Ein Mann und eine Frau stehen vor einer Präsentationswand, vor sich ein Blatt Papier haltend und grinsen fröhlich.

Schüler mit Raumfahrt begeistern

Auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit: Das DLR_School_Lab Bremen und das Gymnasium Vegesack arbeiten künftig noch enger zusammen, um Schülerinnen und Schülern auch weiterhin spannende Projekte und Forschungen im Bereich der Luft- und Raumfahrt zu ermöglichen. 

Es ist Freitagmorgen, der 16. März 2018. In der Aula des Gymnasiums Vegesack versammeln sich hunderte Schüler und Schülerinnen. Es ist der letzte Tag vor den Osterferien und der erste der offiziellen Fortführung einer zweckgerichteten und zielführenden Kooperation. Das Gymnasium Vegesack ist Kooperationspartner des DLR_School_Lab Bremen. Eben jenes weiß die Schüler mit spannenden Projekten und Veranstaltungen immer wieder zu fesseln. Und in Zukunft noch ein bisschen mehr als bisher.

 

Heike Ohler ist Schulleiterin des Gymnasiums und empfängt heute zusammen mit Michael Eberz, Fachbereichsleiter für Mathematik und Naturwissenschaften, Besuch aus dem DLR_School_Lab Bremen. Dr. Dirk Stiefs und Silke Zierenberg sind hier, um den Schülern die anstehenden Projekte vorzustellen, an denen Sie mitwirken können; vor allem soll aber ein Kooperationsvertrag zwischen dem DLR_School_Lab Bremen und dem Gymnasium Vegesack unterschrieben werden, der die Zusammenarbeit der zwei Institutionen festigen und in verschriftlichter Form festhalten soll.

 

"Als das DLR vor ungefähr acht Jahren das School-Lab in Bremen gegründet hat, gehörten wir glücklicherweise zu den ersten, die davon profitieren durften", rekapituliert Ohler die Anfänge der Zusammenarbeit. "Das School-Lab bietet uns Wege zu Experimenten, die die Möglichkeiten, die wir an einer Schule bieten können, bei weitem übersteigen", fügt sie hinzu und bedankt sich vorab für die gemeinsamen Projekte, die noch folgen werden.

Grenzenlose Begeisterung für spannende Projekte

Bevor Stiefs und Zierenberg, die die Kinder und Jugendlichen mit ihrer sympathischen und offenen Art sofort auf ihrer Seite haben, das DLR und aktuelle Projekte vorstellen, stellen mehrere junge Forscherinnen und Forscher des Gymnasiums Vegesack ihre eigenen Projekte vor, die sie in Zusammenarbeit mit dem DLR_School_Lab bereits entwickelt haben.

 

Dabei ist das HI-SEAS-Projekt , bei dem das DLR einige Schüler bei der Mission auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Loa involvierte: In einer mars-ähnlichen Umgebung wurde das Wachstum von Pflanzen analysiert. Dabei standen die Schüler in ständigem, engem Kontakt mit den Mitarbeitern vor Ort - mit 20-minütiger Zeitverzögerung, um die Kommunikation zwischen Erde und Mars zu symbolisieren. Auch das Wachstum von Pflanzen unter verschiedenen Licht- und Erdbedingungen wurde erforscht.

 

Am DroPS-Projekt  nahmen ebenfalls einige Schüler teil. Hierbei wurden Schwerelosigkeitsexperimente am Fallturm Bremen durchgeführt. Die Frage, die sich die Schüler stellten, lautete hierbei: Wie würde eine Cocktailbar im Weltall funktionieren? Die Oberstufenschüler riefen vor allem ihre jüngeren Mitschüler dazu auf, sich an diesem spannenden Projekt zu beteiligen.

 

Stolz präsentierte zum Schluss eine Gruppe ihre Sonnenuhr, die in Zusammenarbeit mit dem DLR entstand und tatsächlich mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst in den Weltraum zur ISS, der Internationalen Raumstation, geschickt wird. Im Jahre 2068 soll die Uhr dann wieder zurück auf die Erde kommen - ein Event, zu dem natürlich die ganze Klasse eingeladen sein wird.


