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Eine Frau in blauer Jeansbluse

Wissenschaft Persönlich: Dr. Valerie Schröder

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im April 2018 stand uns Dr.-Ing. Valerie Schröder Rede und Antwort. Sie arbeitet für Airbus an der Entwicklung von CIMON, einem fliegenden, sprechenden kugelförmigen Roboter für die ISS. Ihr Fachgebiet sind Algorithmen für Raumfahrtanwendungen.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin oder Raumfahrtexpertin im Allgemeinen geworden wären? 
    Das ist schwierig zu sagen. Vielleicht wäre ich Gärtnerin geworden, oder Köchin.

 

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Mein Job ist sehr Software konzentriert. Ich sitze viel am Computer und simuliere Missionsszenarien. Spannend wird es, wenn es dann endlich an die Implementierung geht und sich zeigt, ob die Realität sich tatsächlich so verhält wie die Simulation behauptet.

 

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Ich denke mein Stand wäre aufgebaut wie das Innere des Columbus-Moduls der ISS, eine der Längsseiten wäre offen. Ein paar Nachbildungen von unserer Spacekugel CIMON wären innen aufgehängt und könnten sich mit den Besuchern unterhalten und ein wenig drehen, soweit die Schwerkraft es ihnen auf der Erde erlaubt.

 

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Das ist bei Raumfahrt auf den ersten Blick immer eine schwierige Frage. Erstmal gilt es dabei ja die menschliche Neugier zu befriedigen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu erhalten, zunächst auf ziemlich abstraktem Niveau. Auf den zweiten Blick zeigen sich dann aber oft  konkrete Nutzen für die Gesellschaft. Beliebte Beispiele sind GPS, Satellitentelefonie oder WD-40.

 

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Bei meinem aktuellen Projekt geht es darum, einen Assistenten für Astronauten zu entwickeln, der ihnen eines Tages bei ihrer täglichen Arbeit helfen soll und ihnen gleichzeitig Gesellschaft und gegebenenfalls moralische Unterstützung liefern kann. Damit lässt sich die Welt wohl eher nicht retten, aber hoffentlich macht es den Astronauten das Leben ein Stückchen leichter.

 

  • Verraten sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Mein wichtigstes Arbeitsinstrument ist wohl mein Computer, aber meine liebste Forschungsmethode ist analog und ganz klassisch: Das Verhalten meines Systems beobachten, interpretieren, und dann in die gewollte Richtung lenken. Dazu braucht es nach wie vor viel Geduld und menschlichen Starrsinn.

 

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Zunächst bin ich zum Studium nach Bremen gekommen, danach war ich für die Promotion einige Jahre in Stuttgart und bin dann nach Bremen zurückgekehrt.

 

  • Was schätzen Sie am Wissenschafts- und Raumfahrtstandort Bremen? Was hält Sie hier?
    Mir gefällt die Vielfalt an Raumfahrtunternehmen und Instituten, außerdem mag ich Bremen als Stadt.

 

  • Fehlt Ihnen etwas?
    Wenn ich so darüber nachdenke, würde ich mir vielleicht für den Winter ein öffentliches Hallenbad mit großem Schwimmerbecken und langen Öffnungszeiten wünschen.

 

  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Im Sommer nehme ich in der Regel das Fahrrad, für die Wintermonate steige ich auf die Straßenbahn um.

 

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Mit einer Katze: Clever und selbstbestimmt, manchmal eigenwillig und am Ende doch ein Haustier.

 

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Ich kann keine eindeutige größte Herausforderung benennen. Es hat einige Herausforderungen gegeben, die auf den ersten Blick unüberwindbar erschienen, aber sich dann doch nach und nach besiegen ließen.

 

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Das kann ich jetzt noch nicht sagen, die werden sich dann zum gegebenen Zeitpunkt zeigen.

 

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Nicht wirklich. Ich setze im Zweifelsfall auf viel Schlaf und gutes Essen.

 

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Bei dieser Frage geht es mir so ähnlich wie mit den Herausforderungen. Es gibt viele Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Aber im Nachhinein denke ich jetzt, dass es wahrscheinlich besser so war.

 

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Bei Musik oder beim Sport. Beides funktioniert in der Regel sehr gut.

 

  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Bremen hat so viele verschiedene und schöne Ecken, dass ich mich mit einem konkreten Rat schwer tun würde. Wahrscheinlich wäre mein Tipp, einfach mal eine Tour durch die Stadt zu machen und auszuprobieren, was am besten zu einem passt.

 

  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen bekannt machen wollen?
    Mit dem Rhododendron-Park, ein wunderschöner Ort zum Entspannen und Nachdenken gleichermaßen.

 

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Ich würde gern einmal einen Tag hinter die Kulissen des Überseemuseums schnuppern.  

Steckbrief: Dr.-Ing. Valerie Schröder

Geburtsjahr

1988

 

Fachbereich / Forschungsfeld

Guidance, Navigation & Control (GNC) Algorithmen für Raumfahrtanwendungen

 

Aktuelle Position / Funktion

GNC Entwicklungsingenieurin

 

Aktuelle Tätigkeit / Aktuelles Forschungsprojekt

Der Crew Interactive Mobile Companion (CIMON): ein fliegender, sprechender kugelförmiger Roboter für die ISS

 

Familienstand

verheiratet

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