen Wurm und Bakterium funktioniert und somit die Faszination dahinter zu vermitteln. Das lässt sich schwer einfach nur mit Worten erklären. 
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    In der Max-Planck-Gesellschaft betreiben wir ausschließlich Grundlagenforschung, das heißt dass unsere Forschung nicht auf einen gesellschaftlichen Nutzen ausgerichtet ist; wir stellen Hypothesen auf und überprüfen diese um ein grundlegendes Verständnis über unsere Umwelt zu erlangen; im Falle unseres Instituts über das Meer, seine mikrobiellen Bewohner und biogeochemische Stoffkreisläufe. Die Forschung an globalen Stoffkreisläufen ist aber zum Beispiel auch ein Beispiel für den gesellschaftlichen Nutzen unserer Forschung, da diese relevant für die Klimaforschung sein kann. Aber natürlich können unsere Forschungsergebnisse auch in anderen Anwendungsbereichen später einmal als Grundlage für die angewandte Forschung dienen. Das kann man aber vorher nie sagen und dementsprechend ist die gesellschaftliche Relevanz eigentlich nie schon am Anfang einer Studie bekannt. 
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Forschung von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Generell von Fortschritt würde ich immer sprechen, wenn wir neue Erkenntnisse erlangen und somit etwas mehr über das Meer und seine Biologie und Chemie herausgefunden haben. Und wie bereits erwähnt haben diese Erkenntnisse über die Biogeochemie des Meeres oftmals eine hohe Relevanz für die Klimaforschung. Ob wir damit irgendwann einmal die Welt retten, sei dahin gestellt. Aber ich habe die Hoffnung, dass ein breiteres Wissen über den Lebensraum Meer vor allem auch in der nicht wissenschaftlichen Bevölkerung zu einem Umdenken im Hinblick auf Umweltschutz allgemein und Meeresschutz im Speziellen führt. 
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Mein liebstes „Forschungsinstrument“ ist ganz klar ein großer Plastikeimer, um darin schnorchelnderweise Sandproben vom Meeresboden zu nehmen. Meine wichtigste Forschungsmethode ist aber wohl eher die bioinformatische und statistische Auswertung der erhobenen Daten. 
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich bin gebürtige Bremerin und auch wenn es mich schon mehrfach an andere Orte getrieben hat, bin ich bisher doch immer wieder gekommen. Das letzte Mal bin ich im Sommer 2014 nach Bremen zurückgekommen, um meinen Masterstudiengang an der Uni Bremen zu absolvieren, nachdem ich meinen Bachelor in Oldenburg gemacht habe. Hier konnte ich einen molekularbiologisch ausgerichteten Studiengang wählen und hatte trotzdem immer viel Bezug zur Meeresforschung; das war mir bei der Wahl wichtig.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?
    Bremen ist ein großartiger Standort um Meeresforschung zu betreiben. Neben uns gibt es noch das Alfred-Wegener-Institut, das MARUM, das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung sowie Abteilungen an der Uni Bremen und der Jacobs University, die ebenfalls meeresbiologische Forschung betreiben. Das heißt wir haben viele Kooperationspartner mit unterschiedlicher Expertise in direkter Nähe. Das macht unsere Forschung sehr vielfältig und man lernt viel voneinander, vor allem auch über andere Fachgebiete. 
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Ganz allgemein: Nähe zum Meer und mehr warme Sommertage. Im Hinblick auf Bremen als Wissenschaftsstandort mehr finanzielle Mittel für Forschung, aber vor allem für Bildung. Und außerdem würde ich mir mehr Möglichkeiten und Akzeptanz für alternative Kulturprojekte wünschen.
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Fast ausschließlich mit dem Rad. 
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, auf jeden Fall mit etwas vielseitigem, da es ja mehrere wichtige Forschungsfelder hier in Bremen gibt; vielleicht also am ehesten mit einem Chamäleon. 
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Allzu lang ist meine wissenschaftliche Laufbahn ja bisher noch nicht, und ich glaube die ganz großen Herausforderungen kommen erst noch. Bisher war es wahrscheinlich das Durchhalten des Studiums, auch in Phasen, in denen ich am liebsten alles direkt über den Haufen geworfen hätte. 
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Wahrscheinlich mehr als ich mir gerade ausmalen kann: in nächster Zeit auf jeden Fall das Schreiben und Veröffentlichen meiner ersten wissenschaftlichen Publikationen und in ein paar Jahren dann die Doktorarbeit. Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass es auch auf dem Weg dorthin noch zu einigen überraschenden Herausforderungen kommen wird. 
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Zum einen finde ich es unglaublich wichtig, nicht die Freude am Forschen zu verlieren, was vor allem in Phasen, in denen nichts so recht zu klappen scheint, sehr schwer ist. Da muss man irgendwie versuchen, sich auch an den kleinen Zwischenergebnissen zu erfreuen und sich immer wieder die positiven Aspekte der eigenen Arbeit vor Augen zu führen. Außerdem gehören für mich zu einem zufriedenen Arbeitsalltag eine gesunde Work-Life-Balance und eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung dazu. 
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Da gibt es gar kein ganz spezielles Erlebnis, an das ich bei dieser Frage zurückdenken muss. Es sind doch eher die kleinen, alltäglichen Misserfolge und Fehler, die dabei helfen immer mehr dazu zu lernen und so seine Arbeitsweise kontinuierlich zu verbessern. 
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Unter der Woche hauptsächlich bei verschiedensten sportlichen Aktivitäten wie Laufen im Park oder Yoga, am Wochenende beim Tanzen im Lieblingsclub. 
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen oder Bremerhaven. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll? 
    Zum Weggehen kann ich das Viertel nur wärmstens empfehlen, da gibt es für jeden die passende Bar. Wohnen lässt es sich dort sicherlich auch sehr gut, aber auch andere zentral gelegene Stadtteile wie Findorff, Schwachhausen oder die Neustadt sind zum Wohnen bestens geeignet. Für mich persönlich gilt immer: hauptsache nah am Geschehen.
     
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?
    Mit meinen Kollegen aus dem Institut: Die Wissenschaftler kommen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten und so findet man eigentlich für jedes wissenschaftliche Problem jemanden, der einem helfen kann. Und auch generell sind es einfach viele unterschiedliche und interessante Leute aus verschiedensten Ländern und Kulturen, mit denen man sehr gut Zeit verbringen kann. 
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Mit jemandem, der absolut nichts mit Wissenschaft zu tun hat, einfach mal um zu sehen, wie das so ist.

Steckbrief: Anna Mankowski

Geburtsjahr

1993

 

Fachbereich / Forschungsfeld

Marine Mikrobiologie, Symbiose

 

Aktuelle Position / Funktion

Doktorandin in der Abteilung Symbiose am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI)

 

Aktuelle Tätigkeit / Aktuelles Forschungsprojekt

Ökologie, Diversität und Evolution der Symbiose zwischen marinen, darmlosen Würmern und ihren bakteriellen Symbioten

 

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