Mann im Modell des Columbus-Weltraumlabors

Wissenschaft Persönlich: Daniel Pika

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen - und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Juli 2018 stand uns der gebürtige Zürcher MSc. Ing. Daniel Pika von der ArianeGroup Rede und Antwort. Dank seiner Faszination für die Mathematik, Physik und Technik wählte er die Raumfahrt und damit auch Bremen als neuen Lebensmittelpunkt für sich. Aktuell arbeitet er als Ingenieur für Flüssigantriebssysteme bei der Entwicklung, dem Bau und Testen der Antriebseinheit für die Raumfähre Orion-MPCV mit.

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler oder Raumfahrtexperte geworden wären? 
    Anfänglich war meine Absicht einen Werdegang als Arzt anzustreben. Die Erkenntnis und Faszination für die Mathematik, Physik und Technik führte mich jedoch zum Ingenieurwesen. Im Hinterkopf ist der Traum des Astronauten noch nicht ganz verschwunden – spannend und ungewiss bleibt die Zukunft.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Ich muss zugeben, dass mir meine Arbeit in der Raketenantriebsentwicklung sehr gefällt und begeistert, dies auch, weil die Tätigkeit dauernd anspruchsvoll und komplex ist und dies in einem spannungsvollen Umfeld mit hoher Dynamik erfolgt. Es gibt natürlich dazu eine Vielzahl von Ereignissen, die sowohl meine Begeisterung wie auch die des gesamten Teams in die Höhe treibt. Dazu gehören beispielsweise die Testkampagne des gesamten funktionalen Antriebssystems, die Tätigkeit am Orion-ESM*-Antriebsmodul selbst, also an der Hardware des Gesamtsystems. Gekrönt wird das ganze natürlich dann durch den Start und die Mission der ersten Raumkapsel.

    *Anmerkung der Redaktion: ESM steht für Europäisches Servicemodul.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Der Stand hätte Raketenmodelle der Ariane-Familie im Originalformat und ebenso eine SLS (Space Launch System) Rakete, welche auf der Spitze das Orion-Raumschiff mit seinem  Service Modul trägt, an dem ich beteiligt bin. Man könnte sehen, wie Raketenstarts und Missionen ablaufen, was deren Ziel ist und mit welcher Technologie dies ermöglicht wird. Idealerweise wäre auch ein Raketentriebwerk zu sehen, und als kleiner pyrotechnischer Zusatz könnte die Reaktivität von einer Auswahl Treibstoffen demonstriert werden.
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Im Vordergrund steht das Ziel, die Menschheit in die Fernen des Alls weit über den Mond hinaus und bis zum Mars bringen zu können. Groß erscheint zwar die Aussage „die Menschheit zu einer multiplanetaren Spezies werden zu lassen“, jedoch geht es bei diesem Projekt genau darum. Ich versuche mit meinem kleinen Beitrag die Menschheit diesem Ziel näher kommen zu lassen.
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    Die Weltrettung sehe ich nicht als Resultat meiner Arbeit. Vielmehr sehe ich es als Ziel, dass die Menschheit die unbekannten Weiten des Alls erforschen kann. Dafür lohnt es sich sein Bestes zu geben. Der Fortschritt liegt in den kleinen Stufen, die wir als Erdzivilisation sequentiell eine nach der anderen hinaufsteigen müssen.
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Es gibt heutzutage dermaßen viele Unterstützungsmittel für die Entwicklungsarbeit, wie rechnerische Simulationssoftware, Supercomputer oder rapider Prototypenbau dank neuer Fertigungsmethoden; jedoch gilt für mich nach wie vor als wichtigstes Utensil der Stift und ein Blatt Papier, mit welchen die Ideen formuliert werden.
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich bin gebürtiger Zürcher und habe nach meinem Studium in Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der ETH Zürich erkannt, dass Bremen eine Stadt der Raumfahrt repräsentiert. Das hat mein Interesse geweckt und führte schließlich im frühen 2016 zum Umzug aus der Schweiz ins Bremer Unterweserland.
     
