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Domtreppenfegen und Klinkenputzen

Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament über dem Portal zum Dom
30 und noch nicht verheiratet? In Bremen lauft ihr damit Gefahr zum Treppenputzen oder Klinkenfegen verdonnert zu werden. Aber keine Sorge: eigentlich ist die Tradition ganz witzig.

© WFB/JUA

Habt ihr schon einmal gesehen, dass ein Mann emsig die Treppen des Doms putzt? Kein Wunder. In Bremen ist das Treppenfegen am 30. Geburtstag eine alte Tradition. Die einzige Voraussetzung hierzu ist es ledig zu sein.

Domtreppenfegen

Als Bremer ist es keine Überraschung, wenn am 30. Geburtstag Freunde und Verwandte vor der Tür stehen und das Geburtstagskind zum Dom bringen. Traditionell muss dieses hier die Treppen fegen. Mit reichlich Kronkorken sorgen die Freunde dafür, dass es genug zum Fegen gibt. Sie haben Musik und Getränke dabei, die um das Event zu einer richtigen Feier zu machen. Erst sobald eine Jungfrau sich bereiterklärt den Feger freizuküssen, ist dieser vom Kehren erlöst. Hierbei handelt es sich meist um ein kleines Mädchen aus dem Bekanntenkreis. Ist absolut keine Jungfrau aufzufinden, darf auch eine Frau mit dem Sternzeichen Jungfrau einspringen.

Klinkenputzen

Der Brauch macht übrigens auch vor Frauen keinen Halt. Aus dem Treppenfegen entwickelte sich mit der Zeit das Klinkenputzen. In dieser weiblichen Variante der Tradition müssen Unverheiratete die Klinken des Doms oder eines anderen öffentlichen Gebäudes putzen, bis sie von einem ledigen Mann freigeküsst werden. Selbstverständlich wird es auch ihnen nicht leicht gemacht. Mit allerlei klebrigen Dingen wird die Klinke ein- und auch gerne wiederbeschmiert, um die Betroffene zu beschäftigen und weiterfeiern zu können.

Eine alte Tradition

Da der Brauch des Treppenfegens nur mündlich weitergegeben wurde, lässt sich nicht genau sagen wann er entstand. Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1890. Damals bestand der Volksglaube darin, dass Menschen nach ihrem Tod im Jenseits zu überflüssiger Arbeit verdonnert wurden, sollten sie sich zu Lebzeiten nicht fortgepflanzt haben. Das Treppenfegen diente darum als Hänselstrafe und sollte den Ledigen ermutigen sich endlich zu vermählen.

Übrigens ist die Tradition schon lange nicht mehr nur in Bremen vertreten. Ab 1950 verbreitete sie sich allmählich in vielen überwiegend norddeutschen Regionen. Sogar in manchen internationalen Städten putzen ledige 30-Jährige die Treppen oder Klinken eines lokalen öffentlichen Gebäudes. Zum Beispiel fand der Brauch inzwischen auch einen Weg nach Barcelona und Birmingham.

Ihr wollt jemanden Treppen fegen lassen?

Meldet denjenigen einfach bei der Domkanzlei unter folgendem Kontakt an. Sobald ihr einen Termin abgeklärt habt, dürft ihr die Domtreppe kostenfrei zum Fegen nutzen.

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