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Andreas Bullwinkel, gelernter Krankenpfleger, Mitarbeiter QM-Abteilung

Andreas Bullwinkel ist 55 Jahre alt und von Beruf gelernter Krankenpfleger. Von 2004 bis 2014 war er im Betriebsrat tätig. Seit 2014 ist er Mitarbeiter in der QM-Abteilung. Sein Arbeitgeber ist das Klinikum Reinkenheide, Bremerhaven.

  • Was war die letzte Bildungszeitveranstaltung, an der Sie teilgenommen haben?
    Das war eine Coaching-Weiterbildung. Die wurde in Kooperation zwischen der VHS Bremerhaven und der Leibnitz-Universität Hannover angeboten. Das ging über anderthalb Jahre und lief ein Mal im Monat von Freitag bis Sonntag. Ein paar Tage musste ich dann also eigenen Urlaub nehmen. Aber pro Jahr konnte ich für den Freitag fünf Tage Bildungszeit nutzen. Die Möglichkeit, mich zu qualifizieren, um dann auch neue Aufgaben zu übernehmen, das habe ich in dieser Kombination mit Bildungszeit sehr gut machen können. Also nur mit meinem Urlaub hätte ich das nicht ausgehalten. Das habe ich mit meinem Arbeitgeber ganz pragmatisch gelöst. Der fand es auch gut, dass ich diese Ausbildung mache. Deswegen musste ich auch nur die Hälfte selbst bezahlen.

 

  • Wie sind Sie (das erste Mal) darauf gekommen, Bildungszeit zu nehmen?
    Ich hab schon 1984 das erste Mal Bildungsurlaub, also jetzt ja Bildungszeit, genommen. Und zwar im Rahmen der Krankenpflegeausbildung. Da hat man so Themen genommen, die im Grunde genommen eigentlich in die Ausbildung gehören, aber eigentlich in der Ausbildung offiziell nicht vorgesehen sind. Zum Beispiel war „Umgang mit Tot und Sterben“ ein Seminarthema. Und da wurde dann immer die Bildungszeit für genutzt. Von daher habe ich so in den ersten drei Jahren meiner Berufsausbildung zum Krankenpfleger jedes Jahr eine Woche Bildungszeit genommen. Und wusste dann, dass es das gibt. Das gehörte einfach dazu und wurde von der Schule so organisiert. Aber wir waren alle ganz dankbar dafür, dass es das gegeben hat.

 

  • Mit welchem Gefühl oder welcher Einstellung sind Sie nach Ihrer Bildungszeit in das Unternehmen zurückgekehrt?
    Im Grunde genommen ging es darum, das Wissen, das ich dort erworben habe, auch anwenden zu können, Möglichkeiten auch zu nutzen. Und das hat mir dann letztendlich auch die Möglichkeit eröffnet, die jetzige Stelle zu besetzten. Ich habe im Vorfeld gedacht, ich qualifiziere mich sozusagen aus eigenem Interesse, aber auch aus dem beruflichen Interesse heraus, denn ich habe jetzt noch die Möglichkeit, was Neues zu machen.

 

  • Was ist Ihre Motivation, nochmal an einer Bildungszeitveranstaltung teilzunehmen?
    Na gut, ich kann ja nie auslernen. Mein Schwerpunkt bei meiner Arbeit ist nun mal die Kommunikation und obwohl ich so viele Qualifikationen in diesem Bereich besitze, erfahre ich jeden Tag etwas Neues.
    Es gibt ja auch die verschiedensten Gründe, ich nutzte es in erster Linie schon beruflich. Wobei ich dazu sagen muss, ich habe viele Jahre hier in der Stadt Kommunalpolitik gemacht und habe das dann natürlich auch nutzten können. Als Politiker ist es schon ganz hilfreich, wenn man ganz gut kommunizieren kann, und auch weiß, was mein Gegenüber meint, auch ohne dass er mit mir spricht. Und dass sind so die Kernpunkte, die für mich immer wichtig waren, und auch Motivation waren, interessante Bildungsseminare zu suchen.

 

  • Haben Sie schon eine Idee, worum es in Ihrer nächsten Bildungszeit gehen soll?
    Ich habe für Oktober einen interessanten Kurs gesehen, für den ich mich angemeldet habe. Da geht es um die Kunst, Haltung zu zeigen. Es geht in erster Linie um mentale Haltung. Die Dozentin kenne ich aus meiner Coaching-Ausbildung. Da weiß ich, was ich für Qualität erhalte.

