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Ulrich Gellhaus, Leiter von GeoInformation Bremen

Ulrich Gellhaus ist 53 Jahre alt und als Leiter von GeoInformation Bremen tätig.

  • Was war die letzte Bildungszeitveranstaltung, an der Sie teilgenommen haben?
    Ich habe tatsächlich noch keine Bildungszeit genommen. Ich hatte mich für den letzten Herbst für einen Törn von Bremerhaven aus ins Wattenmeer, zur Erkundung des Wattenmeeres und der Ökologie dort, angemeldet. Die Veranstaltung trug den Titel "(Un-)klar zur Energie-Wende? – Ökologie und Arbeitsplätze an der Küste". Ich wollte mein Wissen über diese Zusammenhänge ein wenig erweitern. Leider ist das ausgefallen, weil das Schiff kaputt war. Die gleiche Bildungszeitveranstaltung wird zurzeit nicht angeboten, sonst hätte ich die schon gebucht.
    Ich überlege aber, Bildungszeit für eine sprachliche Fortbildung zu nutzen. Ich merke, dass in meinem beruflichen Umfeld Englisch zunehmend wieder an Bedeutung gewinnt. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich meine Sprachkenntnisse über so eine Maßnahme gezielt aufbessern kann.
     
  • Welchen Stellenwert hat Weiterbildung für Sie – insbesondere auch bezogen auf Ihre Beschäftigten?
    Weiterbildung, in fachlicher Hinsicht, ist für uns natürlich überlebensnotwendig. Wir haben eine eher ältere Mitarbeiterschaft, weil wir in den vergangenen 10 Jahren fast keine neuen Mitarbeiter einstellen konnten. Da wir uns den technischen Herausforderungen stellen müssen, versuchen wir, möglichst viel an fachlicher Weiterbildung sicher zu stellen. So nutzen wir  z. B. einen eigenen Schulungsraum, wo wir interne Fortbildungen organisieren.
    Bezogen auf Bildungszeit haben wir einige Mitarbeiter, die sehr regelmäßig unterwegs sind; wir haben aber auch viele Mitarbeiter, die das kaum bzw. gar nicht wahrnehmen. Also ich glaube, wir sind da ein gutes Abbild der öffentlichen Verwaltung, wo einige sehr engagiert sind und andere gar nicht. Bislang haben wir das selber auch nie offensiv unterstützt, weil Bildungsurlaub bei den Führungskräften mit einem negativen Touch versehen war. Durch den neuen Begriff Bildungszeit ist das jetzt eigentlich die Chance, dieses zu ändern. Den Begriff "Bildungszeit" halte ich wirklich für eine gute Wahl.
     
  • Und wie stehen Sie zu Bildungszeit, wenn diese nicht direkt Ihrem Unternehmen dienlich ist?
    Für mich ist Bildungszeit, also auch eine nicht-fachliche Bildungszeit, ein Baustein für Arbeitszufriedenheit und Wertschätzung. Mitarbeiter können über solche Bildungszeiten ihren persönlichen Horizont erweitern und damit vielleicht auch einen etwas anderen Bezug zu ihrer täglichen Arbeit gewinnen. Und für die Führungskräfte ist es eine Möglichkeit, ihre Wertschätzung zu zeigen. Dass wir einfach anerkennen, ja, da ist jemand, dem gestehen wir zu, dass er sich eine Woche im Jahr einfach mal mit einem besonderen  Thema beschäftigt. Wir unterstützen, dass dieser Mitarbeiter sein Wissen und seine Kompetenz erweitern kann.
     
