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Wissenschaft persönlich: Dennis Paul

Dennis Paul steht auf der Straße vor der Hochschule für Künste in Bremen
Dennis Paul lehrt als Professor für Interaktion und Raum an der Hochschule für Künste Bremen.

Quelle: WFB/Jonas Ginter

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:Innen und Wissenschaftskommunikator:Innen regelmäßig unseren Fragen und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im März 2021 stand uns Professor Dennis Paul von der Hochschule für Künste Rede und Antwort. Warum er von "Hebammenkunst" begeistert ist und ihm das Geld "fehlt" lest ihr hier in unserem Interview:

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
    Ich wäre dann wohl Wissenschaftler geworden (Biologe wahrscheinlich). Unter uns: ich bin ja weder Wissenschaftler noch Wissenschaftskommunikator, sondern Gestalter. Da wird zwar auch durch, über und mit Wissenschaft gearbeitet und kommuniziert aber eben auf eine andere eigene Art.

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Ehrlich gesagt gibt es kaum einen Tag an dem ich meinen Job nicht mag, weswegen ich meine Tätigkeit auch eher nicht so bezeichnen würde. In meiner Tätigkeit als Professor sorgen diese Momente, in denen ich miterlebe wie die Studierenden mit oder in ihren Arbeiten die entscheidenden Schritte machen für Begeisterung … das hat schon etwas von Sokrates »Hebammenkunst«.

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Wahrscheinlich gar nicht viel anders als das, woran ich so arbeite. Als Gestalter bin ich mit dem Inszenieren von Spektakel ja durchaus vertraut. Vielleicht etwas monochromer.

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Das Gestalten, besonders das von und mit neuen Technologien, wirkt auf viele Arten in den Alltag. Einmal direkt durch das Gestalten von Alltagsdingen (wie z.B. Websites, Apps und elektronischen Geräten, dann aber auch indirekt, indem wir durch unsere Gestaltungen auf Dinge aufmerksam machen und so gesellschaftspolitische Themen diskutieren oder diskutierbar machen. Hinzu kommt, dass der Begriff des Nutzens in der Gestaltung heiß diskutiert wird und definitiv nicht einfach zu Greifen bleibt.

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Rettet Fortschritt die Welt? Zurzeit scheint er ja eher das Problem zu sein. Des einen Fortschritt ist des anderen Untergang.Ich finde den Fortschrittsbegriff problematisch.

  • Verraten sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Wenig verwunderlich ist mein liebstes Arbeitsinstrument der Computer. Interessanter weise ist meine wichtigste Forschungsmethode allerdings das Herstellen von physischen Dingen.

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Tatsächlich wurde ich in Bremen geboren, bin dann aber als junger Erwachsener in die weite Welt hinausgezogen. Zurück kam ich dann wegen meiner Professur und dem guten Wetter.

  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?
    In Bezug auf die Hochschule für Künste und ich glaube das gilt auch für den Standort Bremen im Allgemeinen, schätze ich die kurzen Wege die wohl das Etwas-Kleiner-Sein mit sich bringt, die im Idealfall aber dazu führen, dass Leute zusammenkommen, die dies sonst nicht tun würden. Wir nennen das ganz euphemistisch: Interdisziplinarität.

  • Fehlt Ihnen etwas?
    In Berlin sagte man damals in der Kulturwelt (und wahrscheinlich auch noch immer): »Gebt uns das Geld, den Rest machen wir.«. Also in diesem Sinne: Geld!

  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Ha! Das war meine Antwort zur Frage oben ;) Aber in Bezug auf die Bewegung durch die Stadt ganz klar mit dem Rad!

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Schwierig. Ich nehme die Hauskatze, die im Vergleich zum Hund, obwohl sie nur die Hälfte der Neuronen hat, als intelligenter wahrgenommen wird, dass allerdings auch nur, laut einer Studie, da sich nicht immer das tut was man ihr sagt.

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    So albern das auch klingt, war es die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich mir so intensiv ausgemalt, was bestimmte Leute wohl über mich und meine Arbeiten denken und was sie von mir hören wollen. Sehr anstrengend! Hat zum Glück trotzdem geklappt. Aber, obwohl das schon so lange her ist, werde ich die innere Anspannung nicht vergessen. Von daher Respekt für alle die sich auch heute noch auf das Abenteuer einlassen: es lohnt sich!

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Das weiß ich nicht.

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Zuhören, freundlich sein und das was man macht möglichst gerne machen.

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Ich scheitere so oft, täglich, da kann ich gar kein einzelnes Mal herausstellen. Wenn man sich allerdings über so viele Jahre mit digitalen und neuen Technologien beschäftigt, dann ist eine mentale Widerstandsfähigkeit gegen das Scheitern geradezu etwas das man gezwungen wird zu lernen.

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Ganz klar durch Rennrad fahren.

  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll? ¼ + ¼

  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?
    Also wenn ich diese Person nachhaltig beeindrucken wollte, dann würde ich sie wohl mit der Weser bekannt machen. Sielwallfähre und dann einen Spaziergang auf der Werderinsel. Wer sich da nicht in Bremen verliebt …

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer/m Bremer/in oder Bremerhavener/in tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Ich würde gerne den Tag einer der Person erleben, die damals, vor fast 2000 Jahren, die erste Siedlung, hier in dem Gebiet des heutigen Bremens gründeten. Sonst wäre ich auch gerne einmal James Last, aber nur aus Spaß.

Portrait von Professor Dennis Paul

Portrait Professor Dennis Paul

Wissenschaftler Dennis Paul

Quelle: WFB/Jonas Ginter

Professor Dennis Paul

Geburtsjahr

1974


Fachbereich / Forschungsfeld

Interaktion und Raum


Aktuelle Position / Funktion

Leiter des Studiengangs Digitale Medien

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Im Rahmen meines Forschungsfelds beschäftige ich mich mit »Generativer Gestaltung« (dem Programmieren von Gestaltung), »Speculative Design« (dem Einsatz von Gestaltung um alternative oder nahe Zukünfte begreifbar zu machen) und »New Musical Instruments« (dem Entwurf von neuen elektronischen Musikinstrumenten)

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