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Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Bernd Stecker

Foto von Herrn Prof. Dr. Bernd Stecker in der Hochschule Bremen
Prof. Dr. Bernd Stecker ist Professor an der Hochschule Bremen und im Internationalen Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft. Sein Forschungsfeld ist die Ökologie und nachhaltige Entwicklung sowie der Natur- und Schutzgebietstourismus.

Quelle: WFB/Jonas Ginter

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:Innen und Wissenschaftskommunikator:Innen regelmäßig unseren Fragen und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im November 2021 steht uns Prof. Dr. Bernd Stecker, Professor an der Hochschule Bremen im Internationalen Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft, Rede und Antwort. Neben seiner Tätigkeit als Professor an der Hochschule ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Waldnationalparks Eifel. Welche Momente in seinem Beruf bei ihm Begeisterung auslösen und warum er gerne mal für einen Tag das Leben mit dem Direktor des Bürgerparks tauschen würde, erfahrt ihr hier im Interview:

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?

Förster!
Nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Forstwissenschaft (Diplom) sowie der Forstwirtschaft in den Tropen und Subtropen (M.Sc.) war ich zunächst als Förster tätig. Das wäre wohl auch so geblieben, hätte ich nicht als Mitarbeiter eines Waldprojektes der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GiZ) in Malaysia an der Universität Hamburg die Chance bekommen, im Rahmen einer Promotion wissenschaftlich zu untersuchen, welchen Beitrag der Ökotourismus zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tropischer Regenwälder leisten kann. Diese Arbeit empfand ich als sehr faszinierend und erfüllend, sodass ich danach im Wissenschaftsbereich geblieben bin.

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?

Wenn ich das Interesse, Engagement und den Lernerfolg mancher Studierenden sehe. Große Freude und Zufriedenheit empfinde ich auch, wenn sich Absolventen bei mir melden und mit Begeisterung von ihrer beruflichen Karriere berichten und was sie dafür in ihrem Studium aus meinen Seminaren zum Nachhaltigkeits- und Klimawandeldiskurs mitgenommen haben.

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucher:innen erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?

Exponate oder Bildplakate aus dem Bereich der Freizeit- und Tourismuswirtschaft, auf denen jeweils nachhaltige und eher nicht-nachhaltige Situationen dargestellt sind. Auf diese Weise könnte ich mit den Besuchern diskutieren, wie sie ihre Freizeitaktivitäten oder ihre Urlaubsreise möglichst klima-, umwelt- und sozialverträglich gestalten können.

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?

Nachhaltigkeit ist die Leitidee für eine zukunftsfähige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Vor allem in den Industrieländern kommt auch dem Freizeitsektor in der Diskussion um die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung eine Schlüsselrolle zu, da er für die Lebensqualität von immenser Bedeutung ist. In der Freizeit kristallisieren sich Konsummuster als mehr oder weniger nachhaltige Lebensstile besonders deutlich heraus. Zudem bietet die Freizeit einen Interaktionsraum zum Ausprobieren einer neuen Zeitkultur der Muße und Entschleunigung. Sie kann somit auch einen nicht unerheblichen Beitrag zur Entfaltung nachhaltiger Entwicklungsprozesse leisten.

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?

Ich rette sicherlich nicht die Welt. Aber ich trage durch meine Lehre und Forschung dazu bei, Denkanstöße für eine zukunftsfähige Entwicklung der Gesellschaft im Allgemeinen zu geben sowie durch anwendungsorientierte Projekte Ideen und Vorbilder für die Förderung eines nachhaltigen und klimaschonenden Freizeitsektors im speziellen aufzuzeigen.

  • Verraten sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?

Am liebsten arbeite ich in der Feldforschung, meistens mit einem Mix aus quantitativen (Umfragen) und qualitativen Methoden (Experteninterviews, Beobachtungen) z.B. im Rahmen der Erfassung und Beurteilung einer nachhaltigen Entwicklung in touristischen Zielgebieten.

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?

Im Jahr 2001 die Annahme des Rufes auf die Professur an der Hochschule Bremen; davor war ich bereits drei Jahre lang als wissenschaftlicher Angestellter in der Lehre an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Land Brandenburg) tätig.

  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?

Die kurzen Wege und die internationale Ausrichtung! Die kurzen Wege sind einfach genial in Bremen und das sowohl räumlich - fast alles kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden - als auch beruflich, da wichtige Ansprechpartner*innen in allen Bereichen schnell erreichbar sind. Für einen Wissenschaftler im Hochschulbereich ist das eine sehr komfortable Konstellation. Und hinsichtlich der Internationalität ist unsere Hochschule mit mehr als 380 Kooperationsverträgen mit Partnerhochschulen in aller Welt deutschlandweit Vorreiter. Dadurch können nicht nur die Studierenden tolle interkulturelle Erfahrungen sammeln, sondern auch wir als Wissenschaftler Lehre und Forschung im internationalen Kontext betreiben.

