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Wissenschaft Persönlich: Dr. Daniel Nyga

Dr. Daniel Nyga
Dr. Daniel Nyga über Künstliche Intelligenz, tagtägliche Rückschläge und die Universität als einen inspirierenden Ort mit bemerkenswerten Persönlichkeiten.

Quelle: WFB/Ginter

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich WissenschaftlerInnen regelmäßig unseren Fragen  und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der Richtige ist.

Im Januar 2020 stand uns Dr. Daniel Nyga vom Institut für Künstliche Intelligenz an der Universität Bremen Rede und Antwort. Warum er den Bremer Wissenschaftsstandort mit einem Rudeltier vergleicht, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Welt verändert und warum seine persönliche Erfolgsformel Spaß an der Arbeit ist, verrät er im Interview.
 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler/in geworden wären?
    Computer haben mich schon seit meiner frühesten Kindheit fasziniert. Seit meinem 13. Lebensjahr beschäftige ich mich mit ihrer Programmierung. Wenn es nicht die Wissenschaft geworden wäre, dann sicherlich irgendetwas anderes mit Computern.
     
  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?
    Die Universität ist ein sehr inspirierender Ort, an dem viele bemerkenswerte Persönlichkeiten zusammentreffen. Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn man mit Wissenschaftlern einer anderen Fachrichtung neue, kreative Lösungsansätze entwickelt, auf die man allein nie gekommen wäre. Diese Momente, eine besonders harte Nuss geknackt zu haben, sind etwas sehr tolles.
     
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besuchern erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?
    Das Steckenpferd unseres Instituts ist die KI-basierte Servicerobotik. Wir hätten vermutlich einen Stand, an dem unsere Roboter für die Besucher Snacks wie Popcorn, Pfannkuchen oder Sandwiches zubereiten.
     
  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?
    Unsere Gesellschaft steht vor sehr großen Herausforderungen und Umbrüchen. Die Künstliche Intelligenz spielt hierbei eine ganz wichtige Rolle, die zurzeit sehr kontrovers diskutiert wird. KI ist sicherlich Teil der Ursache aber auch Teil der Lösung für diese Herausforderungen. So werden durch KI und Automatisierung zwar bestimmte Arbeitsplätze wegfallen, aber auch komplett neue Arten von Jobs werden dadurch entstehen. KI und Robotik werden hoffentlich älteren Menschen und Menschen mit Handicap helfen, sich länger selbst versorgen zu können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. KI hilft auch bereits heute dabei, Krankheiten früher und zuverlässiger zu diagnostizieren und neue Therapien und Medikamente zu entwickeln. Die Liste der Erfolgsgeschichten in KI ist lang und ich wünsche mir, dass unsere Arbeit auch einen Beitrag dazu leistet.
     
  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?
    KI birgt immer dort großes Potenzial, wo Menschen langwierige, wiederkehrende, unangenehme oder gefährliche Arbeiten verrichten müssen. Unser Ziel ist es, die Menschen bei diesen Tätigkeiten durch intelligente Computersysteme so gut es geht zu entlasten oder diese Arbeiten den Maschinen komplett zu übertragen. Das allein rettet die Welt sicherlich nicht, aber ich hoffe, es trägt etwas dazu bei, das Leben der Menschen angenehmer, gesünder, friedlicher und sicherer zu machen.
     
  • Verraten sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?
    Das wichtigste Werkzeug eines Informatikers ist nicht etwa der Laptop, sondern die Fähigkeit der Abstraktion. Sachverhalte der realen Welt in für Computer verständliche, mathematische Modelle zu übersetzen ist eine ganz zentrale Aufgabe der Informatik und der Künstlichen Intelligenz. Die reale Welt ist jedoch von großer Unsicherheit geprägt, denn nur sehr selten haben wir wirklich vollständiges Wissen über bestimmte Vorgänge. Diese Gegebenheit macht für mich die Wahrscheinlichkeitstheorie und Stochastik zum wichtigsten mathematischen Werkzeug und Hilfsmittel.
     
  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?
    Ich bin in Villingen-Schwenningen, einer Stadt am Rande des Schwarzwalds aufgewachsen. Von dort aus zog es mich nach meinem Abitur nach München, wo ich an der Technischen Universität Informatik studiert habe. Im Jahr 2012 übernahm mein Doktorvater, Prof. Michael Beetz, die Leitung des Instituts für Künstliche Intelligenz an der Universität Bremen. Wir hatten hier die Gelegenheit, ein Roboterlabor von Grund auf neu aufzubauen. Das war eine einmalige Chance und eine sehr spannende Zeit.
     