In beeindruckenden Bildern und motivierenden Worten präsentieren Stiefs und Zierenberg im Anschluss die Arbeit des DLR und zeigen, was Schüler im DLR_School_Lab Bremen erwarten dürfen.

 

Nach erfolgreicher Vertragsunterzeichnung geben Dirk Stiefs und Silke Zierenberg sowie Schulleiterin Heike Ohler und Lehrer Michael Eberz in geselliger Runde mit sichtlich guter Laune Auskunft zu dem, was die Zukunft bringen könnte.

Ein Mann und eine Frau stehen vor einer Prädentationstafel. Der Mann schaut die Frau grinsend an während er ins Mikrofon spricht.

Was wird die Schüler und Schülerinnen zukünftig erwarten? Dr. Dirk Stiefs und Silke Zierenberg vom DLR_School_Lab Bremen verraten es ihnen.

Quelle: WFB

Wie hat die Zusammenarbeit zwischen dem DLR_School_Lab Bremen und dem Gymnasium Vegesack angefangen?

 

Eberz:  Es gibt seit 2006 das Schulprofil Luft- und Raumfahrt: Da war die Gründung des DLR-Standortes und des DLR_School_Lab Bremen rund um die Raumfahrt für uns das Event, das nicht besser hätte sein können. Wir haben damit in Bremen eine tolle Anlaufstation. Auch wenn der Weg etwas weit ist: Es ist super, wenn man Luft- und Raumfahrt in den Unterricht einbauen will und dies mit außerschulischen Lernorten kombinieren kann. Da bietet sich das School-Lab einfach an. Wenn man das dann nicht nutzt, wäre das fahrlässig.

 

Zierenberg: 2007 wurde das Institut für Raumfahrtsysteme hier in Bremen eröffnet und 2012 das DLR_School_Lab in diesem Institut.

 

Eberz: Da haben wir schon sechs Jahre Erfahrung in der Luft- und Raumfahrt gesammelt und haben uns sofort auf euch gestürzt!

 

Ohler: Das Luft- und Raumfahrtprofil ist eindeutig ein Schwerpunkt dieser Schule und letztlich weitet sich dieser auch immer mehr durch den Bereich der künstlichen Intelligenz und Robotik aus. Themen, die dankenswerterweise auch über das School-Lab angeboten werden. Der Schwerpunkt Naturwissenschaften und Informatik lässt sich besonders gut vertiefen, wenn er ab der Mittelstufe bindend in das Curriculum eingebaut wird. Das wird mit diesem Vertrag jetzt verbindlich geregelt. Für die Kolleginnen und Kollegen an der Schule sowie für das DLR_School_Lab Bremen, das uns diese Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

 

Was ändert sich konkret durch den Vertrag? Welche Veranstaltungen gab es schon, welche kommen neu dazu?

 

Stiefs: Eigentlich ist es eine Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit. In dem Vertrag werden jetzt keine neuen Sachen geregelt, die wir vorher nicht gemacht haben, stattdessen wird das verschriftlicht, was wir schon lange betreiben. Man kommt mit Schulklassen zu uns, wir machen gemeinsame Schulprojekte, das Gymnasium beteiligt sich an Wettbewerben. Es ist eine Verschriftlichung der Zusammenarbeit und eine Absichtserklärung, diese zu intensivieren. Es sind aber nicht zwangsläufig neue Projekte daran geknüpft. Es ist eine Absichtserklärung, dass man es in der Form vertiefen und weitermachen möchte.

 

Ohler: Wir haben durchaus einen Generationenwechsel im Kollegium. Hier kommen relativ viele junge, neue Kolleginnen und Kollegen dazu, und dann ist es immer gut, wenn es eine Verbindlichkeit gibt. Man kann das dann nicht mehr nur machen, weil man vielleicht gerade Spaß und Zeit hat. Man plant von vornherein ein, dass das in diesem Schuljahr stattfinden wird. Dieser verbindliche Charakter wird durch diesen Kooperationsvertrag noch einmal hervorgehoben.