  • Fehlt Ihnen etwas?

Mein Herzensthema Nachhaltigkeit fordert geradezu mehr Interdisziplinarität in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen in der Hochschule aber auch mit Institutionen und Unternehmen von außerhalb. Trotz einiger guter Ansätze, besteht hier m.E. noch viel Luft nach oben. Das betrifft nicht zuletzt auch die unzureichende finanzielle Ausstattung der Hochschulen.

  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?

Ganz überwiegend zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Bei extremen Schmuddelwetter geht’s auch mal mit Bus und Straßenbahn.

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?

Da würde ich mich an den Bremer Stadtmusikanten orientieren und somit gleich an vier Tiere, die ja eindrucksvoll gezeigt haben, dass man als interdisziplinäres Team wohl am besten vorankommt.

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?

Nach gerade abgeschlossener Promotion sogleich in verantwortlicher Position einen innovativen, englischsprachigen Bachelor-Studiengang (International Forest Ecosystem Management) an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) zu konzipieren, aufzubauen und mit dem Fakultätskollegium umzusetzen.

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?

Als Wissenschaftler sehe ich mich jederzeit herausgefordert und versuche diesem Anspruch auch gerecht zu werden.

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?

Man wächst mit den Aufgaben, die man sich stellt!

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?

Meine zunächst unbefriedigenden Versuche, die Komplexität der Nachhaltigkeit mit ihren vielfältigen Wechselwirkungen und Rückkopplungen zwischen den Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziokultur verständlich rüberzubringen. Daraus habe ich gelernt, die Dinge so einfach und klar wie möglich darzustellen. Ich stellte fest, dass immer da, wo mir das nicht gelang, ich eigentlich selbst noch mein Wissen vertiefen bzw. besser sortieren musste.

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?

Beim Bogenschießen, auf langen Waldspaziergängen, bei einer Fahrradtour rund um den Werdersee, in der Sauna oder beim Schwimmen.

  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?

Da fallen mir spontan zunächst das Viertel und die Neustadt ein. Im Viertel habe ich die ersten drei Jahre in Bremen gewohnt. Die Zeit ist mir in guter Erinnerung geblieben. Nun wohne ich schon mehr als 10 Jahre in der Neustadt, in der sich gerade in den letzten Jahren eine bunte und abwechslungsreiche Kultur- und Kneipenszene etabliert hat. Aber es gibt viele schöne Ecken mit einer erstaunlichen Vielfalt in dieser Stadt. Da ist für jeden etwas dabei.

  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?

Mit einem guten Freund, der alteingesessener Bremer ist und einen vielseitigen Blick auf Bremen und umzu hat.

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer/m Bremer/in oder Bremerhavener/in tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?

Als ausgebildeter Förster würde ich gern mal in die Rolle des Direktors von Bürgerpark und Stadtwald schlüpfen, um spannende Einsichten darüber zu bekommen, wie vielfältig, aber auch konfliktreich die Aufgaben zur Erhaltung und Pflege eines artenreichen und gesunden Baumbestandes inmitten einer Großstadt sind.

Nach langer Zeit an der Hochschule Bremen, in der er viel in Bewegung gesetzt hat, zieht Bernd Stecker sich im nächsten Jahr aus dem aktiven Dienst zurück, wird aber der Lehre noch einige Zeit treu bleiben. Er ist einer der Vorreiter im Bereich der Nachhaltigkeit in Freizeit und Tourismus und ein wichtiger Begleiter und Ratgeber für seine Studierenden. Wir wünschen Herrn Prof. Dr. Bernd Stecker alles Gute!

Portrait von Herrn Prof. Dr. Bernd Stecker

Quelle: WFB/Jonas Ginter

Geburtsjahr

1959

Fachbereich / Forschungsfeld

Fakultät Gesellschaftswissenschaften / Ökologie und nachhaltige Entwicklung; Natur-und Schutzgebietstourismus

Aktuelle Position / Funktion

Professor an der Hochschule Bremen im Internationalen Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft / Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Waldnationalparks Eifel (NRW)

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Nachhaltigkeitsbilanzierung im Tourismus; Evaluation von Besucherlenkungsmaßnahmen in Großschutzgebieten

Familienstand

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