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70 Jahre Bremen

Das Land Bremen wird 70 Jahre alt! Mit der Proklamation No. 3 vom 21. Januar 1947 war die Wiederbegründung des Landes besiegelt - rückwirkend zum 1. Januar. In Zusammenarbeit mit dem Online-Magazin Bremen History haben wir für euch 70 Bilder und 70 Geschichten ausgegraben. Stöbert durch die Jahrzehnte und entdeckt erstaunliche, interessante und längst vergessene Bremer Anekdoten.

Im Laufe des Jahres 2017 kommen nach und nach weitere Jahrzehnte hinzu.

1967 bis 1976: Unruhe und Wandel

Bremen in den Jahren 1967 bis 1976

Quelle: Archiv bremer zentrum für baukultur (b.zb)

1967: Architektenwettbewerb um die Sögestraße als Fußgängerzone

Pro Tag drängelten sich 1963 fast 30.000 Fußgänger durch die Sögestraße - und das ausschließlich auf den beiden zwei Meter breiten Bürgersteigen. In der Mitte rauschte der Autoverkehr durch die beliebte Einkaufsmeile. Kein Wunder, dass der Schaufensterbummel nicht gerade entspannt ausfiel. Abhilfe sollte ein Wettbewerb um die Neugestaltung der Sögestraße als Fußgängerzone schaffen. Am 26. Juni 1967 verkündete die Jury ihre Entscheidung.

Quelle: Landesinstitut für Schule (LIS)/Jochen Mönch

1968: "Bremer Straßenbahnunruhen"

Auf einer Streusalzkiste stand sie: die Bürgermeisterin Annemarie Mevissen, als sie sich am 19. Januar 1968 der aufgebrachten Menge auf der Domsheide stellte. Mit ihrem couragierten Auftritt schaffte die SPD-Politikerin die Wende - die "Bremer Straßenbahnunruhen" wurden dadurch praktisch beendet, die Polizei hielt sich fortan zurück. Dass der neue Bürgermeister Hans Koschnick sich nicht blicken ließ, wurde ihm sehr verübelt.

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1969: Abriss des Lloydgebäudes

Kaum einem anderen historistischen Bauwerk in Bremen wird bis heute so sehr nachgetrauert wie dem früheren Lloydgebäude. Den Zweiten Weltkrieg hatte der monumentale Prachtbau noch überstanden - schwer beschädigt zwar, aber nicht so sehr, dass ein Abriss erforderlich gewesen wäre. Nur der hochaufragende Turm musste 1953 dran glauben. Das Aus für das Lloydgebäude kam 1969, als die Warenhauskette Horten an seiner Stelle einen nüchternen Neubau errichten ließ.

Quelle: Familie Porsch

1970: Aus für das Hippodrom von Haberjan

Beim Freimarkt im Oktober 1970 hatten die Besucher zum letzten die Chance, dem Hippodrom von Haberjan einen Besuch abzustatten – noch einmal auf dem Pferderücken ein paar Runden zu drehen. Danach fiel der Vorhang für die beliebte Traditionsveranstaltung, seit dem Dreikaiserjahr 1888 war der Bremer Schaustellerbetrieb immer präsent gewesen auf den Jahrmärkten im Norden. Unvergessen ist bis heute der eingängige Werbeslogan: "Reiten kann ein jedermann, im Hippodrom von Haberjan." 

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1971: Jusos attackieren den "Konsumterror"

Nicht überall stieß die Kunstfigur "Kauf" auf Wohlgefallen. Jenes sechsbeinige Wesen, das als Werbemotiv die Kauflust der Bremer anstacheln sollte. Kurz vor Weihnachten 1971 bliesen die Jusos zum Angriff, symbolisch rammten sie der Kunstfigur ein Messer in den Bauch. "Killt den Kauf!", lautete der Kampfruf. Der frühere Senator Hermann Wolters, damals Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen in der SPD, sollte die "jungen Wilden" zur Räson bringen. Doch Wolters war nicht nur Ex-Senator, sondern auch Ex-Kommunist.

