Reihenhaussiedlung Grolland 1935

Huchting - aus der Geschichte

Huchting - Grolland - Mittelshuchting - Kirchhuchting - Brokhuchting

Huchting wurde 1171 als Huhtinge, 1189 als Huchtinge, 1259 al Huchtyghe, 1362 als Huchthingehe und 1385 als Huchting urkundlich erwähnt. Der Name weist auf mittelniederdt. und westfälisch auf hucht = Strauch hin. Die Landgemeinde Huchting umfaßte Kirch-, Mittels- und Brokhuchting sowie Grolland. Im 11. Jh. war der Erzbischof, durch König Heinrich IV. und Kaiser Friedrich 1., Lehnsherr in Huchting. Huchting war seit dem frühen Mittelalter brem. Besitztum, das einzige auf dem linken Ochtumufer. Davor unterlag Huchting auch dem Einfluß verschiedener Grafen, Kirchenfürsten und den Klöstern Heiligenrode und Hude. Kirch- und Mittelshuchting liegen teilweise auf moorigem Sandboden der Vorgeest, das übrige Gebiet ist ausgeprägte Flußmarsch. Um die Jahrhundertwende des 19. Jh. siedelten sich hier neben den Landwirten und den Schankwirten auch Handwerker an. 1812 wohnten in Huchting 468 Menschen. Bis 1910 war der von Napoleon befestigte Weg über den heutigen Wardamm die einzige Verbindung mit der Stadt. 1909 wurde auf Initiative des Bremer Großkaufmanns Carl Schütte die heutige Langemarckstraße nach Süden ausgebaut. Die Verbindung ging über die Ochtum, durch die Gemarkung Grolland nach Kirchhuchting. Damit war Huchting der Stadt erheblich nähergerückt, denn erst 1947 wurde Huchting durch eine BVG-Linie erschlossen. 1956 wurde die Endstation der Straßenbahn bis zur Wendeschleife an der Ochtum verlegt. Im November 1972 eröffnete das Roland-Center am Alten Dorfweg, und 1977 wurde die Linie 6 bis dahin verlängert. Erst 1945, bei der Vereinigung des Landkreises mit der Stadt Bremen, wurde auch Huchting zur Stadt Bremen eingemeindet. Bis 1933 gab es in Huchting zwei Sportvereine, den Deutschen Turnverein und die Freie Turnerschaft. Nach Kriegsende beschlossen die Männer aus beiden Vereinen die Neugründung eines Vereins, des TuS Huchting. 
 

Brokhuchting

Bereits 1062 als der Huchtingebroch, also das Bruchland bei Huchtingen erwähnt. 1290 als Brochhuchtingen, 1355 als Bruchutinghe und 1366 als Bruckhuchtinghe. Dem Bremer Erzbischof Adalbert werden 1062 von König Heinrich IV. die Bruchlandschaften auf dem linken Weserufer übertragen. Im Jahr 1158 gibt Kaiser Friedrich I. die Erlaubnis zur Kultivierung dieser Bruchländereien und nimmt die Ausbauer unter seinen Schutz. Die Kultivierung geschah also in der zweiten Hälfte des 12. Jh. 1290 wird nutzbares Land in Brochhuchtingen erwähnt, und dieser Name ist bald der alleinherrschende. Seit 1866 wird die Feldmark von der Bremen-Oldenburger Eisenbahn durchschnitten. Brokhuchting gehört zum Stadtbezirk Bremen-Süd, Ortsamt Bremen Huchting. 

Kirchhuchting

1288 wird von Kerchhoytiggen, 1348 von Kerchutinghen und 1368 von Kerchuchtinghe berichtet. Vermutlich stand im 12. Jh. hier schon eine Kapelle. Dies geht aus einer Urkunde von Hartwig II. über die Kolonisierung der Bruchländereien bei Grolland hervor. Im 13. Jh. wurde sie, durch die dem Heiligen Georg geweihten Kirche, abgelöst. Vor der Kirche war auch die Dingstätte (Hohes Gericht) für Huchting. Zum Kirchspiel gehörten Mittels- und Brokhuchting und von 1914 bis 1954 auch Grolland. Unter dem Einfluß der Stadt ist Kirchhuchting seit 1311. Die Erbengemeinschaft Böse verzichtete auf ein Angebot einer Baugesellschaft und überließ den bis dahin privaten Park der Stadt. So entstand hier mitten in Kirchhuchting "Böses Park". Klrchhuchting gehört zum Stadtbezirk Bremen-Süd, Ortsamt Bremen-Huchting.