  • Was schätzen Sie am Wissenschafts- und Raumfahrtstandort Bremen? Was hält Sie hier?
    Noch habe ich den Standort nicht komplett kennenlernen können, jedoch gefällt mir die Weltoffenheit der Stadt und die Omnipräsenz der Raumfahrt sowohl in der Industrie wie auch in der Wissenschaft und Forschung. Ich sehe diese Nähe als großen Vorteil für die Raumfahrtgemeinschaft und somit gilt Bremen als attraktiver Standort in dieser Branche.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Bereits kurz nach meiner Ankunft in Bremen habe ich realisiert,  dass das Bremer Land und die umliegende Landschaft wirklich sehr flach sind. Mit gutem Grund konnte und wurde auf der Außenseite des Flughafens eine Werbung für einen Autoverleih angebracht: «Preise so flach wie das Land»... Auf jeden Fall ist das recht angenehm fürs tägliche Fahrradfahren, jedoch fehlt mir die Herausforderung des Erklimmens von Bergen, sei es mit dem Fahrrad oder mit den Skiern. Dass der Gegenwind hier in Bremen der Steigung der Berge entspricht, ist für mich nicht ganz ausreichend, auch wenn der Wind tatsächlich oft stark bläst. Eine Verbesserungsmöglichkeit besteht jedoch: Eine bessere Anbindung des Bremer Flughafens durch Direktflüge in die Großstädte Europas wäre sehr willkommen.
     
  • Die Wege in Bremen sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Mein Drahtesel bewegt mich gern in kalten und warmen Zeiten durch Stadt und Land. Dabei hat sich als positiv erwiesen, mit einer Redundanz an Fahrrädern ausgerüstet zu sein, da das Nacht- und Tagesleben in verschiedene Richtungen geht.
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Bremen als Albatros, welcher in die weite Welt segelt – wie einst die Schiffe – und die Welten verbindet – wie die Raumfahrt von heute.
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen und beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Bisher ist meine berufliche Laufbahn noch nicht sehr ausgeprägt. Es gibt in der Entwicklungsarbeit immer wieder Hürden, die man passieren muss. Manche höher, manche niedriger. Jedoch ist derzeit eine der größten bevorstehenden Herausforderungen gemeinsam mit meinen Teamkollegen die erfolgreiche Durchführung einer Testkampagne des zu entwickelnden Antriebssystems.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Ich hoffe auf noch ganz viele unbekannte aufregende Aufgaben und Herausforderungen.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Fröhlichkeit, Präzision und Zuversicht.
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Bei jedem Scheitern lernt man dazu. Das grösste Scheitern wäre nie etwas zu versuchen.
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Für mich gelten Sport, Musizieren und Weiterbildung als wichtige Aktivitäten neben der Arbeit.
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll? 
    Mir gefällt das Zentrum Bremens mit der Weserpromenade sehr, jedoch ist der Bürgerpark auch ein Juwel der Stadt. Mein Tipp wäre am Teerhof zu wohnen, wo sich die Ruhe, Nähe zum Zentrum und Verbundenheit vereinen.
     
  • Mit wem würden Sie ihn/sie hier in Bremen bekannt machen wollen?
    Da kann ich die vielen tollen Sommerfeste empfehlen und die Vortragsreihen bzw. Treffen rund um die Raumfahrt.
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einem Bremer oder einer Bremerin tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    Mir kommen an der Stelle zwei Personen in den Sinn: der Bürgermeister von Bremen, Herr Carsten Sieling, und der Geschäftsführer des italienischen Spezialitätenladen S. A. Frega Bremen GmbH, Herr Giuseppe Gencarelli.

Steckbrief: Daniel Pika

Geburtsjahr

1989

 

Fachbereich / Forschungsfeld

Entwicklung von Antriebssystemen in Raketenoberstufen

 

Aktuelle Position / Funktion

Liquid Rocket Propulsion Engineer, Ingenieur für Flüssigantriebssysteme

 

Aktuelle Tätigkeit / Aktuelles Forschungsprojekt

Entwicklung, Bau und Testen der Antriebseinheit für die Raumfähre Orion-MPCV 

 

Familienstand

ledig

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