  • Welche Hindernisse für die Nutzung von Bildungszeit sehen Sie sowohl für sich selbst als auch für Ihre Beschäftigten?
    Bildungszeit bedeutet natürlich, für diesen Zeitraum nicht für die "normale" Arbeit zur Verfügung zu stehen. Und in aller Regel muss jemand anderes die Arbeit mitmachen. Das ist vor dem Hintergrund unseres sehr eng gestrickten Personalkörpers mittlerweile eine echte Herausforderung. Wir gehen bereits bei den üblichen Krankheitsausfällen ziemlich auf dem "Zahnfleisch" und wir sind froh, wenn wir Urlaubszeiten irgendwie überbrücken können. Und wenn dann noch jemand kommt und sagt, jetzt mach' ich auch noch Bildungszeit, dann bedeutet das natürlich durchaus eine Mehrbelastung für die Kolleginnen und Kollegen, die dableiben. Und wenn dann auch noch immer die gleichen Beschäftigten in die Bildungszeit gehen, sorgt das auch schnell mal für Missstimmung. Das ist schade.
    Insofern würde ich mir natürlich wünschen, wir hätten genügend Ressourcen um Bildungszeit problemlos zu ermöglichen. Und das wird etwas sein, womit sich Bremen auch beschäftigen muss. Wir müssen uns überlegen, wie wir mit der Mehrbelastung für die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgehen sollen. Und dann müssen wir auch mal sagen, jetzt kannst du nicht auf Bildungszeit, weil dieses und jenes ansteht, aber du kannst dann gerne beim nächsten Mal dabei sein. Da muss man einfach einen Ausgleich finden.
    Für mich selber ist es auch eine Herausforderung. Ich würde tatsächlich gerne für eine sprachliche Fortbildung Bildungszeit nehmen, weil das einfach eine gute Gelegenheit ist. Ich würde mich selber schwer damit tun, jetzt eine Woche Urlaub zu nehmen, um dann Sprachferien zu machen. Aber hier das berufliche, gut organisiert, mit dem persönlichen Interesse zu verbinden, das finde ich dann eigentlich schon eine spannende Perspektive.
     
  • Haben Sie denn selber Möglichkeiten, ihre Beschäftigen zu unterstützen? Und wenn ja, wie?
    Allein schon, indem man einfach offener mit dieser Thematik umgeht. Ich glaube, da kann viel an Unterstützungsleistung von Vorgesetzten kommen. Einfach bewusst machen, dass Bildungszeit nichts Negatives ist, sondern eine gute Chance zur Erweiterung des Horizontes und zur Wissens- und Kompetenzentwicklung. Vom Grundsatz her hat auch der Vorgesetzte immer ein Interesse daran, dass er motivierte Mitarbeiter hat, dass er pfiffige Mitarbeiter hat, die mitdenken, die ihre Arbeit reflektieren  und ihre Arbeitsbedingungen auch wertschätzen können. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dieses Thema bei den jährlichen Mitarbeitergesprächen mit aufzunehmen und zu fragen, wo ggf. die Interessen liegen könnten.
    Die Vorgesetzten müssen dieses Thema aber auch selber vorleben. Also auch bereit sein, durchaus selber Bildungszeit zu nehmen. Beispielsweise hatte einer unserer Abteilungsleiter beträchtliche Vorurteile und zwar so lange, bis er selber mal dran teilgenommen hat. Plötzlich hat er eine ganz andere Einstellung zu Bildungszeit gewonnen. Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion.
    Insofern beschäftige ich mich  mit dem Thema und schaue, dass ich selber eine Bildungszeitveranstaltung mache, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und den Mitarbeitern nicht das Gefühl zu geben, Bildungszeit sei eine Last. Denn eigentlich ist es eine Chance.
     
  • Welche positiven Effekte nehmen Sie bei Ihren Beschäftigten nach der Teilnahme an einer Bildungszeitveranstaltung wahr?
    Mir fällt gerade ein Mitarbeiter ein, der an einem Spanischkurs teilgenommen hat. Der kam natürlich mit verbesserten Spanischkenntnissen zurück. Eine unmittelbare Auswirkung auf seine Arbeit hat das wohl nicht. Aber dadurch hat der Kollege einfach mal eine Woche etwas anderes gesehen, und er hat vielleicht auch wieder das Lernen gelernt: angefangen von Vokabeln über Grammatik bis zur Konversation. Was uns ja, wenn wir über lebenslanges Lernen reden, im zunehmenden Alter auch immer schwerer fällt. Wenn man auf diese Weise  tatsächlich das Lernen wieder lernt und sich der Herausforderung für Neues stellt, dann kann das auch für den Arbeitgeber nicht verkehrt sein.

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