Ein junger Mann kümmert sich in einem Container um Pflanzen.

Wissenschaft Persönlich: Paul Zabel

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Januar 2018 stand uns Paul Zabel vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen Rede und Antwort. Der Luft- und Raumfahrtingeneur gehört seit Dezember 2017 zu den Überwintereren der Neumayer-Forschungsstation III in der Antarktis. Dort forscht er für das EU-Projekt EDEN ISS an Technologien zum Pflanzenanbau im Weltraum.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären? 
    Wahrscheinlich wäre ich Apotheker geworden.

 

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung? 
    Wenn ich am Morgen nach einem Wochenende ins Labor gehe und sehe wieviel die Pflanzen wieder gewachsen sind. Das sorgt bei mir jedes Mal für Freude und Begeisterung.

 

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?  
    Da ich mich mit dem Pflanzenanbau in Weltraumgewächshäusern beschäftige, würde mein Stand aus einem großen Gewächshaus bestehen. Darin wären die Technologien installiert, die wir für die Raumfahrt erforschen, damit ich sie den Besuchern erklären kann. Es gäbe auch Gurken, Tomaten, Salate und andere Früchte, die wir auf diese Weise angebaut haben und natürlich dürften die Besucher auch mal das ein oder andere Gemüse probieren.

 

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen? 
    Die gesellschaftliche Bedeutung und den Nutzen von Forschung erkennt man meist erst Jahre später. Da ich noch am Anfang meiner wissenschaftlichen Karriere stehe, kann ich das noch nicht beurteilen.

 

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Forschung von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?  
    Jedes Experiment, egal ob Erfolg oder Misserfolg, bringt die Forschung einen kleinen Schritt voran. Meist erhalten nur die großen Durchbrüche Beachtung in der Bevölkerung, dabei sind es die vielen kleinen Schritte davor, die so einen Durchbruch erst möglich machen.

 

  • Verraten sie uns Ihr liebstes Forschungsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?  
    Mein liebstes Forschungsinstrument ist ein Photospektrometer. Damit kann präzise die Zusammensetzung des Lichts gemessen werden. Das ist unerlässlich beim Pflanzenanbau mit LED Lampen in geschlossenen Kammern. Denn nur mit dem richtigen Verhältnis verschiedener Wellenlängen wachsen Pflanzen optimal.

 

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie? 
    Ich kam für ein Praktikum für mein Studium an der TU Dresden im Jahr 2011 nach Bremen zum DLR. Bremen ist einer der größten Standorte von Raumfahrtindustrie und Forschungseinrichtungen in Europa und hat mich als angehender Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik angezogen.

 

  • Was schätzen Sie am Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier? 
    Bremen ist eine junge dynamische Stadt. Das merkt man auch in der Wissenschaftsszene. Die Nähe von Lehre, Forschung und Industrie im Technologiepark und auf dem Uni Campus gefallen mir sehr.

 

  • Fehlt Ihnen etwas?  
    Als Wissenschaftler in der heutigen Zeit ist man sehr oft mit bürokratischen und organisatorischen Hürden konfrontiert. Diese kosten Zeit und Energie, die ich lieber in die Forschung und Entwicklung investieren würde.

 

  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?  
    Ich fahre täglich mit dem Fahrrad durch Bremen. Nach einer Weile kennt man die Schleichwege und Abkürzungen, um überall in der Stadt schnell hin zukommen. Für weitere Strecken oder bei schlechtem Wetter benutze ich dann aber auch die Straßenbahnen und Busse und für größere Besorgungen buche ich mir ein Fahrzeug beim Carsharing Anbieter Cambio.

 

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten? 
    Für mich war eine große Herausforderung meine Doktorarbeit zu Hause am Wochenende und am Abend nach meiner Arbeit als Wissenschaftler und Ingenieur zu schreiben.

 

  • Welche stehen Ihnen noch bevor? 
    Das wird die Zeit zeigen. Das Jahr 2018 ist für mich durch die Überwinterung in der Antarktis natürlich schon komplett verplant. Für die Zeit danach habe ich zwar schon ein paar Vorstellungen. Diese müssen aber noch etwas reifen.

 

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel? 
    Nein, ich habe keine persönliche Erfolgsformel. Ich denke, das wichtigste ist zu wissen was man (noch) nicht kann.

 

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt? 
    Der erste Antrag für das Antarktis Gewächshausprojekt ist im Jahr 2013 knapp gescheitert. Daraus habe ich aber sehr viel gelernt und konnte dann einige Zeit später zusammen mit meinen Kollegen einen verbesserten Antrag ausarbeiten. Dieser wurde dann auch bewilligt.

 

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?  
    Um den Kopf frei zu bekommen, höre ich sehr gerne Musik und lese ein Buch bei einer Kanne Kräutertee.

 

  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen oder Bremerhaven. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll? 
    Bremen bietet eine große Vielfalt an verschiedenen Stadtteilen, so dass sich für jeden ein geeigneter Platz zum Leben finden lässt. Wer gerne viele Bars, Restaurants und Kneipen in der Nähe hat, zieht am besten ins Viertel. Wer ruhigere Wohngegenden bevorzugt, für den sind Findorff und Schwachhausen gute Adressen. Ich persönlich mag Horn-Lehe mit seiner Nähe zum Technologiepark und gleichzeitig auch den kurzen Wegen in die Natur des Blocklandes und der Wümmewiesen.

 

  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen? 
    Die beste Möglichkeit neue Leute in Bremen kennenzulernen sind die zahlreichen Feste und Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Breminale. Oder auch ganz entspannt beim Grillen am Osterdeich.

 

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen? 
    Ich würde gerne mit einem der Forst- und Gartenbaumitarbeiter des Bremer Bürgerparks tauschen wollen. Der Bürgerpark ist einer der schönsten Orte in Bremen und mir würde es Spaß machen dort einen Tag zu arbeiten.

 

Steckbrief: Paul Zabel

Geburtsjahr

1987

 

Familienstand

ledig

 

Fachbereich / Forschungsfeld

Lebenserhaltungssysteme für die astronautische Raumfahrt

 

Aktuelle Position / Funktion

Mitglied der 38. Antarktis-Überwinterung an der Neumayer-Station III im Rahmen des EU-Projektes EDEN ISS.

 

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