Quelle: Peter Strotmann

1972: Schluss mit der Gastronomie im Essighaus

Was ist schon das Rathaus gegen das Essighaus? Als "größte Sehenswürdigkeit Bremens" pries der Restaurantbetreiber einst sein Domizil an der Langenstraße. Tatsächlich galt das schmale Gebäude mit der reich verzierten Fassade im Stil der Weserrenaissance als wahres Schmuckstück. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. So richtig wiederaufgebaut wurde das Essighaus nicht, nur die Fassade im Erdgeschoss fand abermals Verwendung. 1972 war dann auch Schluss mit der Gastronomie im Essighaus, seither dient es einer Bank als Unterkunft. 

Quelle: Archiv bremer zentrum für baukultur (b.zb)

1973: Die "Mozarttrasse" als Sackgasse

Einmal quer durchs Ostertorviertel hätte sie führen sollen, die berühmt-berüchtigte "Mozarttrasse". Als letztes Teilstück des Tangentenvierecks rund um den Stadtkern hatte die Osttangente den Charakter einer Umgehungsstraße mitten durch gewachsene Wohngebiete. Doch nachdem mit dem Rembertikreisel schon das Gelenkstück zwischen Nord- und Osttangente angelegt war, formierte sich Widerstand von unten. Der politische Druck wuchs, da half auch die zuletzt projizierte Tunnellösung nicht mehr. Im Oktober 1973 verschwand die "Mozarttrasse" endgültig von der Agenda.

Quelle: Archiv bremer zentrum für baukultur (b.zb)

1974: Bremer Architekturpreis für Wassili Luckhardt

Posthum erhielt Wassili Luckhardt 1974 den Bremer Architekturpreis für das Haus der Bürgerschaft. Dabei war sein moderner Entwurf höchst umstritten, die einflussreiche Gesellschaft Lüder von Bentheim entfachte sogar eine Medienkampagne gegen die Neubaupläne. Doch der Vorschlag, an der Ostseite des Marktplatzes die historische Giebelhäuserfront zu rekonstruieren, stieß auf wenig Gegenliebe bei den Volksvertretern: 1961 machte die Bürgerschaft den Weg frei für das Parlamentsgebäude.

Quelle: Anheuser-Busch InBev

1975: "Beck's Bier löscht Kennerdurst" statt "Beck's Bier löscht Männerdurst"

Nach den gesellschaftlichen Umwälzungen seit 1968 war der Werbeslogan "Beck's Bier löscht Männerdurst" nicht mehr so ganz zeitgemäß. Doch die PR-Strategen hatten 1975 einen glänzenden Einfall, wie der etablierte Slogan praktisch gleichwertig ersetzt werden konnte. Aus "Beck's Bier löscht Männerdurst" wurde "Beck's Bier löscht Kennerdurst". Ein geradezu genialer Kniff, um den etablierten Wortklang des 1955 eingeführten Spruchs zu erhalten.

Quelle: Wikimedia Commons/Bundesarchiv Koblenz

1976: Karl Carstens wird zum Bundestagspräsidenten gewählt

Auf der bundespolitischen Bühne kam er groß heraus: der gebürtige Bremer Karl Carstens, einst von Bürgermeister Wilhelm Kaisen als sein Nachfolger ins Spiel gebracht. Doch es kam anders: Nicht in Bremen, sondern in Bonn machte Carstens als CDU-Politiker von sich reden. Nach dem Ende der Großen Koalition avancierte er zum Fraktionschef, 1976 wurde er zum Bundestagspräsidenten gewählt - und 1979 sogar zum Bundespräsidenten.

1957 bis 1966: Tradition und Aufbruch, Meisterschaft und zwei Katastrophen

Bremen in den Jahren 1957 bis 1966

Menschen auf einem Wochenmarkt in der Vahr; Quelle: bremer zentrum für baukultur (b.zb)

Quelle: bremer zentrum für baukultur (b.zb)

1957: Erster Spatenstich für die Neue Vahr

Viel Licht und Sonne, Raum und Grünflächen sollten die Bewohner der Neuen Vahr haben. Das komplette Kontrastprogramm zu den düsteren und beengten Mietskasernen von ehedem. Auf der grünen Wiese stampfte das Land Bremen ab 1957 eines der ambitioniertesten Wohnbauprojekte Deutschlands aus dem Boden. Ein gesellschaftspolitischer Kraftakt, um die Wohnungsnot der frühen Nachkriegsjahre zu beseitigen.