Mittelshuchting

Westerhuchtingen wurde das westlich von Kirchhuchting gelegene Mittelshuchting im 14. Jh. mehrfach genannt. 1384 als Miyddelshuchtinghe und 1420 als Myddelsthuchtinghe erwähnt. Dies konnte natürlich erst geschehen, nachdem zwischen 1060 und 1200, durch die Gründung des Ortes Brokhuchtingen, ein geographischer Gegensatz zu dem südlich gelegenen Kirchhuchting geschaffen worden war. Zwischendurch wurde der Ort auch Westerhuchtingen genannt. Mittelshuchting nannte man auch liebevoll "Dat swarte Dorp". Der Name bezog sich auf die großen Eichenbestände, in denen sich dieses dunkle, daher schwarze Dorf verbarg. Mittelshuchting gehört zum Stadtbezirk Bremen-Süd, Ortsamt Bremen-Huchting.

Grolland

Erste Erwähnung von Ländereien in Gronland um 1189, in Gronladde um 1230 und Gronelant um 1374. Die Bedeutung des Namens leitet sich ab von "grünes Land". Zur Zeit des Erzbischofs Hartwig II., 1189, war Grolland altes Siedlungsgebiet nach Holländerrecht. Mitte des 13. Jh. mußte jedes Haus 2 Denare zum Unterhalt der Weserbrücke beitragen. Grolland gehörte zum Herzogtum Oldenburg, und erst durch den Reichsdeputationsausschuß 1803 wurde Grolland Stuhr entzogen und nach Huchting eingemeindet. Das Gut Grolland, eine alte Wasserburganlage, war bis 1919 zum Land Bremen gehörig. Auf dem adeligen Gut wohnte 1795 eine Zeitlang der Graf von Artois, der spätere König Karl X. von Frankreich, als Verbannter, nachdem ihm der Aufenthalt in der neutralen Reichsstadt Bremen verweigert worden war. Mobilar aus Gut Grolland ist als Leihgabe der Grolland-Familienstiftung im Focke-Museum zu sehen. 1965 wurde das Gutshaus abgerissen. Seit 1914 gehörte Grolland zum Kirchspiel Huchting, seit 1954 mit eigener Gemeinde S. Lukas. 1813 hatte Grolland 22 Ew., seit 1935 wurde der Ausbau mit Kleinhäusern gefördert, und seit 1950 ist Grolland ein umfangreiches Stadtrandsiedlungsgebiet. 1952 wurde in Grolland der Sportverein TSV Grolland gegründet. Im Grollander Krug, auf halbem Wege zwischen Dorf und Stadt, konnten die Pferde ausgespannt und getränkt werden und die Kutscher sich "eenen Sluck" genehmigen. Heute ist der Grollander Krug ein modernes und weit bekanntes Hotel Restaurant.