  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?
    Bremen als kleines Bundesland mit schwieriger Haushaltslage leistet sich verhältnismäßig große und gut ausgestattete Hochschulen. Das zeigt, dass die Wissenschaft hier einen sehr hohen Stellenwert hat. Insbesondere im Bereich der KI bietet Bremen ein sehr gutes Umfeld und strengt sich sehr an, dieses zu halten und weiter auszubauen. Das macht Bremen zu einem sehr attraktiven Wissenschaftsstandort.
     
  • Fehlt Ihnen etwas?
    Als Süddeutscher war ich anfangs etwas irritiert vom nordischen Understatement der Bremer, dem man hier an vielen Stellen begegnet. Man könnte meiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht ambitionierter und selbstbewusster sein. Ich denke, dass das Potenzial von Bremen noch nicht überall optimal ausgeschöpft wird.
     
  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?
    Bevorzugt mit dem Auto, aber auch gerne zu Fuß.
     
  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?
    Ich stelle mir ein Rudeltier vor. Sehr neugierig und schlau, ausgestattet mit einem guten Riecher. Gelegentlich aber auch etwas schwerfällig und behäbig.
     
  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?
    Es liegt in der Natur eines Wissenschaftlers, mit Fragen und Herausforderungen konfrontiert zu sein, zu deren Lösung es kein Patentrezept gibt. Die größte Herausforderung ist daher immer die, vor der man als nächstes steht.
     
  • Welche stehen Ihnen noch bevor?
    Ich hoffe doch sehr viele. In meinem Kopf schwirren sehr viele spannende Forschungsfragen und Ideen umher. Die größte Herausforderung ist da, den Überblick zu behalten und neben den vielen anderen Verpflichtungen die Zeit zu finden, alles in die Praxis umzusetzen.
     
  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?
    Ich denke, das allerwichtigste ist, dass man Spaß an dem hat, was man tut. Wenn man mit Hingabe und Begeisterung einer Sache nachgeht, kommt der Erfolg irgendwann von allein. Das bedarf natürlich auch einer gewissen Hartnäckigkeit und Ausdauer, aber ich glaube, dass man es allein mit dem Mindset, etwas erreichen zu können, und mit Fleiß sehr weit bringen kann.
     
  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?
    Für Wissenschaftler stehen Rückschläge leider auf der Tagesordnung. Viele Ideen, die man hat, stellen sich als nicht realisierbar heraus oder man stellt erst spät fest, dass man ein wichtiges Detail übersehen hat. Das Scheitern ist daher fast alltäglicher Bestandteil des Forscherlebens. Das kann frustrierend sein, ist aber ein wichtiges Grundelement der Wissenschaft. Man lernt beim Scheitern schließlich, wie etwas nicht geht. Auf diese Weise irren wir uns stetig empor ;-)
     
  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?
    Bei einem Camping-Road-Trip am Meer mit Freunden, leckerem Essen und einem kühlen Bier.
     
  • Der/Die nächste Nachwuchswissenschaftler/in zieht nach Bremen. Was würden Sie ihm/ihr raten, wo er/sie wohnen und abends weggehen soll?
    Ich wohne selbst in der Bremer Neustadt und fühle mich dort sehr wohl. Die Neustadt ist eine tolle Alternative zum Viertel mit sehr vielen schönen Ausgehmöglichkeiten und einem vielseitigen kulturellen Angebot.
     
  • Mit wem/was würden Sie ihn/sie hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?
    Mit den Biergärten an der Schlachte – im Sommer einer der schönsten Orte in Bremen.
     
  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer/m Bremer/in oder Bremerhavener/in tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?
    In meinem Leben passieren permanent sehr viele spannende Dinge, ich würde tatsächlich nur ungern tauschen wollen.
Dr. Daniel Nyga

Quelle: WFB/Ginter

Steckbrief: Dr. Daniel Nyga

Fachbereich / Forschungsfeld
Fachbereich 3 – Mathematik u. Informatik, Institut für Künstliche Intelligenz

Aktuelle Position / Funktion
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Post-Doktorand

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt
Probabilistische Wissensrepräsentation und maschinelles Lernen

Geburtsjahr
1985

Familienstand
ledig

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