Ein Mann schüttelt einem Skelett die Hand und lächelt.

Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Peter Maaß

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Mai 2017 stand uns Prof. Dr. Peter Maaß Rede und Antwort. Er ist Professor für Mathematik und Direktor des Zentrums für Technomathematik (ZeTeM).

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
    Lokomotivführer wäre ich vermutlich nicht geworden, obwohl das der Kindheitstraum war, aber der Maschinenbau - insbesondere Motoren - haben mich immer fasziniert.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Ich liebe sowohl Lehre als auch Forschung, immer mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen empfinde ich als großes Privileg. Diese auf wichtige Grundlagen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aufmerksam zu machen gehört zu meinen Lieblingsaufgaben. Aber auch in der Forschung zur Kulturökonomie habe ich die Hoffnung, die Relevanz von Kultur und kulturellen Institutionen darstellen und dabei wichtige Erkenntnisse erarbeiten zu können, so dass diese für die Gesellschaft umgesetzt werden.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den BesucherInnen erklären, an was Sie gerade arbeiten 
  • – wie sähe Ihr Stand aus?
    Mathematik ist überall zu finden, ob bei der Achterbahn oder am Schießstand. Vielleicht würde ich einfach Freibier verteilen und darüber mit den Leuten ins Gespräch kommen.
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Seit meiner Promotion bin ich von den Möglichkeiten, die Mathematik als Technologie bietet, begeistert und ebenso oft frustriert davon, dass dies in weiten Teilen von Gesellschaft und Industrie nicht anerkannt wird. Deshalb war es auch immer mein Bestreben, Mathematik für konkrete Anwendungen jenseits der Wissenschaft nutzbar zu machen. Die Erfolge unserer Ausgründungen, insbesondere im Bereich der Life Sciences, sind der beste Beweis dafür. 
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Der Bleistift. Mathematik ist ein kreativer Prozess. Wenn wir eine Formel aufschreiben, ist dies nur die abstrakte Form eines Films, der im Kopf abläuft. 
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich kam 1999 aus Potsdam. Bremen ist nach verschiedenen deutschen Universitäten sowie Boston und Cambridge meine neunte Universität.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort Bremen? Was hält Sie hier?
    Für die Entscheidung nach Bremen zu gehen, war ein Gespräch mit einem Kollegen mitentscheidend. Dieser Kollege meinte, wer den normalen Weg als Wissenschaftler gehen will, sollte nicht nach Bremen kommen, die klassischen Rahmenbedingungen wären hier doch deutlich eingeschränkter als an anderen Standorten. Wer aber etwas eigenwilliges, eigenes neben den üblichen Wegen erreichen wolle, der finde in Bremen immer ein offenes Ohr und die Möglichkeit dies umzusetzen.
    Das hat sich bewahrheitet und ich bin trotz attraktiver Angebote aus dem In- und Ausland in Bremen geblieben, auch wenn diese Entscheidungen zuletzt auch stark von der Familie beeinflusst waren, die sich hier sehr wohl fühlt. 
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Zeit. Der wissenschaftliche Spielraum und die Gestaltungsmöglichkeiten sind in den letzten Jahren nicht weniger geworden. Aber der Aufwand dies zu schaffen, ist deutlich größer geworden. 
    Das mag zum Teil daran liegen, dass die Konkurrenz im positiven Sinn größer geworden ist, aber in den letzen 2-3 Jahren gab es einige Änderungen in Bremen und im Wissenschaftsbetrieb, die vor allem eines bewirken, sie kosten Zeit.
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Meistens mit einem gut 20 Jahre alten Fahrrad.
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Ein Wolf: immer hungrig, immer leicht unterernährt, immer auf der Lauer, clever bei der gemeinsamen Jagd und falls notwendig in der Lage innerhalb kurzer Zeit erstaunliche Strecken zurückzulegen. 
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Als ich vergleichsweise jung einen Lehrstuhl in Potsdam übernommen habe, wurde ich plötzlich aus der geschützten Umgebung eine PostDocs in einer etablierten Forschungsgruppe herausgerissen und mit den unterschiedlichsten Anforderungen von Universitätsleitung, Kollegen, Studierenden und der Notwendigkeit die Finanzierung der Arbeitsgruppe sicherzustellen, konfrontiert. Es hat mehrere Jahre gedauert um zu erkennen, dass man es auch hier nie allen Recht machen kann und dass man seine eigenen Maßstäbe entwickeln muss.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Seit Kurzem begeistert mich ein neues Forschungsthema, das noch recht spekulativ ist – aber so fängt es ja meistens an. Hier mit den jungen Wissenschaftlern einigermaßen Schritt zu halten, ist eine Herausforderung.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Sich begeistern lassen und dann einfach anfangen – so als ob man unendlich viel Zeit hätte.
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Eine unserer Ausgründungen vor mehr als zehn Jahren hat es nicht geschafft, obwohl die technologische Entwicklung überzeugend war. Das hat neben viel Energie auch einige Freundschaften gekostet und die Erkenntnis gebracht, dass alles doch immer mehr Zeit benötigt als geplant und dass, egal in welchem Bereich, die Kommunikation ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor ist.
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Beim Sport oder unter der Dusche. Hier bin ich doch ein typischer Mathematiker, ich kann stundenlang in meinem Arbeitszimmer in aller Ruhe verbringen.
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Bremen ist eine dynamische Stadt, die meisten der Cafés oder Plätze, die ich zu Beginn meiner Zeit in Bremen besucht habe, haben sich verändert oder es gibt sie nicht mehr.
    Hier bin ich sicher nicht der richtige Ratgeber, also einfach treiben lassen und sehen was kommt.
     
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen bekannt machen wollen?
    Ich würde sie oder ihn auf unser Sommer-Straßenfest mitnehmen. Vom Aufbau am Vormittag bis spät in den Abend eine perfekte Möglichkeit ein interessantes Spektrum alteingesessener und neuer Bremer kennenzulernen – und es scheint immer die Sonne.
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Mit jemandem, der neu in Bremen ist, Anfang Mai an einem der ersten warmen Tage in einem Café im Viertel sitzt und so langsam die Stimmung und die Vielfalt der Stadt entdeckt.

Steckbrief: Prof. Dr. Peter Maaß

Geburtsjahr

1959

 

Familienstand

Verheiratet, 2 Kinder
 

Fachbereich / Forschungsfeld

Fachbereich 3 Mathemathik und Informatik/ Angewandte Mathematik
 

Aktuelle Position / Funktion

Direktor des Zentrums für Technomathematik, Gründer und Beirat SCiLS GmbH
 

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt

Mathematical chalenges in machine learning for parameter identification
 

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