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Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Christian Wild

Ein Wissenschaftler vor einem Aquarium
Prof. Dr. Christian Wild ist Professor an der Universität Bremen und leitet den Bereich "Marine Ökologie". Bei "Wissenschaft persönlich" berichtet er über seinen Werdegang, seine Arbeit und sein Leben in der Hansestadt!

Quelle: WFB/Ginter

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler*innen regelmäßig unseren Fragen und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Juli 2020 stand uns Prof. Dr. Christian Wild von der Universität Bremen Rede und Antwort. Federführend in der Organisation des 14th International Coral Reef Symposium (ICRS 2021) verrät der gebürtige Münchener, warum es ihn in den Norden verschlagen hat, weshalb er den Wissenschaftsstandort Bremen mit einer Krake vergleicht und warum die Zeit nach seiner Promotion zur größten Herausforderung seiner wissenschaftlichen und beruflichen Laufbahn wurde!

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
    Wahrscheinlich Wissenschaftsjournalist oder Berufstaucher, denn ich schreibe und tauche sehr gerne.
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Wenn ich ein Forschungsprojekt, das auf einer Idee von mir basiert, zu einem erfolgreichen Abschluss, d.h. der Publikation der Ergebnisse, geführt habe. Begeistert bin ich bei überraschenden Beobachtungen in der Natur oder bei Experimenten.
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Das wäre der Wahrsagerstand – Unsere Forschung ermöglicht ja einen gewissen Blick in die Zukunft (siehe nächste Frage).
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Wir versuchen mit unserer Forschung in die Zukunft zu schauen, indem wir in Experimenten Bedingungen simulieren, wie wir sie in 50 oder 100 Jahren erwarten können. Wir messen dann die Reaktionen der Meerestiere auf diese Bedingungen und können so Aussagen treffen, was passieren wird, wenn wir uns so oder so verhalten. Das kann eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen und Management-Verbesserungen sein.
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Fortschritt bedeutet für mich wichtige Ergebnisse zu publizieren bzw. so an die Gesellschaft und Entscheidungsträger heranzutransportieren, dass sie verstanden werden. Das kann dann zu wichtigen Entscheidungen und Verbesserungen führen.
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Ich hatte zwar überraschenderweise ziemlich Platzangst, aber die Fahrt mit einem U-Boot zu Kaltwasserkorallenriffen in ca. 400 m Wassertiefe vor Norwegen war sicherlich mein größtes und unvergesslichstes Erlebnis als Meeresbiologe. Wir konnten dabei mit Hilfe von Greifarmen auch wichtige Proben für unsere Forschung nehmen. Ansonsten sind sicherlich wasserdichte Messgeräte, die man direkt auf dem Meeresboden installieren kann, sogenannte in-situ Multilogger, unser wichtigstes Forschungsinstrument.
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich komme ursprünglich aus München. Die Meeresbiologie hat mich aber schon früh begeistert. Insofern bin ich für das Hauptstudium und die Promotion nach Bremen gezogen, denn Bremen bietet in Deutschland und generell in Europa herausragende Möglichkeiten für Meereswissenschaftler. Nachdem ich dann eine Zeit lang an anderen Standorten war, zog es mich 2010 zurück nach Bremen, denn ich hatte einen Ruf auf eine Professur bekommen.
  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?
    Bremen ist gerade in den Meereswissenschaften sehr stark und vielseitig. Die Uni selbst bietet ein tolles Umfeld mit vielen spannenden meeresbiologischen Arbeitsgruppen der verschiedenen Fachrichtungen. Und das wird noch ergänzt durch mehrere forschungsstarke Partnerinstitutionen in der direkten Umgebung. Es gibt kaum etwas Vergleichbares in Europa und darüber hinaus.
    Dazu kommt, dass die Stadt Bremen eine hohe Lebens- und Wohnqualität zu bezahlbaren Preisen ermöglicht. Gerade als Münchner weiß ich das sehr zu schätzen.
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Ja, die Berge ;-)
    Und die Pfifferlinge, denn ich sammle unheimlich gerne Pilze.
  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Fast immer mit dem Fahrrad. Bei uns in der Familie hat nur meine Frau ein Auto.
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Ein Krake: intelligent, neugierig, mit vielen Armen.
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Ich war nach meiner Promotion eine Zeit lang arbeitslos. Das war frustrierend, denn in dieser Zeit habe ich viele Absagen auf Bewerbungen bekommen. Zudem wurde mein erster Forschungsantrag mit eigener Stelle abgelehnt. Es schien also nichts zu klappen und auch nicht weiterzugehen mit mir in der Wissenschaft. Ich bin froh, dass das nur eine negative Phase von einigen Monaten war.
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Aktuell ist eine grosse Herausforderung für uns alle sicher die Corona-Pandemie. Es ist nicht klar, wie und wann es mit Forschung und Lehre weitergehen kann. Ich befürchte, dass uns das noch lange sehr herausfordern wird. Nicht nur beruflich, sondern auch privat.
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Jeder hat seine/ihre Schwächen und Stärken. Ich glaube, dass ich meine Stärken und vor allem meine Schwächen schon früh erkannt habe. Ich habe also versucht meine Schwächen durch Übungen so abzumildern, dass sie mir zumindest nicht mehr im Weg stehen.
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Die Zeit der Arbeitslosigkeit (siehe oben) hat mir sicherlich viel Demut beigebracht und mir klargemacht, wo ich mich verbessern muss.
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Tauchen an einer schönen Steilwand oder alternativ langes Laufen – ganz klar.
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Ich liebe das Viertel! Ich selbst habe als Doktorand dort gewohnt und es sehr genossen, auch zum abends weggehen.
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?
    Wahrscheinlich mit mir;-). Ich könnte ihm oder ihr sicherlich ein paar gute Tipps geben.
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer/m Bremer/in oder Bremerhavener/in tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Mit einem Bauern aus dem Blockland. Ich stelle mir sein Leben toll vor, befürchte aber, dass ich da zu romantische Vorstellungen habe.
Eine Porträtaufnahme eines Mannes

Quelle: WFB/Ginter

Prof. Dr. Christian Wild

Geburtsjahr
1974

Fachbereich / Forschungsfeld
Biologie & Chemie / Forschungsfeld: Marine Ökologie

Aktuelle Position / Funktion
Professor an der Universität Bremen / Funktion: Abteilungsleiter

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt
Forschung und Lehre / aktuelles Forschungsprojekt: mehrere

Familienstand
verheiratet, 2 Kinder (Anna und Maximilian)

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