Grüner wird's nicht

Bremens grüne Lunge

Weiße Parkbank in Wätjens Park. Quelle: Ingrid Frankenberg

Bremen-Nord ist Heimat von Perlen der Parkarchitektur und seltenen Tierarten in Naturschutzgebieten. Die Flora und Fauna ist vielerorts geprägt durch Gewächse und Gehölze aus aller Welt – Mitbringsel aus alten Seefahrerzeiten. Zwischen Deichen, Wiesen und Heide sowie Geest- und Marschlandschaften schmücken prachtvolle Villen samt entzückender Gärten das Erscheinungsbild Bremen-Nords. In Vegesack, Burglesum und Blumenthal. Im hohen Norden der Stadt stehen also alle Zeichen auf Grün – überzeugen Sie sich selbst.

Grafik zeigt weißen Schriftzug Grüner wird's nicht auf grünem Hintergrund Quelle: Dialog public relations

Parks, Gärten und Landschaften
Knoops Park in sattem Grün.
Foto: © Stefan Villena-Kirschner
Bremer Denkmal - Knoops Park

Er war einer der reichsten Deutschen seiner Zeit, dem Bremen-Nord eine denkmalgeschützte grüne Perle verdankt: Ludwig Knoop. Im 19. Jahrhundert rollte für ihn der Rubel beim Aufbau der russischen Textilindustrie, der Zar ernannte den Bremer gar zum Baron. Der heutige Park im englischen Landschaftsstil verbindet die früheren Anwesen der Familien Knoop, Albrecht, Wolde und Melchers in Burglesum miteinander. An das prachtvolle Schloss Mühlental erinnert ein Pflasterband, das seinen Umriss markiert. Den Blick auf das hügelige Gelände und die Lesum geben überraschende Sichtachsen auf Bremen-Nord frei. Kaum eine Bremer Parklandschaft lädt mehr zum Spazieren und Entspannen ein. Ob blühende Krokusse im Frühling, Schatten spendende heimische und exotische Gehölze im Sommer oder immergrüne Nadelbäume im Winter – Der Burglesumer Knoops Park ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Mit einem besonderen Kleinod wartet der nördlich gelegene Blindengarten auf. Sehbehinderte und auch Kinder können hier an 600 mit Blindenschrift-Relief versehenen Pflanzenarten Geruchs- und Tastsinn ganz neu erfahren.


Guter Ausgangspunkt zur Parkerkundung: Ecke Raschenkampsweg/Auf dem Hohen Ufer in Burglesum. Der Bahnhof St. Magnus ist in direkter Nähe. Der Blindengarten ist von März-Oktober täglich von 9-18 Uhr geöffnet. Führungen unter: www.foerderverein-knoops-park.de

Ein Radfahrer im Naturschutzgebiet Werderland
Foto: © Adam Nowara
Natur pur - Werderland

Windräder und die Silhouette der Stahlwerke am Horizont, Heuschrecken zirpen, Blau- und Braunkehlchen, Rohrsänger und Schwirle brüten in der von Deichen umgebenen Marschlandschaft zwischen Weser und Lesum – das Werderland ist nicht nur Verbindung zwischen Blockland und Bremen-Nord, es ist eines der spannendsten Naturschutzgebiete der Region. Im von Wassergräben durchzogenen Burglesumer Grünland ist die Nähe zur Großstadt schnell vergessen. Entdecken Sie das Gelände auf ausgebauten Rundwegen zu Fuß oder per Rad. Vom EU-Vogelschutzgebiet Dunger See, einem von Inseln und Buchten geprägten Ort der Stille mit Beobachtungshütte für seltene Haubentaucher oder den Eisvogel, führt ein Pfad an den Stahlwerken entlang zur Moorlosen Kirche in Burglesum. Auf halbem Weg können Sie einen Blick von der Ilsenburger Hütte auf das Werderland werfen. Weiter nördlich wartet auf der Großen Dunge die größte Streuobstwiese Bremens mit über 200 verschiedenen Obstsorten. Die Halbinsel Schönebecker Sand bietet ebenfalls naturnahe Erlebnisse.