Eine Gruppe junger Männer; Quelle: Wikimedia Commons

Quelle: Wikimedia Commons

1958: Hilfe, die Halbstarken kommen

Was auf den Teller kommt, wird auch gehört: Bill Haleys Scheiben waren heiß begehrt. Nicht viel anders als der Film, der 1956 in die Kinos kam: "Rock Around The Clock", auf deutsch "Außer Rand und Band". Viele Jugendliche nahmen das wörtlich, zwischen 1956 und 1958 zählte die Polizei in deutschen Städten rund 350 Krawallen mit sogenannten Halbstarken. Auch in Bremen kam es im November 1956 zu unliebsamen Zwischenfällen. Randalierende Jugendliche kippten Autos um, im Ostertor wurden Wasserwerfer eingesetzt.

Große Werbetafeln vor dem Hauptbahnhof; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1959: SPD-Wahlkampf nach amerikanischem Vorbild

Mit unerhörten Methoden zog die Bremer SPD im Herbst 1959 in den Bürgerschaftswahlkampf. Weniger Worte, dafür mehr Unterhaltung – das war das Erfolgsrezept nach amerikanischem Vorbild. Schon vor dem fulminanten Wahlsieg galt das Bremer Modell als Muster für erfolgreiche Urnengänge. Aus Bonn eilte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Helmut Schmidt an die Weser, um sich ein Bild zu machen. Frei nach dem Motto: Von Bremen lernen heißt siegen lernen.

Eine alte Dampflokomotive liegt seitlich auf den Trümmern eines Bauwerks; Quelle: Peter Mertsch

Quelle: Peter Mertsch

1960: Mit kreischenden Bremsen in den Abgrund

Keine Überlebenschance hatte Heinrich Möhlmann, als er am 6. August 1960 mit seiner Dampflok in die Tiefe rauschte. Alle Bremsen und Hebel setzte der 44-jährige Zugführer in Bewegung, als er das gähnende Loch im Osterfeuerberg-Tunnel wahrnahm. Doch gerade einmal 35 Meter Bremsweg waren deutlich zu kurz, um den Güterzug mit seinen 45 Waggons rechtzeitig anzuhalten.

Heute nicht mehr bestehende Gebäude dominieren den Platz, der heute den Knotenpunkt Domsheide beherbergt; Quelle: Bärbel Jonas / Fotonachlass Weber

Quelle: Bärbel Jonas / Fotonachlass Weber

1961: Die Begradigung der Balgebrückstraße

Von wegen Durchblick: Wer früher durch die Balgebrückstraße in Richtung Glocke sah, hatte alles andere als klare Sicht. Erst im Zuge der Ostumgehung des Marktplatzes erhielt die Straße 1961 ihren heutigen Verlauf. Bei der Gelegenheit wurde auch die Hochgarage Baumwollbörse errichtet. Darin integriert: die Esso-Tankstelle, die es dort schon lange gegeben hatte. Der Fotonachlass der früheren Pächterfamilie zeigt ganz neue Einblicke in ein spannendes Geschichtskapitel.

Eine Einladung zur Schaffermahlzeit 1962; Quelle: Albrecht Edzard

Quelle: Albrecht Edzard

1962: Zweifelhafter Frackzwang bei der Schaffermahlzeit

Der Frackzwang bei der Schaffermahlzeit – eine uralte Tradition, möchte man meinen. Doch weit gefehlt, wie ein Blick in den Nachlass eines früheren ersten Schaffers ergibt. In Wahrheit besteht die Pflicht zum feinen Zwirn noch gar nicht so lange. Erst zur Schaffermahlzeit von 1962 wurde das Tragen eines Fracks zur Pflicht. Dabei verstoßen die Veranstalter damit selbst gegen die Etikette.

Junge Menschen am Eingang eines Clubs; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1963: Der Twen Club an der Katharinenstraße

Irgendwie roch es "etwas süßlich" im Twen Club. So die Erinnerung einer Zeitzeugin, die sich als 16-Jährige gegen den erklärten Willen ihrer Eltern in die legendäre „Lasterhöhle“ an der Katharinenstraße wagte. Als Teil der Fritz-Betriebe eröffnete der Twen Club am 29. Juni 1963 seine Pforten. Nur noch gelegentlich gab es Live-Musik, meist sorgte ein Diskjockey für Unterhaltung.