 

Stiefs: Abgesehen von der Tatsache, dass sich das Gymnasium Vegesack offiziell Kooperationsschule nennen darf und wir auf unserer Seite schreiben können, dass wir mit diesem zusammenarbeiten können, dauert der Vertrag auch nicht ewig. Wenn die Zusammenarbeit in irgendeiner Form einschlafen würde, dann würde man ihn auch nicht verlängern. Und dann würde man sich auch nicht mehr als Kooperationspartner sehen. Dafür sorgt diese Bestätigung. Das ist kein Selbstläufer, sondern muss gelebt werden.

 

Ohler: Die Kolleginnen und Kollegen im naturwissenschaftlichen Bereich machen keinen Dienst nach Vorschrift, sondern bringen sehr viel über ihren  Dienst hinaus ein. Wenn ich Einstellungsgespräche habe, weise ich auch darauf hin, dass in diesem Profil auch durchaus ein erhöhtes Engagement erwartet wird.

 

Eberz: Und dann überlegen wir, was sich anbietet und sich in unseren Tagesablauf einbauen lässt. Das DLR hat Experimentiermöglichkeiten, die wir an der Schule nicht haben. Wir schauen auch, wie weit wir das für unterrichtliche Inhalte nutzen können, die nicht direkt mit Luft- und Raumfahrt zu tun haben, aber mit diesem Equipment zu nutzen sind.

 

Ohler: Es ist ganz klar, dass wir den Schülerinnen und Schülern solche Experimente als Schule niemals zur Verfügung stellen können. Das ist für uns wirklich ein sehr großer Vorteil.

 

Stiefs: Die jüngeren Jahrgänge wählen uns ganz gut an, und es ist unser Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu begeistern. Das macht gerade in den jungen Jahrgängen viel Sinn. Dass man unsere Anlagen, die teilweise einmalig sind, auch in der Form nutzen kann, wird auch sinnvollerweise in der Oberstufe thematisiert. Da hat man auch Anknüpfungsmöglichkeiten ans Curriculum, was sonst bei uns eher die Ausnahme ist. Wir sind gerade dabei, das Angebot so aufzuarbeiten, dass es auch gut zum Lehrplan der Oberstufe passt.

 

Auch in Sachen Raumfahrttechnik versuchen wir die Angebote auszubauen. So wollen wir bei der Robotik, den Schwerelosigkeitsversuchen und dem Raketenbau den Technikcharakter noch mehr herausarbeiten, weil das gerade in Bremen an den Schulen teilweise zu kurz kommt.

 

Manche Sachen ergeben sich auch spontan. Auch das Projekt mit der Sonnenuhr war nicht großartig geplant oder ausgeschrieben, es ist viel mehr aus der Not heraus entstanden. Man sagte: "Wir hätten die Möglichkeit und wir brauchen Schüler, die was machen, jetzt muss es schnell gehen!" - dann denkt man natürlich gleich an eine Schule wie das Gymnasium Vegesack, bei dem solche Projekte total gut ins Profil passen. Außerdem weiß man, dass man Lehrer hat, auf die man sich verlassen kann! Das ist nicht selbstverständlich und in der Form nur möglich, wenn man gut zusammenarbeitet.

 

Zierenberg: Was diese zukünftigen Projekte angeht, ist es - salopp ausgedrückt - auch so, dass die Schüler und Schülerinnen vom Gymnasium Vegesack manchmal unsere Versuchskaninchen sind. Wir probieren Sachen aus und sprechen mit Pädagogen, ob es auch funktionieren könnte. es ist eine gegenseitige Ideenfindung. Wir sind in unserem kleinen Elfenbeintürmchen und treffen auf die Praxis, da kommt man zusammen in Schwung.

