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Poesie zu den STERNSTUNDEN 2018

Janina Mau ist eine vielseitige Künstlerin: Schon während ihres Studiums der Kommunikationspsychologie schrieb sie Kurzgeschichten, Kreativtexte und Poesie. Heute gestaltet die 30-Jährige Skulpturen und Objekte und arbeitet als Illustratorin und Autorin. Bei der Eröffnung der STERNSTUNDEN 2018 erfreute sie uns mit einem Text, in dem sie sich der Frage nach der Unendlichkeit, Zeit und Raum zuwendet. Hören oder lesen Sie "Sternenstaub" bei uns sooft Sie wollen!

"Sternenstaub" zum Nachlesen

Sternenstaub

 

Ich nehm` dich mit…öffne meine Hand und puste dir eine glitzernde Wolke aus Sternenstaub in dein Gesicht, ich verzaubere dich.

 

Sage mir, wie weit ist unendlich?

Und was bedeutet Zeit und Raum eigentlich?

Im Angesicht von ungezählten Lichtjahren

zu all dem uns bloß Vorstellbaren

auf unserer irdisch kleinen Umlaufbahn?

 

Ich halte dich…mit meiner bloßen Masse, deren Anziehungskraft so sagenhaft stark ist, dass nichts von mir ablassen kann. Und obwohl Materie mich umgibt, obwohl die gleichmäßige Rotation meines sozialen Atoms mich stets umfliegt, stehe ich klein und nichtig in meiner eigenen Singularität wie ein schwarzes Loch, mitten im Universum.

Ich schaue zum Ereignishorizont in Richtung Licht und fasse es nicht… Und der Raum beginnt sich vor mir zu krümmen, verbiegt und verschiebt sich vor meinen Augen zu… Unglaublichem.   

 

Kuriositäten, Absurditäten und menschenkopfige Paradoxien scheinen geballt durchs All zu taumeln wie quell-schwefelfarbener Gasnebel sich nach einer Sternenexplosion im Raum erhält. Er leuchtet und funkelt in die objektgespickte Schwärze aus nichts, die mehr ist als nichts, die mehr ist als alles gleichzeitig, mehr ist als Unendlichkeit, mehr als mathematische Formeln zu greifen vermögen, mehr als menschliches Vorstellungsvermögen und technische Intelligenz zusammen fassen können!

Denn dort draußen wohnen Kräfte… Die regen sich, räkeln sich, bewegen sich, entwickeln sich, zu immer neuen Wundern!

 

Sterbende Sterne und schwebende Stücke, Planetensysteme, Umlaufbahnen und Lichtlücken, Körper und Massen und Brocken, die sich bewegen, dazwischen Leerräume, kosmischer Staub und Galaxiehaufen…

Dort draußen sind Dinge, die unbegreiflich sind, Konzepte, die es auf der Erde nicht gibt, von Größe und Kraft und Schwerelosigkeit und undefinierbar mächtiger Macht! Und eine mystische, dunkle Energie, die die Menschen vielleicht nie verstehen werden…

 

Ich sehe zwischen den Sternen am Firmament einen Satellit` und Hubble sieht, was außerhalb unseres sichtbaren liegt und schickt uns die erstaunlichsten Bilder davon zurück. Doch ich versteh` sie nicht…

 

Also bitte sage mir, wie weit ist unendlich?

Und was bedeutet Zeit und Raum eigentlich?

Im Angesicht von ungezählten Lichtjahren

zu all dem uns bloß Vorstellbaren

auf unserer irdisch kleinen Umlaufbahn?

 

Das ist Mathematik in einem Zaubergewand… Physik, Astronomie, entbrannte Leidenschaft, die den menschlichen Geist - hungrig nach Wissen -  ins All entsandt hat.

 

Da sitzen wir und entdecken täglich mehr. Denken, berechnen und experimentieren. Über Jahrtausende haben wir unser jenseits-der-Welt-Bild immer weiter ausgebaut, die Technik stets verbessert und an immer neue Theoreme geglaubt. Was einst ferne Weltraum-Poesie war, wie dass Pythagoras sagte; dass „der Himmel das Unendliche eingeatmet“ habe oder wie Platon meinte; dass „alle Himmelskörper mit Verstand ausgerüstete, göttliche Wesen“ seien, ist wahrem Wissen gewichen. Unermüdlicher Forschung und Faszination und Erkenntnissen. Über das unvorstellbar weite, unerreichte Reich der Weltraumweite.

 

Wir sind stets weitergegangen, weitergeflogen, haben weitergeforscht. Haben erst unbemannt, dann mit Hund entsandt, dann sogar Menschen geschickt, Mond und Planeten mit Fahnen bespickt und sind dem einst Unvorstellbaren fast auf die Schliche gekommen. Und wir sind ihm täglich weiter auf den Fersen…

 

Doch weiß niemand, was noch kommt… „Big Crunch“, „Big Rip“, „Big Freeze“, „Big Bounce“? Werden Paralleluniversen kollidieren? Wird irgendwann alles zusammenschrumpfen oder sich in endloser Ausdehnung verlieren?

 

Immer noch fällt es uns so schwer zu begreifen, was wir nicht greifen können...

 

Also strecke ich ungläubig meine Arme aus gen All, den allgegenwärtigen, grenzenlosen Raum, der uns alle beinhaltet. Ich steige auf ein Trampolin und versuche „dem da oben“ noch näher zu springen und dabei beginnt mein irdischer Kopf plötzlich zumindest ein elementares Phänomen zu verstehen… (und dann noch als Metapher zu sehen):

 

Auf dem Weg nach oben befinden wir uns im freien Fall.

Fast schwerelos, losgelöst von Allem, entlastet von der Last der eigenen Schwerkraft, ungebremst und NICHTS kann uns aufhalten! Weiterzuforschen, weiterzuentdecken, weiterzufliegen…

Und uns mit Leichtigkeit in Richtung Zukunft zu bewegen…

 

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