Vier Musiker in Uniform; Quelle: Gerd Adamowsky

Quelle: Gerd Adamowsky

1964: "Halbstark" gehörte schon 1964 zum Repertoire der "Yankees"

Mit ihrem Song 'Halbstark' stürmten 'Die Yankees' im September 1965 die Hitparade. Ihr Auftritt bei der Premiere des Beat-Club machte die Jungs in ihren schrägen Uniformen über Nacht zu gefeierten Stars. Dabei war der Erfolgsschlager gar nicht so ganz neu, schon 1964 gehörte 'Halbstark' zum Repertoire der Band. Der plötzliche Ruhm bekam der Band allerdings nicht sonderlich gut.

Ein Fußballspieler schießt den Ball; Quelle: Gerhard Zebrowski

Quelle: Gerhard Zebrowski

1965: Werder wird Meister mit Eigengewächs Zebrowski

Als Titelfavorit startete der SV Werder nicht in die zweite Bundesligasaison. Doch dann wurde die Elf von der Weser souverän Meister: Schon zu Beginn der Rückrunde übernahm Werder endgültig die Tabellenführung und gab sie bis zum Schluss nicht mehr her - ein Durchmarsch nach Bayern-Manier. Zu den Erfolgsgaranten zählte auch das Eigengewächs Gerhard Zebrowski, ein 'Waller Jung'.

Menschen durchsuchen Trümmer eines Flugzeugs der Lufthansa; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1966: Flugzeugabsturz unweit des Bremer Flughafens

Keine Chance hatten die 46 Menschen an Bord der Lufthansa-Maschine, die am frühen Abend des 28. Januar 1966 unweit des Bremer Flughafens auf einen Acker stürzte. Zu den Opfern zählten sieben italienische Olympia-Schwimmer und die Schauspielerin Ada Tschechowa. Doch wie kam es zu dem bis dahin schwersten Unglück der bundesdeutschen Luftfahrtgeschichte? Eine Zange in der linken Hand des Copiloten heizte die Spekulationen an, wilde Gerüchte um einen Kampf im Cockpit machten die Runde.

1947 bis 1956: Der Wiederaufbau

Bremen in den Jahren 1947 bis 1956

Ein Fluss voller Eistrümmer, im Hintergrund eine Brücke, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1947: Eismassen zerstören sämtliche Weserbrücken

Der 18. März 1947 ist als Katastrophentag in die Bremer Geschichte eingegangen. Innerhalb weniger Minuten zerstörten Eismassen und führerlose Schiffe sämtliche Weserbrücken. Zwei Monate Dauerfrost hatten die Weser zum Stehen gebracht. Als Tauwetter einsetzte, nahm das Unheil seinen Lauf. Die Instandsetzung der kriegszerstörten Übergänge musste wieder ganz von vorn beginnen.

Eine Baustelle, im Hintergrund eine Sporthalle, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1948: Stadt Bremen übernimmt die hölzerne Sporthalle auf der Bürgerweide

Für ihre Soldaten ließ die US-Army kurz nach Kriegsende die Sporthalle auf der Bürgerweide errichten. Doch dabei blieb es nicht, schon bald öffneten die Amerikaner die Halle auch für Deutsche. Im März 1948 übernahm die Stadt das Gebäude. Ein paar Monate später versuchte sich ein Großvarieté in der Halle.

Ein Café, im Hintergrund ein Bürogebäude, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1949: Café Hillmann in Rekordzeit gebaut

Bau in Rekordzeit! An der Stelle des früheren Hillmann-Hotels wurde 1949 binnen 15 Wochen ein Provisorium errichtet: das Café Hillmann. Die BremerInnen fanden Gefallen an dem eigenwilligen Flachbau, der eigentlich nach zehn Jahren wieder abgerissen werden sollte.

Blick auf ein Büro-Gebäude mit der Aufschrift "Astoria", Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Astoria Theater Bremen

Quelle: Astoria Theater Bremen

1950: Varieté Astoria eröffnet wieder

Ein Bombentreffer legte am 6. Oktober 1944 das legendäre und international renommierte Varieté „Astoria“ an der Katharinenstraße in Schutt und Asche. Doch Betreiber Emil Fritz ließ sich nicht unterkriegen. Genau sechs Jahre später - am 6. Oktober 1950 - eröffnete das neue "Astoria".