 

Eberz: Da entwickelt sich dann auch etwas, das ist der spannende Punkt.

 

Stiefs: Das Projekt "EDEN for kids" mit dem Pflanzenwachstum im Weltall ist ein gutes Beispiel. Es ist auch in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Vegesack gewachsen. Man hat die Biologie-Didaktik noch mit reingeholt und dann wächst alles gemeinsam und gedeiht. Wir sind jetzt auch als "Best Practice"-Beispiel für ein Schulprojekt mit außerschulischen Lernorten zum Thema Nachhaltigkeit ausgesucht worden. Die Robert-Bosch-Stiftung war letzte Woche da und hat sich das Ganze einmal angeguckt. Sie war ganz begeistert, wie sich das so weiterentwickelt. Davon lebt das Ganze.

 

Wie haben Sie die Zusammenarbeit seit Beginn empfunden? Gibt es Beispiele von Schülerinnen und Schülern, die sich besonders hervorgetan haben?

 

Eberz: Einen ehemaligen Schüler von mir haben wir mit ins School-Lab gebracht - und der hat dann tatsächlich beim DLR als Physiker angefangen.

 

Ohler: Mein Eindruck ist, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zwingend beim DLR landen, aber eben in der Bremer Luft- und Raumfahrtindustrie. Als ich bei CanSat war, begrüßte uns gleich eine ehemalige Schülerin unseres Gymnasiums, die inzwischen bei der ArianeGroup arbeitet.

 

Stiefs: Das ist vom DLR auch durchaus so gewollt. Unsere Nachwuchsförderung zielt nicht darauf ab, dass alle beim DLR anfangen. Wenn die Schüler und Schülerinnen überhaupt in die naturwissenschaftlich-technische Richtung gehen, sind wir schon zufrieden. Das ist das Ziel. Abgesehen davon, informieren wir auch gerne darüber, was in der Raumfahrt gemacht wird und wollen zudem zeigen, dass Raumfahrt Spaß macht und nicht nur teuer ist.

 

Ohler: Es ist auf jeden Fall eine gute Chance, die Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen auf eine Art und Weise zu erweitern, die uns sonst in der Schule, wo es doch eher theoretisch und trocken zugeht, alleine so nicht möglich ist.

 

Zierenberg: Ich finde, das "EDEN for kids"-Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, was das mit den Kindern macht. Wie stolz und engagiert sie sind und was das für sie bedeutet. Die machen das nicht, weil sie einfach eine Note brauchen, sondern weil es ihr eigenes Projekt ist.

 

Stiefs: Wir haben 3.500 Schüler im Jahr, die bei uns für einen Tagesbesuch durchrauschen. Aber es ist nicht selbstverständlich, dass man das volle Spektrum unseres Angebotes auch als Schule nutzt und dass die Schüler auch bis zum Studium und Beruf begleitet werden. Viele denken oft: "Wir gehen in der dritten Klasse zu einem außerschulischen Lernort, dann sind die Kinder begeistert und studieren das später", aber so läuft das nicht. In der Form unseres Angebotes merken Schüler und Schülerinnen irgendwann: "Das ist meine Richtung!" - und können sich dann bis zum eigenen Schülerprojekt immer mehr ausprobieren. Das ist etwas sehr besonderes hier an der Schule.

 

Eberz: Bei "EDEN for kids" fallen mir die Kinder ein, die immer wieder fragen, ob sie zu ihren Pflanzen dürfen oder die Lehrkräfte, die ihre Schüler und Schülerinnen nicht nach Hause bekommen, weil diese etwas nachbessern wollen. Ein Problem, das man im Unterricht eher selten hat.

Ein Mann und eine Frau stehen vor einer Präsentationswand, lächeln sich an und geben sich gegenseitig die Hand.

Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit!

Quelle: WFB

Wir freuen uns über die Begeisterung der Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Vegesack und sind gespannt, welche Projekte wir in Zukunft zu sehen bekommen! 

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