Die Experten des Projektes

DroPS: nachgefragt bei den Bremer Raumfahrt-Experten

Ein halbes Jahr lang unterstützen die Experten Dr. Dirk Stiefs (DLR_School_Lab Bremen), Dr. Ertan Göklü (ZARM) und Daniel Wendt-Fröhlich (Hackerspace Bremen), zusammen mit ihren Kollegen und Kolleginnen, die drei Schülerteams beim Drop Tower Project for School Students (DroPS). Wir haben uns beim Final Drop mit ihnen unterhalten und spannende Antworten erhalten.

Daniel Wendt-Fröhlich: Eines der Ziele vom "Hackerspace Bremen" ist die technische Bildung durch Selbstbau und das zur Verfügung stellen von Werkzeugen. Dadurch haben wir bei uns Möglichkeiten, die es an den Schulen nur selten gibt. Wir halten es aber für wichtig, auch junge Menschen frühzeitig an technische Themen wie zum Beispiel Elektronik, Mechanik und Programmierung heranzuführen. Dazu gehört auch die Benutzung von Werkzeugen, zu denen neben Programmierumgebungen natürlich auch Standbohrmaschine, Multimeter und 3D-Drucker gehören. Das kann für das spätere Studium oder die Ausbildung sehr hilfreich sein, natürlich aber auch für die persönliche Entwicklung. Grundsätzlich bieten wir das allen Jugendlichen an, egal ob für Jugend forscht, CanSat oder einfach nur eine total verrückte Idee.


Bei DroPS gefällt uns aber besonders, dass hier drei Teams nebeneinander ihre Experimente aufbauen. Zwar gibt es vorher einen Wettbewerb um die drei besten Experimentideen, aber danach haben wir einen guten Austausch zwischen den Teams verschiedener Schulen.
Im Hackerspace Bremen kümmere ich mich unter anderem um die Jugendarbeit. Dabei berate ich zusammen mit anderen Mitgliedern auch Jugendliche beim Aufbau Ihrer Projekte, zeige Werkzeuge, gebe Tipps und stelle den Draht zu anderen Mitgliedern her, die sich bei spezielleren Themen natürlich oft besser auskennen.

 

Dr. Dirk Stiefs: Projekte wie DroPS sind wichtig, um Nachwuchsförderung für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu betreiben. Wir haben meistens eine Breitenwirkung. Zu uns kommen 3.500 Schüler in das DLR_School_Lab Bremen. Deutschlandweit haben wir viele Schülerlabore, die viele Schüler begeistern! Bei DroPS kommen dann Schüler zusammen, die man schon begeistert hat! So haben sie mit DroPS was hochkarätiges, was sie kurz vor dem Studium machen und sich dabei selbst ausprobieren können. Nach solchen Projekten kann die Frage "Will ich das wirklich machen?" meistens beantwortet werden, ob bejahend oder berneinend ist dabei unwichtig. Es ist eine Win-Win-Situation. 

 

Dr. Ertan Göklü: Grundsätzlich steht mit Projekten wie DroPS im Vordergrund, Nachwuchsförderung zu betreiben und Wissenschaft sowie aktuelle Forschung in die Schulen zu bringen. Denn da können die Schulen natürlich keinen Überblick haben. Außerdem kann man mit solchen Projekten den Schülern den Umstieg zum Studium vereinfachen, sie auf den Geschmack der Themen von MINT-Fächern bringen und ihnen zeigen, wie wissenschaftlich gearbeitet wird. Dazu gehört, mit Rückschlägen umgehen zu können und somit einen realeren Einblick zu bekommen.

Daniel Wendt-Fröhlich: Da könnte ich mich jetzt gar nicht entscheiden, aber es ist immer toll zu sehen, wie die Jugendlichen darauf reagieren, wenn ihr Experimentaufbau das erste Mal funktioniert. Für manche war es ja auch das erste Mal, dass sie selbst etwas in dem Umfang aufgebaut haben. Es gibt aber auch tolle Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen den Teams. In diesem Jahr hat zum Beispiel ein Schüler einen Microcontroller so programmiert, dass die Experimente mit einem Smartphone fernausgelöst werden können. Das hat er auch gleich den anderen Teams zur Verfügung gestellt. Das DLR_School_Lab Bremen ist sogar bereits daran interessiert, diese Lösung in Ihrem DropTower einzubinden.

 

Dr. Dirk Stiefs: Ich muss mich immer über das amüsieren, was nicht klappt. Es läuft in der Wissenschaft auch so, dass nicht immer alles funktioniert wie es soll. Das ist ganz normal. Für die Schüler jedoch ist es immer eine Katastrophe. Wir haben jetzt mehrere Etappen eingeführt, damit sowas nicht passiert. Am Ende ist es nicht schlimm, wenn etwas nicht funktioniert wie es soll, denn man lernt aus dem Prozess. Zu sehen, wie die Schüler am Ende mitfiebern und wie sie bis zur letzten Minute kämpfen, das macht Projekte wie DroPS im Endeffekt aus. 

 

Dr. Ertan Göklü: Wir hatten einmal in einem Projekt einen "unkaputtbaren" Ballon, der mit Öl gefüllt, sich in einer mit Wasser gefüllten Box befand und durch eine Nadel zum Platzen gebracht werden sollte. Doch der Ballon wollte einfach nicht platzen und hat sogar die Nadel verbogen. Letztendlich haben wir das aber hinbekommen. 

