Blick auf die Weser

Blumenthal - aus der Geschichte

Im Bewußtsein der Blumenthaler Bevölkerung wird die stadtbremische Zuordnung oft überdeckt durch ausgeprägten lokalen Eigensinn. So sagt man beispielsweise nicht: "Wir fahren in die Innenstadt", sondern: "Wir fahren nach Bremen". Die Randlage des Stadtteils trägt wesentlich dazu bei. Es sind immerhin über 30 km von der nördlichsten Bushaltestelle Blumenthals bis zum Roland. Außerdem ist der Ortsamtsbereich an der schmalsten Stelle mit einem dünn besiedelten Gebiet nur spärlich mit der Hansestadt verbunden. Durch die "Wespentaille" führen die Verkehrsverbindungen: die Bundesstraße 74 (seit 1975), die Landrat-Christians-Straße und die Farge-Vegesacker Eisenbahn. Im Sommer kann man Blumenthal und Farge auch mit der "Weißen Flotte" der Schreiber-Reederei erreichen.

Die ursprüngliche Besiedlung der Ortschaft folgte den natürlichen Vorgaben entlang der Weser. Das ist heute noch erkennbar. Wo der hohe Geestrücken es zuließ, wurden die Häuser in der Nähe des Stromes errichtet. Die Arbeitsplätze für Schiffbauer, Kahnschiffer und Fischer lagen vor der Haustür.
Im Marschenbereich konnten die Höfe und Katen nur auf künstlichen Wurten oder am Geestrand gebaut werden. Und in der Heide entstanden weit voneinander entfernte Einzelgehöfte.

Rekumer Mühle im Winter

Quelle: WFB / Jens Lehmkühler

Das Ortsbild änderte sich sprunghaft, als vor 100 Jahren mit der Industrialisierung Arbeitsplätze geschaffen wurden und für die zugewanderten Menschen Wohnungen gebaut werden mußten. Auf sandigem Heideland entstanden moderne Wohnsiedlungen in aufgelockerter Bauweise.

Eine zweite große Zuwanderungswelle wurde durch den Flüchtlingsstrom nach dem zweiten Weltkrieg ausgelöst. Elende Wohnverhältnisse bestimmten über Jahre das Ortsbild. Zur Lösung dieses Problems wurde vor allem die mehrgeschossige geschlossene Wohnbebauung notwendig. Rein zahlenmäßig wird das Ausmaß der explosionsartigen Bevölkerungszunahme deutlich: im Jahre 1885 hatte der jetzige Ortsamtsbereich 3501 Einwohner, heute sind es über 34000, also rund zehnmal so viel.

Das Blumenthaler Wappen entstand erst in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts. Es symbolisiert die Lage der Gemeinde am Strom und mit der Kogge die schicksalhafte Verbindung mit der Schiffahrt früher und heute. Der Kammbalken stellt den Bezug her zur Bremer Wollkämmerei, jenem Betrieb, der für den Ort eine hervorragende Bedeutung hat. Und die Zahnräder weisen auf die weiteren Industrie- und Gewerbebetriebe hin, gleichzeitig auch auf die kommunale Entstehungsgeschichte aus fünf selbständigen Gemeinden.

Die Burg Blomendal in winterlicher Landschaft.

