Ein Mann in einem blauen Hemd steht neben dem Modell einer Rakete; Quelle WFB/Jonas Ginter

Wissenschaft persönlich: Dr. Martin Sippel

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Dezember 2016 stand uns Dr. Martin Sippel Rede und Antwort. Als Abteilungsleiter für Systemanalyse Raumtransport am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme arbeitet er Vorschläge für zukünftige Raketen und Wiedereintrittsfahrzeuge aus. 

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
    Ach, das weiß man ja nie. Vielleicht Architekt. Irgendwie bin ich das sogar geworden. Nur für zukünftige Raumfahrzeuge und Raketen.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Wenn man merkt, dass die vorgeschlagenen Konzepte oder Ideen auf Resonanz stoßen. Und zwar sowohl bei den FachkollegInnen als auch mindestens genau so in der Öffentlichkeit.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucherinnen und Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Da könnten wir einen schönen Raumflugsimulator für den Passagierflug aufbauen. Dies ist zwar nur ein kleiner Teil unserer Arbeiten, aber wahrscheinlich der Spektakulärste. Mit einer größeren Investition könnte man locker jede Achterbahn schlagen (oder was sonst so alles angeboten wird). Gleichzeitig könnte man den BesucherInnen die wichtigsten Zusammenhänge der Raketen und der Raumfahrt spürbar vermitteln. 
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Den Zugang zum Weltraum für alle günstiger zu machen. 
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Forschung von Fortschritt? Womit retten Sie die Welt?
    Fortschritt in der Systemanalyse „Raumtransport“ ist tatsächlich, den Zugang zum Weltraum für alle günstiger zu machen, erfolgreich umzusetzen. Dass wir damit die „Welt retten“ erscheint ziemlich weit hergeholt und dies ist nicht unsere Motivation. Da müsste man an Extremsituationen denken wie den hypothetisch bevorstehenden Einschlag eines Riesen-Meteoriten auf der Erde. Dann könnten wir vielleicht einen Beitrag zur Rettung der Menschheit liefern. 
     
  • Verraten Sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument?
    So vielfältig die Systemanalyse, so unterschiedlich sind die Methoden, die wir einsetzen. Es beginnt mit der Analyse im Kopf, es kann mit einem Workshop zu einer Problemstellung fortgesetzt werden und schließt immer auch Simulationen mit Computer-Programmen ein. Wir in der Systemanalyse haben selber keine experimentellen Einrichtungen, Prüfstände oder Labore, obwohl ich durchaus die besondere Herausforderung und den Reiz von Testanlagen sehe, um mit seinen Forschungen weiter zu kommen. 
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Woher kamen Sie?
    2008 führte mich der Wechsel an das neue Institut für Raumfahrtsysteme vom DLR in Köln.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort Bremen/Bremerhaven? Was hält Sie hier?
    Bremen ist inzwischen so etwas wie die deutsche Hauptstadt der Raumfahrt.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Ein eigener Startplatz für Raketen der Raumfahrt. Im Ernst ist das natürlich keine machbare und sinnvolle Option innerhalb von Bremen. Allerdings nicht allzu weit von hier, an der Nordküste stehen die Chancen zumindest potentiell deutlich besser.
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Fast immer mit dem Fahrrad, manchmal mit der Straßenbahn (z.B. zum Bahnhof oder Flughafen) oder mit dem Bus. Ziemlich selten innerhalb der Stadt mit dem Auto.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Eine Idee, die offensichtlich hohes Potential hat, konsequent und hartnäckig über einen längeren Zeitraum weiter verfolgen und nicht gleich bei den ersten Widerständen aufgeben. Ganz wichtig ist, dass man nicht irgendwelchen Mode-Trends hinterherläuft. Da wird man immer nur der Verlierer sein. Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass man seine Umgebung ignorieren sollte. Im Gegenteil muss man diese immer sorgfältig beobachten und analysieren und verstehen, warum jemand anders einen alternativen Weg bevorzugt. 
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Fahrradfahren an der Weser oder im Blockland und Spaziergänge.
     
  • Der/Die nächste NachwuchswissenschaftlerIn zieht nach Bremen. Wo sollte er/sie wohnen und mal hingehen?
    Das kommt ganz auf die Person und ihren Geschmack an. Wenn man nicht allzu weit vom Zentrum entfernt wohnt, ist der genaue Stadtteil gar nicht so wichtig. In Bremen gibt’s halt kurze Wege.

Steckbrief: Dr. Martin Sippel

Alter

52
 

Familienstand

ledig
 

Fachbereich / Forschungsfeld

Raumfahrttechnik / zukünftige Raumtransportsysteme
 

Aktuelle Position / Funktion

Abteilungsleiter für Systemanalye
Raumtransport beim DLR Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen
 

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Ausarbeitung von Vorschlägen für zukünftige Raumtransportsysteme (Raketen und atmosphärische Wiedereintrittsfahrzeuge) und entsprechende Flugdemonstratoren

 

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