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Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Barbara Stiller

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft?  In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im September 2017 stand uns Prof. Dr. Barbara Stiller Rede und Antwort. Sie ist Professorin für Instrumentalpädagogik, Elementare Musikpädagogik und Musikvermittlung. Die Leiterin des Instituts für musikalische Bildung in der Kindheit (ImBiK) beschäftigt sich an der Hochschule für Künste Bremen mit Forschungsfragen zur kulturellen Bildung aus musikalischer Sicht.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
    Als Kind wollte ich Reporterin für den Weser-Kurier werden. Dann wäre ich heute vielleicht diejenige, die hier die Fragen stellen dürfte…
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Meistens sind es recht unerwartete Augenblicke im Rahmen meiner verschiedenen Lehrveranstaltungen, die mir Wachheit, Schlagfertigkeit und Spontanität abverlangen und mich stets aufs Neue begeistern können.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Es wäre eine "Improvisationsorchester-Bude". Die Leute dürften probieren, wie es sich anfühlt, einen klingenden Apparat in Gang zu setzen und die Musik nach Lust und Laune zu dirigieren.
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Musikalisch-kulturelle Bildung erzeugt, zumindest was den Laiensektor betrifft, keinen direkten wirtschaftlichen Nutzen. Im Zentrum unserer Forschungsinteressen stehen musikalische Bildungsprozesse und deren Wirkungszusammenhänge. Aus meiner Sicht wäre der größte Nutzen erreicht, wenn die Menschen durch musikalische Angebote stärker zu sich selbst kommen, ihr Leben aktiv gestalten und diese Lebensart auch mit anderen teilen können.
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Forschung von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Ein Leben mit Musik kann dazu beitragen, mit sich selbst zufrieden(er) zu sein. Fortschrittlich wäre es, wenn es gelänge, Kindern von früher Kindheit an zu ermöglichen, Musik in ihrer ganzen Vielfalt gemeinsam mit anderen erleben zu können. Wenn MedizinerInnen und NeurologInnen dann feststellen, dass Menschen, die musizieren, oftmals resilienter sind und mit Stress- und Krisensituationen besser umgehen können, wäre für die Gesellschaft schon einiges erreicht. Meine konkrete Aufgabe betrachte ich darin, mir Gedanken darum zu machen, wie ein solch musikalisches Umfeld für alle Kinder unabhängig finanzieller Privilegien geschaffen werden kann.
     
  • Verraten Sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Mein wichtigstes Forschungsinstrument ist die "strukturierte Beobachtung". Ich schaue mir musikalische Interaktionen von Kindern und ihren Lehrpersonen an, um daraus neue Konzepte für die grundständige Lehre zu entwickeln und weiterbildende Studienprogramme für nicht traditionelle Studierendengruppen zu konzipieren.
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich wurde in Bremen geboren und habe hier meine ersten 19 Lebensjahre verbracht. Zum Studieren zog es mich nach Hamburg. Nach mehreren beruflichen Stationen kam ich 2002 aus dem baden-württembergischen Weikersheim zurück nach Bremen.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?
    Bremen ist ein Dorf mit Großstadtcharakter. Die Wissenschaft trägt dazu bei, profitiert aber auch davon. Für mein Forschungsfeld der musikalischen Bildung und Kulturvermittlung finden sich in Bremen viele kompetente AnsprechpartnerInnen und EntscheidungsträgerInnen, die ein offenes Ohr für unsere Anliegen haben.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Mehr laue Sommerabende und spürbar mehr Geld für Bildung. Vor allem Letzteres, um die im Bereich der frühen und vorschulischen Bildung Tätigen besser für ihre wichtige gesellschaftliche Aufgabe qualifizieren zu können.
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Mit dem Fahrrad, zu Fuß oder samt Gepäck mit der BSAG.
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Bei der Vielfalt der Bremer Wissenschaftslandschaft erscheint mir das Bild eines bunten und hautnah zu erlebenden Zoos am angemessensten zu sein.
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    An der Hamburger Musikschule voll im Berufsleben zu stehen und parallel dazu zu promovieren, war für mich Ende der 1990er Jahre eine zeitweilig belastende Herausforderung.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Bei der Bearbeitung größerer Forschungsvorhaben an einer künstlerischen Hochschule wie der HfK Bremen kommt ständig etwas Neues auf mich und uns zu. Die HfK Bremen ist dabei immer mal für eine Überraschung gut, und eben dieses Umfeld motiviert und fasziniert mich.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Die Dinge auf mich zukommen zu lassen und im Zweifelsfall lieber früher als zu spät jemanden Vertrautes um einen Rat zu bitten.
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Als ich vor circa 25 Jahren das erste Mal vor einer zwölfköpfigen Gruppe Vierjähriger der Musikalischen Früherziehung stand, fühlte ich mich ähnlich ohnmächtig wie heute, wenn ein Antrag, in den viel Hirnschmalz geflossen ist, mit einem Standardsatz abgelehnt wird. Solch kleine Scheitermannöver gehören zum kreativen Alltag an einer Hochschule und setzen neue Energien frei.
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Dankenswerterweise verfüge ich über recht zuverlässige Erholungsstrategien. An erster Stelle der Wirksamkeitsskala stehen meine FreundInnen und Familie, meine Geige und ein kleiner, gemütlicher Balkon.
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen oder Bremerhaven. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Bremen hat vielerorts seinen besonderen Charme in einer lebenswerten Umgebung zu bieten. Diesen zu entdecken, ist eine individuelle Angelegenheit und eine angenehme Aufgabe.
     
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?
    Bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für musikalische Bildung in der Kindheit würde sich bestimmt jede und jeder willkommen fühlen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass man bei ihnen auch über fachliche Fragestellungen hinaus für viele Lebenslagen und -fragen in und um Bremen einen Tipp erhält.
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Ich bin ja schon Bremerin und das sehr gerne. Mein Leben möchte ich eigentlich selbst für einen Tag mit niemandem tauschen.

Steckbrief: Prof. Dr. Barbara Stiller

Alter

47

 

Fachbereich / Forschungsfeld

Musik / kulturelle Bildungsprozesse aus musikalischer Sicht

 

Aktuelle Position / Funktion

Leiterin des Instituts für musikalische Bildung in der Kindheit (ImBiK)

 

Aktuelle Tätigkeit /aktuelles Forschungsprojekt

Lebenslanges Lernen an einer künstlerischen Hochschule: Entwicklung weiterbildender Studienprogramme mit einem Fokus auf musikalisch-ästhetischer Bildung

 

Letzte Veröffentlichung

Stiller, Barbara: Beobachten im Musikunterricht der Grundschule (2017), in: Carle, Ursula / Peschel, Markus (Hg.): Forschung für die Praxis in der Reihe "Beiträge zur Reform der Grundschule des Grundschulverbandes e.V.". GSV, Bd. 143

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