Quelle: WFB / Jens Lehmkühler

Chronik Blumenthal bis 1900

  • um 1250 Die erste Blumenthaler Burganlage wird von den Rittern von Oumünde oberhalb des Auetales gebaut.
  • 1305
    Erste urkundliche Erwähnung Blumenthals: Die Raubritter von Oumünde werden vom Bremer Erzbischof gezwungen, ihre Burg Blomendal zu zerstören. Die Raubzüge der Ritter störten den Bremer Handel empfindlich.
  • 1354 
    Die Ritter von Oumünde lassen die Burg - das heutige Haus Blomendal - wieder aufbauen.
  • 1436
    Das Haus Blomendal wird mit der Vogtei und dem Gericht Blomendal an die Stadt Bremen verkauft. Der Rat verpachtet das Haus an besonders verdienstvolle Ratsherren.
  • um 1600
    Das Haus Blomendal wird Sitz von zwei Amtmännern, die Verwaltung und Gerichtsbarkeit ausüben.
  • 1604
    Bau des Alten Turmes. Eine Kapelle hat es vermutlich seit Mitte des 15. Jahrhunderts gegeben.
  • 1741
    Blumenthal wird von Bremen an Hannover abgetreten.
  • 1820
    Blumenthal hat 45 Wohngebäude und 280 Einwohner.
  • um 1830
    Die Einwohnerzahl Blumenthals steigt an, weil sich Schiffbauer und Kahnschiffer zum Transport der Waren zwischen Bremerhaven und Bremen ansiedeln.
  • 1866
    Blumenthal wird nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen Sitz eines preußischen Landkreises.
  • 1884
    Gründung der Wollkämmerei durch Bremer Kaufleute in Blumenthal, weil es im Gegensatz zu Bremen zum Deutschen Zollverein gehört und eine direkte Anlieferung der Rohwolle über die Weser möglich ist. 1898/99 beträgt die Zahl der Beschäftigten etwa 2300. Weitere Betriebe siedeln sich an (Spinnbau, Maschinenbau, Werften) und Blumenthal wird ein Industrieort. Die Bevölkerung wächst durch Einwanderung von Arbeitskräften aus Posen, Schlesien und Westpreußen. Es werden neue Wohnungen, Kirchen und Schulen gebaut.
  • 1888
    Eröffnung der Eisenbahnstrecke Farge-Vegesack mit Bahnhof in Blumenthal.
  • 1893
    Die Großwerft "Bremer Vulkan" wird an der Grenze zwischen Vegesack und Blumenthal errichtet.

Chronik Blumenthal bis 2000

  • 1903
    Die Gemeinde Blumenthal zählt 3734, der Kreis Blumen­thal 34359 Einwohner.
  • 1904
    Bau des Elektrizitätswerks.
  • 1907/08
    Lüssum, Rönnebeck und Bockhorn werden in die Gemeinde Blumenthal eingemeindet. Ein neues Rat­haus und ein Krankenhaus entstehen.
  • 1923
    Neurönnebeck wird in die Gemeinde Blumenthal eingemeindet.
  • 1925–27
    Bau der Blumenthaler Abwasserkanalisation, des Wasserwerkes und des Wasserturmes
  • 1939
    Im Zuge der großen Gebietsreform kommen die preußischen Gemeinden Blumenthal und Farge/Rekum zu Bremen.
  • 1940–45
    Während des Zweiten Weltkriegs gibt es im Gebiet Blumenthal mehrere Arbeitslager, in denen Kriegsgefangene und KZ-Insassen inhaftiert sind. Sie werden in der umliegenden Industrie eingesetzt (Vulkan, AG Weser, Bremer Wollkämmerei).
  • 1943–45
    Tausende Zwangsarbeiter bauen in Frage am U-Boot-Bunker "Valentin".
  • nach 1945
    Durch den Flüchtlingsstrom nach dem Zweiten Weltkrieg steigt die Einwohnerzahl enorm an. Zur Beseitigung der Wohnungsnot entstehen mehrgeschossige Wohngebäude. 
    seit 1960
    Die Produktion der Bremer Wollkämmerei wird automatisiert, die Zahl der Beschäftigten sinkt von fast 4000 (1962) auf etwa 320 (2003).
  • 1960
    Blumenthal hat 31251 Einwohner.
  • 1961
    Der Schienenverkehr nach Blumenthal wird eingestellt.
  • 1975
    Beginn der Werftenkrise
  • 1996/97
    Der Konkurs des "Bremer Vulkan" hat tief greifende Auswirkungen auf den Stadtteil Blumenthal.
  • 1999
    Beginn des Programms "Wohnen in Nachbarschaften (WiN) – Stadtteile für die Zukunft entwickeln" im Lüssumer Quartier. Damit sollen Nachbesserungen der Großbausiedlung mit den betroffenen Bewohnern erarbeitet werden.

Chronik Blumenthal heute

  • 2002
    Um die Attraktivität des Blumenthaler Zentrums zu steigern, wird mit dem Bau eines Einkaufszentrums im Bereich des "Müllerlochs" begonnen.
Ein Buchcover zeigt die Bremer Innenstadt

Quelle: Bremen und seine Stadtteile - Focke-Museum, Weser-Kurier (Hrsg.) via Edition Temmen

Stadtteil-Chronik: Quelle

Focke-Museum und Weser-Kurier (Hrsg.): Bremen und seine Stadtteile. Katalgobuch zur Ausstellung im Focke-Museum, Bremen: Edition Temmen 2003.

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