Daniel Wendt-Fröhlich: Das hängt natürlich vom Problem ab, aber es kann sinnvoll sein, für einen kurzen Moment Abstand zu gewinnen. Wenn mir nach einer Pause immer noch keine Lösung einfällt, suche ich mir jemanden, dem ich kurz das Problem schildere. Manchmal kommt man während der Erklärung selbst auf die richtige Lösung. Man sollte sich aber nicht davor scheuen, andere zu fragen. Oft ist eine andere Sichtweise sehr hilfreich.

 

Dr. Dirk Stiefs: Die Nerven behalten und nicht aufgeben. Einen Naturwissenschaftler und Tüftler macht aus, dass sie niemals aufgeben. Oft werden die Sachen erst richtig interessant, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll. Dann geht es daran herauszufinden, wieso es so ist. 

 

Dr. Ertan Göklü: Einfacher gesagt als getan: Geduld! Zunächst muss klar sein, dass nicht die Welt untergeht, wenn es mal nicht klappt. Dann sollte man sich so nüchtern wie möglich an die Fehlerbeseitigung begeben. Das ist alles Teil der wissenschaftlichen Arbeit. Man sollte sich vor Augen führen, dass jeder Rückschlag mit Lernen verbunden ist. Durch Rückschläge tauchen neue Effekte auf, mit denen man vielleicht gar nicht gerechnet hat und daraus kann man viel Positives nehmen. Außerdem ist man dabei nicht allein und sollte sich selbst nicht zu sehr hetzen.

Daniel Wendt-Fröhlich: Meistens müssen sich die Teams erst noch zusammenfinden und die Aufgaben untereinander verteilen, aber das hat bisher immer gut geklappt.
Natürlich gibt es im Verlauf auch mal Phasen, an denen manche am liebsten alles hinschmeißen würden, aber spätestens wenn der Experimentaufbau das erste Mal ausprobiert wird und funktioniert, entsteht eine persönliche Bindung zum gemeinsamen Projekt. Nicht wenige Teilnehmer nehmen durch DroPS überhaupt das erste Mal etwas in Betrieb, dass sie selbst gebaut und programmiert haben. Das ist ja immer eine tolle Sache und den Stolz sieht man den Jugendlichen auch an. Am Ende haben wir also nicht nur Teams, die gut zusammengewachsen sind, sondern oft auch deutlich selbstbewusstere Jugendliche.

 

Dr. Dirk Stiefs: Wir vom DLR_School_Lab Bremen sind begeistert, wie gut sich alle drei Teams entwickelt haben und wie kontinuierlich sie an ihren Projekten gearbeitet haben. Sie gingen zum Beispiel auch samstags ins Hackerspace Bremen. Das ist sehr beachtlich. 

 

Dr. Ertan Göklü: Die Teams sind sehr selbstständig geworden. Anfangs waren sie noch sehr verschreckt und wussten nicht, wie sie anzufangen hatten und jetzt arbeiten sie recht selbstständig und souverän. Man sieht auch, dass jeder anpackt und die Arbeitsteilung gut klappt. Das ist ein großer Fortschritt zu den anderen DroPS-Durchgängen. 

Daniel Wendt-Fröhlich: Manche, die wir zum Beispiel auch bei Jugend forscht, CanSat oder früher auch beim Robocup unterstützt haben, trifft man bei anderen Projekten oder bei uns im Hackerspace wieder an. Das ist aber eher selten der Fall. Die meisten SchülerInnen konzentrieren sich im nächsten Schuljahr auf Ihr Abitur oder die Ausbildung. Danach haben sie dann oft ers eintmal andere Prioritäten. Viele studieren mittlerweile auch an verschiedenen Orten. Manche Teams bleiben dennoch untereinander in Kontakt. Zum Beispiel habe ich auch noch Kontakt zu einer CanSat-Gruppe, die ich vor zwei Jahren mal begleitet habe.

Manche schauen aber auch noch bei uns vorbei, wenn sie in der Nähe sind. Manchmal ist es nur ein lockerer Besuch, manchmal suchen Sie Rat zu einem Projekt. Einige berichten auch davon, dass sie einen Hackspace an Ihrem Studienort gefunden haben, wo sie gerne hingehen. Besonders freut uns aber, häufig zu hören, dass sie bei uns eine tolle Zeit hatten. Wenn wir Ihnen dabei noch einiges mit auf den Weg geben konnten, hat sich für uns der Aufwand schon gelohnt.

 

Dr. Dirk Stiefs: Es kommt immer mal wieder vor, dass man von ehemaligen Schülern hört. Vor kurzem hat sich ein ehemaliger Schüler bei uns gemeldet, der bei einer Vorentwicklung von DroPS für unseren Spacetower Schwerelosigkeitsexperimente entwickelt und jetzt ein Studium angefangen hat. Ein weiterer ehemaliger Schüler hat jetzt angefangen, bei uns als Student zu arbeiten. Es ist eine schöne Bestätigung, wenn man diese Leute wiedersieht! 

 

Dr. Ertan Göklü: Ich höre indirekt über die Lehrerkräfte, dass einige Schüler Vorteile durch die Teilnahme an DroPS hatten. Einige sind scheinbar auch in die Raumfahrtbranche gegangen, anderen hat die Teilnahme anderweitig bei der Jobsuche geholfen. 

Wir haben den Final Drop live miterlebt und die drei DroPS-Schülerteams näher kennengelernt. Warum sie bei dem Projekt mitmachen und was sie dabei gelernt haben, erfahren Sie im Artikel "Dank DroPS mit dem eigenen Schulprojekt in den Bremer Fallturm

Die Projekte der Teams eingebaut in die Fallkapsel

Die Projekte der Teams werden für den Final Drop in die Fallkapsel eingebaut.

Quelle: WFB

Das könnte Sie auch interessieren