Huchting-Chronik bis 1900

  • seit etwa 2000 v. Chr. 
    Mehr oder weniger kontinuierliche Besiedelung der höher gelegenen Ausläufer der Huchtinger Geest.
  • 1062
    Brokhuchting wird erstmals urkundlich erwähnt.
  • 1171/89
    Huchting 
    Der Bremer Rat lässt zum Schutz des Ochtumübergangs den Warturm errichten.
  • bis 1390
    Die Ochtum wird zum breiten Wehrgraben umgestaltet. Grolland gehört zum Territorium des Grafen von Oldenburg-Delmenhorst.
  • 1419
    Am Warturm wird eine Zollstelle eingerichtet.
  • 16. Jh.
    Aus Besitztümern des Klosters Heiligenrode und des Grafen von Oldenburg wird das Gut Grolland gebildet und mit Wall und Graben befestigt.
  • 1577
    Bau der Nebengebäude am Warturm, um Zoll- und Wachmannschaften unterzubringen. 1724 wird hier der Gasthof »Zum Storchennest« eröffnet.
  • 17./18. Jh.
    Durch Hochwasserkatastrophen, Kriege und Rinderseuchen verarmen die Huchtinger Bauern stark. Zeitweise ist das Dorf unbewohnt.
  • 1742
    Das zweistöckige Herrenhaus auf Gut Grolland wird gebaut (Abbruch 1965).
  • 1803
    Grolland wird Bremer Landgebiet.
  • 1812
    Huchting hat 468 Einwohner.
  • 1857
    Die Landgemeinden Huchting und Grolland treten dem Deutschen Zollverein bei.
  • 1867
    Bau der Eisenbahnlinie Bremen–Oldenburg mit Bahnhof in Huchting.
  • 1871
    Grolland, Kirch-, Mittels- und Brokhuchting werden zur Landgemeinde Huchting zusammengefasst.
  • Ende 19. Jh.
    Industrie- und Hafenarbeiter ziehen nach Huchting und betreiben Nebenerwerbslandwirtschaft. Bremer Großbürger lassen ihre Sommersitze in Huchting bauen. Das Dorf wird Ausflugsziel für die Bremer Bevölkerung mit Tanzlokalen und Kaffeegärten.

Huchting-Chronik bis 2000

  • 1905
    Huchting hat 1361 Einwohner.
  • 1909
    Bau einer direkten Straßenverbindung von der heutigen Langemarckstraße nach Kirchhuchting.
  • 1908/10
    Bau der Thedinghauser Kleinbahn.
  • 1919
    Bei den ersten freien Wahlen für den Gemeindevorsteher wird zum ersten Mal ein Nichtbauer und Sozialdemokrat gewählt.
  • 1935
    Im Rahmen des NS-Wohnungsbauprogramms für kinderreiche Familien werden in Grolland 750 Wohneinheiten geplant. In Grolland entsteht ein Arbeiterstadtteil im Dorfgewand.
  • 1937
    Der erste mittelständische Industriebetrieb Huchtings beginnt mit seiner Produktion: die Metallwarenfabrik von Theodor Klatte.
  • April 1945
    In Huchting kommt es zu schweren und verlustreichen Kämpfen zwischen britischen Truppen und der Wehrmacht und dem "Volkssturm", da die Naziführung in Bremen die Kapitulation ablehnt.
  • 1945
    Eingemeindung der Landgemeinde Huchting in die Stadt Bremen.
  • ab 1953
    Für Huchting wird ein neuer Flächennutzungsplan erarbeitet, der neue Wohneinheiten für 43000 Einwohner vorsieht. Es werden Wohnblocks mit Miet- und Eigentumswohnungen und Reihenhäuser gebaut.
  • 1960
    Huchting hat 15831 Einwohner.
  • 1971/72
    Die B 75 wird als Hochstraße ausgebaut und zerschneidet den Stadtteil.
  • 1973
    Das Roland-Center, Deutschlands zweites »Shop-in-Shop-Einkaufszentrum«, wird eingeweiht.
  • 1977
    Verlängerung der Straßenbahnlinie 6 bis nach Kirchhuchting.
  • 1989-91
    Die Ochtum wird in einem neuen, ökologisch gestalteten Flussbett westlich an Grolland vorbeigeführt. Die Pflege, der Naturschutz und die weitere Ausgestaltung des Bereichs zwischen Grolland und Huchting werden dem Verein "Park Links der Weser" übertragen.
Ein Buchcover zeigt die Bremer Innenstadt

Quelle: Bremen und seine Stadtteile - Focke-Museum, Weser-Kurier (Hrsg.) via Edition Temmen

Stadtteil-Chronik: Quelle

Focke-Museum und Weser-Kurier (Hrsg.): Bremen und seine Stadtteile. Katalgobuch zur Ausstellung im Focke-Museum, Bremen: Edition Temmen 2003.

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