Portrait von Dr. Adolf Wolfard, Chefredakteur der Bremer Nachrichten, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1951: Paketbombe tötet Chefredakteur

Eine Paketbombe beendete am 29. November 1951 das Leben von Dr. Adolf Wolfard, seit vier Wochen neuer Chefredakteur der Bremer Nachrichten. Ein zweiter Sprengsatz galt dem Besitzer einer Marmeladenfabrik, doch die Bombe ging vorzeitig hoch und tötete in Eystrup eine 18-Jährige. Die Fahnder vermuteten anfangs noch ein politisch motiviertes Attentat durch Extremisten, konnten jedoch bald eine Person festnehmen, die ganz und gar nicht einer solchen Szene zuzuordnen war.

Ein kubusförmiges Gebäude auf einem öffentlichen Platz, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1952: Neues Leben im Opelturm

Ringsum lag alles in Trümmern, nur der Opelturm an der Ecke Bahnhofstraße/Breitenweg hatte den Zweiten Weltkrieg halbwegs unbeschadet überstanden. 1952 machte in dem Werbe- und Ausstellungsturm ein Fischrestaurant auf, das „Haus Helgoland“. In Erinnerung geblieben ist der Opelturm aber vor allem wegen seiner prägnanten Weltkugel auf dem Dach, eines Fünf-Meter-Ungetüms mit Borgward-Schriftzug.

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1953: Der Lloydturm verschwindet

Das Lloydgebäude gehört längst der Vergangenheit an. Und doch lässt es bis heute so manch ein Herz höher schlagen. Der historistische Monumentalbau an der Papenstraße galt als stadtprägendes Bauwerk, nicht zuletzt wegen seines 75 Meter hohen Turms. In den frühen Nachkriegsjahren überlegte man, ein Café in luftiger Höhe zu eröffnen. Doch daraus wurde nichts, die Eigentümer wollten kein Geld in den stark sanierungsbedürftigen Turm stecken: Im Juli 1953 begann der Abbruch des einstigen Wahrzeichens.

Blick auf eine Neubausiedlung mit Mehrfamilienhäusern, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Hed Wiesner

Quelle: Hed Wiesner

1954: Baubeginn für die Gartenstadt Vahr

Im Dezember 1954 wurde der Grundstein für die Gartenstadt Vahr gelegt. Das ambitionierte Neubauprojekt war die erste Bremer Großsiedlung, die den Ideen des modernen Städtebaus verpflichtet war. Rechtwinklige oder parallele Hausbauten waren gestern. Stattdessen sollten Grünzüge die Straßen und Wege begleiten, die Gebäude wie organisch gewachsen wirken.

Blick auf den Bremer Marktplatz Richtung Westen, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Nils Aschenbeck/Hans Werner Krysl

Quelle: Nils Aschenbeck/Hans Werner Krysl

1955: Martini-Durchbruch als Schneise durch die Altstadt

Was schon in Kriegszeiten angedacht war, nahm im Sommer 1955 konkrete Gestalt an: Die Baudeputation billigte die Pläne für den Martini-Durchbruch – die Verlängerung der Martinistraße als neue Südtangente bis zum Brill. Dabei machten sich die Städteplaner die schweren Zerstörungen im Schlachte-Viertel zunutze, um rigoros aufzuräumen. Eine ganze Reihe alter Straßen verschwand vom Stadtplan, während die Langenstraße in der Mitte auf breiter Strecke halbiert wurde.

Junge Menschen tragen Fahnen auf einem Umzug, Menschenmassen entlang der Strecke, Schwarz-Weiß-Fotografie; Quelle: Staatsarchiv Bremen

Quelle: Staatsarchiv Bremen

1956: Zehntausende bei den Mai-Umzügen

Mehrere zehntausend Teilnehmer waren bei den Mai-Umzügen der frühen Nachkriegsjahre keine Seltenheit. Als der Tag der Arbeit 1950 seinen 60. Geburtstag feierte, waren in Bremen sogar 90.000 Menschen auf den Beinen. 1956 nahmen die Gewerkschaften mit der Kampagne „Samstags gehört Vati mir!“ den Kampf um die 40-Stunden-Woche auf.

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