Tipp: Beobachten Sie die Vögel in Burglesum vor allem zur Brutzeit im Frühjahr und nehmen Sie ein Fernglas mit. Infotafeln geben an vielen Stellen zusätzliche Einblicke. Auch Expeditionen für Kindergärten und Schulen werden angeboten. www.erlebnisraum-natur.de

Weiße Parkbank in Wätjens Park
Foto: Ingrid Frankenberg
Tradition trifft Töne - Wätjens Park

Über Jahrzehnte schlief er eingezäunt zwischen Wollkämmerei und Vulkan-Werft in Bremen-Nord einen unberührten Dornröschenschlaf. Glück im Unglück, denn so konnte Wätjens Park vor einiger Zeit wieder schrittweise in den Originalzustand des 19. Jahrhundert versetzt werden, der seine Gäste verzaubert: Obstwiesen mit saftigen Äpfeln zum Selberpflücken, ein Stelldichein von Rehen und Fledermäusen in der Dämmerung und großzügige Joggingstrecken mit Beleuchtung auf einzelnen Wegen. Ursprünge liegen in der Bremer Kaufmannsfamilie Wätjen, der einstmals größten privaten Segelschiffsreederei der Welt. Ihren Sommersitz zierten sie mit Gedächtnistempel, Terrassengarten, gusseiserne Brunnen und einem schlossartigen Landsitz,, die allesamt heute noch erhalten bzw. wieder hergestellt sind. Doch hält der Ort zwischen Vegesack und Blumenthal nicht nur Erinnerungen wach, er schafft auch neue: Informative Parkführungen oder Musik-Veranstaltungen wie Folk im Park nehmen Bezug auf den Stil des englischen Landschaftsgartens und sind ein lohnendes Ziel in Bremen-Nord.


Wätjens Park in Blumenthal ist über die gleichnamige Haltestelle mit den Linien 91, 92 und 94 erreichbar. Vom 25. bis 27. August findet Folk im Park wieder unter freiem Himmel statt (Eintritt frei): Fr. 18-23:30 Uhr, Sa. 15-23:30 Uhr und So. 12-18 Uhr. www.waetjens-park.de www.folkimpark-bremen.de

Blick auf das Naturschutzgebiet Eispohl/Sandwehen
Foto: © Andreas Nagler
Vom Winde verweht - Eispohl/Sandwehen und Neuenkirchener Heide

Seltene Schmetterlinge, vereinzelte Eidechsen und allein 25 verschiedene Libellenarten sind gemeinsam mit besonders raren Pflanzen im Naturschutzgebiet Eispohl/Sandwehen zu Hause. Besucher erleben hier von Dünen und Kleingewässern durchzogene Heideflächen. Der Eispohl selbst ist eine in der Späteiszeit vor circa 10.000 Jahren durch Wind- und Sandverwehungen geformte Senke, die sich mit Wasser füllte. Bis vor über 100 Jahren nutzte eine nahe gelegene Brauerei die winterlich gefrorenen Eisblöcke des Weihers als Kühlung für ihr Bier – daher der Name. Angrenzend an dieses Areal liegt die Neuenkirchener Heide, die sich von Blumenthal bis weit ins niedersächsische Umland erstreckt. Im größten zusammenhängenden Waldgebiet des Landes Bremen wechseln sich Nadel- und Laubbäume entlang hügeliger Geestlandschaften ab, die mit so manchem idyllischen Rastplatz für den Spaziergang belohnen.


Sie erreichen das Naturschutzgebiet Eispohl/Sandwehen im Blumenthaler Ortsteil Lüssum-Bockhorn über die Turnerstraße. Mit grünen Pflöcken markierte Besucherwege sind zum Wohle der Flora und Fauna einzuhalten und Hunde anzuleinen. www.erlebnisraum-natur.de

Blick auf einen Teil des Stadtgarten Vegesack.
Foto: © Hans Schnatmeyer
In voller Blüte - Stadtgarten

Ob Kaukasische Flügelnuss oder Dreispitz-Ahorn aus Japan – im Vegesacker Stadtgarten scheint sich die Flora des gesamten Erdballs zu einem blühenden Kleinod verschmolzen zu haben. Hier steigt das Familien-Picknick zwischen über 30 verschiedenen Rosenarten, während Spaziergänger entlang der Wasserkante zwischen Blau und Grün flanieren. Vor über 200 Jahren schon verlieh der Vegesacker Arzt und Botaniker Albrecht Wilhelm Roth dem damals sandigen Ödland am steilen Weserhang das exotisch anmutende Antlitz. Befreundete Kapitäne brachten ihm die Bäume und Sträucher aus fernen Ländern mit.


Über 150 Informationsschilder weisen die Herkunft aller exotischen Gehölze aus.

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