 

  • Seit 2010 gibt es auch kürzere Bildungsmaßnahmen, die als Bildungszeit anerkannt sind. Nutzen Sie das?
    Ja, mir ist es manchmal lieber, nur kurz etwas zu hören. Dann lieber öfter mal. Und von daher ist mir das wirklich entgegen gekommen, auch nur einzelne Tage als Bildungszeit zu nutzen.

 

  • Welche Hindernisse sehen Sie persönlich und beruflich für die Nutzung von Bildungszeit?
    Mir ist aufgefallen, dass irgendwie viele diese Möglichkeit gar nicht nutzen können. Das liegt, glaube ich, daran, dass es in kleineren Betrieben eher schwierig ist bzw. die Vorgesetzten nicht glücklich darüber sind, wenn die Mitarbeiter sowas beantragen. Es wird gar nicht gesehen, was für Möglichkeiten sich da auch ergeben. Denn wenn man diesem Grundsatz folgt, den sich das Gesetz auf die Fahnen geschrieben hat, also dieses lebenslange Lernen, dann sollte das überall so sein und nicht nur in den Großbetrieben. Und ich glaube, dass viele Unternehmen nicht wissen, was ihnen oder ihren Mitarbeitern da entgeht, und welche Fähigkeiten ihre Mitarbeiter dann nach so einer Bildungszeit wieder mit ins Unternehmen zurückbringen. Ich glaube, ich bin wirklich ein gutes Beispiel dafür, dass es ohne Hochschulstudium oder ähnlichem auch funktionieren kann, sich Qualifikationen anzueignen. Die mich dann auch befähigen, eben diese Rolle auszufüllen. Und es ist nicht leicht. Wenn ich diese vielen Ausbildungsqualifizierungsmöglichkeiten also nicht gehabt hätte, könnte ich diese Arbeit, in dieser Form, wie ich sie jetzt mache, nicht tun. Einige davon waren ja betriebliche Fortbildungen, aber ich hab irgendwann gemerkt, dass mir dieser Bereich Kommunikation ganz wichtig ist. Und da gibt’s ja wirklich vielfältige Angebote im Bereich der Bildungszeit. Und wirklich auch mit exzellent ausgebildeten Dozentinnen und Dozenten.
    Also auch bei uns ist es natürlich so, dass auch hier spürbar ist, dass in den Bereichen, wo Personalknappheit herrscht, zum Beispiel im Pflegebereich, da findet das auch nicht mehr so häufig statt. Eigentlich müsste sowas im Stellenplan mit eingerechnet sein. Theoretisch.
    Ich finde es jetzt aber auch nicht so schlimm, wenn es mal ein Jahr lang nicht klappt, es muss auch irgendwie das Thema für mich in Ordnung sein, ich muss daran schon interessiert sein.

 

  • Welchen persönlichen und welchen beruflichen Nutzen hat Bildungszeit für Sie?
    Mir hat Bildungszeit die Möglichkeit gegeben, mich nicht nur beruflich weiterzuentwickeln, sondern mich als Mensch auch reifen zu lassen.
    Ich bin immer ganz froh, wenn ich eine Weiterbildung vor Ort machen kann. Auswertige Seminare haben aber natürlich den Vorteil, dass man abends noch einmal zusammen sitzt mit den Menschen und sagt, „Wie regelt ihr sowas eigentlich auf der Arbeit, wenn ihr solche Probleme habt?“ Das fehlt dann natürlich, wenn man nicht so gerne so weit weg fährt wie ich. Aber diese Vielfalt an Menschen, die interessiert mich. Es ist ja nicht so, dass nur die Inhalte wichtig sind. Die Situation der Menschen ist immer unterschiedlich, trotzdem findet man eine Menge Gemeinsamkeiten.
    Wenn Menschen z.B. eine Bildungszeitveranstaltung zum Thema Lebensraum Wattenmeer besuchen und hinterher ihre Einstellung zur Umwelt ändern, ist auch etwas gewonnen. Irgendwie profitieren wir immer. Vielleicht nicht immer zwangsläufig der Arbeitgeber, in vielen Fällen schon, wenn er denn auch mehr Offenheit zeigen würde.

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