Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Raimund Bleischwitz

Mann mit Brille und grauem Anzug vor dem ZMT-Schild
Prof. Dr. Raimund Bleischwitz ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) sowie Professor für Globale Nachhaltige Ressourcen an der Universität Bremen. Aktuell beschäftigt er sich mit einer Kurzstudie über Schiffsrecycling in Bremen.

© WFB/Jonas Ginter

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen regelmäßig unseren Fragen und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der richtige ist.

Im Juni 2023 stand uns Prof. Dr. Raimund Bleischwitz, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT), Rede und Antwort. Innerhalb seines Fachgebiets der Blue Economy und Circular Economy betont er die Interaktion zwischen Ressourcen und Ökosystemen.
Wieso es Herrn Prof. Dr. Bleischwitz nach langem Arbeiten in Großbritannien nach Bremen gezogen hat, welche gesellschaftliche Bedeutung seine Arbeit hat und welche Momente bei ihm für Begeisterung sorgen, verrät er hier:

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?

Denkbar etwas im Bereich strategisches Management, auch im Politikbereich oder in einer internationalen Organisation. Vielleicht aber auch ein kleines Restaurant betreiben.

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?

Mit sehr unterschiedlichen Leuten zusammenarbeiten zu dürfen, die sich für eine nachhaltige Meeresnutzung engagieren und dabei auf Lösungschancen stoßen, ist einfach klasse. Richtig gut ist es, solche Personen im Team zusammenzuführen und Transformationen anstoßen zu können.

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucher:innen erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?

Bunt :) Im Hintergrund der Ozean mit seinen tollen Ökosystemen – Korallenriffe, Mangroven, Strände – und dann ein Schiffswrack, das unter schlechten oft lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in Einzelteile zerlegt wird. Ich würde an meinem Stand darüber reden, wie Schiffsrecycling nachhaltig und sicher auch in Bremen umgesetzt und der Stahl aus diesem Prozess bei uns wiederverwendet werden kann. Wichtig ist mir auch zu erklären, welche Beiträge zum Erhalt von Mangroven und Korallenriffen möglich sind. Dabei würden mich auch meine Kolleg:innen vom ZMT oder unsere internationalen Gäste unterstützen. Teamwork ist immer besser.

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?

Tropische Küstenökosysteme sind von unschätzbarem Wert für das Weltklima und für die Bevölkerung vor Ort; wir arbeiten an Konzepten für nachhaltige Fischerei, Aquakultur, Ökotourismus, und am Erhalt dieser Ökosysteme.

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?

Wir arbeiten mit Leuten vor Ort und können dort gemeinsam etwas erreichen, z.B. Standards für nachhaltige Fischerei oder ein modell-gestütztes Unwetterwarnsystem. Das rettet noch nicht die Welt, aber es verbessert die Lebensbedingungen. Über eine Blue Economy mit Aquakultur, Ökotourismus, und offshore-erneuerbaren Energien könnten die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden. Wir wollen aber dafür sorgen, dass tropische Küstenküstenökosysteme wie etwa Mangroven als Kohlenstoffsenke genutzt werden und damit einen Beitrag leisten, die Klimakatastrophe zu verhindern.

  • Verraten Sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?

Ich rede gern mit Leuten und sitze am Laptop, oft im Zug.

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?

Ich habe lange Jahre gern in Großbritannien am University College London gearbeitet. Der Brexit und die Pandemie haben dann die Weichen wieder Richtung Deutschland gestellt. Das ZMT ist eine großartige Umgebung für meine Arbeiten zum nachhaltigen Ressourcenmanagement.

  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?

Die Meereswissenschaften in Bremen sind exzellent aufgestellt mit weltweiter Strahlkraft; in Zukunft mit mehr Handlungs- und Klimastrategien. Wir haben hier nicht nur eine sehr gute Universität mit Klimaambitionen, sondern insgesamt eine beeindruckende Hochschullandschaft und ein starkes Netzwerk an außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Stadt ist grün, die Menschen hier sind aufgeschlossen und tolerant. Bremen ist Hansestadt mit Tradition und modernem Flair. Die Stadt bietet einfach Meer als andere.

  • Fehlt Ihnen etwas?

Immer mal wieder etwas Ruhe.

  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?

Gern mit dem Fahrrad.

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?

Ein Delphin, bewegt sich oft im Schwarm, ist hochintelligent und kann lange Wege zurücklegen.

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?

Ich habe im britischen Ausland eine größere Forschungseinrichtung geleitet, mit allen denkbaren sozio-kulturellen Unterschieden.

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?

Ich will das ZMT gut durch die anstehende Evaluation 2027 bringen und unseren geplanten Neubau ansprechend und nachhaltig gestalten.

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?

Schaut nach vorne, habt Mut und traut Euch was.

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?

Ich war grottenschlecht in Englisch in der Schule :)

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?

Bewegung im Grünen, gern Laufen und Wandern, oder auch mal was Kochen.

  • Die nächsten Nachwuchswissenschaftler:innen ziehen nach Bremerhaven. Was würden Sie ihnen raten, wo man wohnen und abends weggehen soll?

Bremen bietet Das Viertel und Peterswerder, und zum Campus ist es nicht allzu weit.

  • Mit wem würden Sie diese Wissenschaftler:innen hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?

Mit dem Klimahaus in Bremerhaven, auch das Auswandererhaus dort ist spannend. Und natürlich mit meinen Kolleg:innen am ZMT und anderen klugen Forschenden, mit den ich hier in Kontakt stehe oder zukünftig stehen werde.

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer Bremerhavener Persönlichkeit tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?

Sven Regener oder auch neue Bremer Stadtmusikanten wie Havington.

Mann mit Brille im grauen Sakko im Portrait

© Jonas Ginter/ WFB

Geburtsjahr

1961

Fachbereich / Forschungsfeld

Blue Economy, Circular Economy

Aktuelle Position/ Funktion

Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und Professor für Globale Nachhaltige Ressourcen an der Universität Bremen

Aktuelle Tätigkeit

Kurzstudie Schiffsrecycling Bremen

Familienstand

verheiratet, zwei erwachsene Kinder

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