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Jens Loock, Arbeitsdirektor bei ArcelorMittal

Jens Loock ist 42 und als Arbeitsdirektor bei ArcelorMittal Bremen tätig.

  • Was war die letzte Bildungszeitveranstaltung, an der Sie teilgenommen haben?
    In Bremen habe ich an noch keiner Veranstaltung teilgenommen. Das liegt aber daran, dass ich erst seit einem guten Jahr in Bremen bin und seit sieben Monaten in meiner jetzigen Funktion.
    Ich komme aus NRW und habe mich da in der Vergangenheit eher im politischen und vor allem im gewerkschaftlichen Bereich orientiert. Mich interessiert es u. a., wie sich z. B. die Mitbestimmung in den nächsten Jahren entwickeln wird. Hierbei habe ich eine Veranstaltung besucht, wo anhand von Szenarien erarbeitet werden konnte, wie die Mitbestimmungslandschaft im Jahre 2030 aussehen kann.
     
  • Mit welchem Gefühl oder welcher Einstellung sind Sie nach Ihrer Bildungszeit in Ihr Unternehmen zurückgekehrt?
    Fernab von der reinen fachlichen Qualifizierung, die wir natürlich im Unternehmen brauchen, bringt man Ideen und Impulse von außerhalb des Systems mit. Ich denke, dieses klassische „über den Tellerrand schauen“ ist ein extrem wichtiger Punkt.
    Mir persönlich geht es auch darum, im Rahmen von einigen Tagen Bildungszeit, vielleicht auch gedanklich ein Stück weit aus dem gewohnten beruflichen Kontext auszusteigen. Für mich ist das eine Gelegenheit, auch von außen auf das System zu schauen und zu reflektieren und danach einige Themen weiterzuentwickeln, neue Ideen mit anderen zu gestalten.
     
  • Gibt es jetzt aktuell eine Motivation oder eine Idee für die nächste Bildungszeitveranstaltung?
    Mich treibt ganz stark um, wie sich unsere Gesellschaft in den nächsten 10 - 15 Jahren entwickelt. Vor allem die Digitalisierung ist ein Thema, womit ich mich stärker auseinandersetze. Das wird eine der massivsten Veränderungen, die wir erleben werden. Veranstaltungen hierzu würden mich interessieren.
     
  • Welchen Stellenwert hat Weiterbildung für Sie – insbesondere auch bezogen auf Ihre Beschäftigten?
    Wir leben in einer Welt, die sich rasant verändert. Gerade in unserer Branche sind wir massiven Veränderungen ausgesetzt, teils politisch bedingt durch den Gesetzgeber, teils aufgrund wirtschaftlicher Zwänge, so dass wir uns permanent im Wettbewerb behaupten müssen. Und wir müssen auch immer unsere Prozesse überdenken, uns und unsere Prozesse permanent reflektieren: Was müssen wir verbessern, was können wir verbessern und was müssen wir automatisieren? Und auch die Chancen, die mit der Digitalisierung kommen, müssen wir nutzen.
    Dazu benötigen wir Mitarbeiter, die diesen Prozess mitgehen und offen sind für Veränderungen. Da setze ich natürlich dann sehr gerne darauf, dass die Beschäftigten überhaupt weiterbildungsaktiv sind. Das ist von der Arbeitgeberseite nur zu unterstützen, insbesondere wenn die Offenheit für Veränderungen durch Weiterbildungsaktivitäten begleitet und gefördert wird.
     
  • Welche Hindernisse für die Nutzung von Bildungszeit sehen Sie sowohl für sich selbst als auch für Ihre Beschäftigten?
    Der zeitliche Aspekt ist schon nicht zu unterschätzen. Wenn es 5 Tage pro Jahr bzw. 10 Tage in zwei Jahren sind, die ich natürlich auch am Stück nehmen kann. Bei einer stärkeren Nutzung wird das für uns schon zu einer Herausforderung, diese Abwesenheiten zu kompensieren – doch wir sind in der Lage, alle Hindernisse, die auftreten mögen, aus dem Weg räumen.
    Ich kenne das noch aus NRW, dass man z. B. einem Mitarbeiter in bestimmten Arbeitsphasen keine Freigabe für eine Veranstaltung geben kann, ihn dann aber zumindest für die nächste berücksichtigt.
    Ich finde es wichtig, dass die Beschäftigten merken, dass man als Arbeitgeber das Thema unterstützt. Ich glaube, das ist oft ein großes Hindernis. Ich werde meinen Anteil dafür tun, dass wir das Thema auch mit positiven Signalen begleiten, weil ich es absolut notwendig finde, dass wir die Kompetenzentwicklung unserer Mitarbeiter fördern.
     
  • Welche positiven Effekte nehmen Sie bei Ihren Beschäftigten nach der Teilnahme an einer Bildungszeitveranstaltung wahr?
    Da kann ich nichts Konkretes zu sagen, dafür habe ich zu wenig mit den Beschäftigten gesprochen, die aktiv aus einer Bildungszeitveranstaltung gekommen sind. Doch wir haben das Thema Bildung bzw. Bildungszeit, innerhalb des Vorstandes systemisch betrachtet. Wir treiben gerade ein Thema voran, wie wir Lernen wieder aktivieren können, sozusagen Lernen lernen. Wir haben eine große demographische Herausforderung in den nächsten 10 Jahren vor uns. Auch wir haben uns in 10 Jahren anderen Herausforderungen zu stellen als heute. Daher müssen wir heute beginnen darüber nachzudenken, wie unsere Prozesse dann aussehen könnten und welche Kompetenzen wir zur Bewältigung der Aufgaben benötigen.
    Insofern verknüpfen wir das dann auch eher mit einem positiven Effekt und können die Beschäftigten nur dazu ermuntern. Ich möchte dies auch nochmal in die Diskussion mit unserem Betriebsrat bringen, da die Kollegen selbstverständlich durch ihre starke Vernetzung ein wichtiger Partner an unserer Seite sind.
    Ich finde auch den Begriff Bildungszeit besser als Bildungsurlaub, denn mit diesem Bildungsurlaub ist man schon in einem speziellen Fahrwasser und einer evtl. nicht zielführenden Rechtfertigungsposition. Bildungszeit trifft es ja ganz genau.

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