Team IRIS sind eines der beiden Bremer CanSat-Teams

CanSat Germany 2018: das Bremer Team IRIS

Einen eigenen Satelliten konstruieren und den mit einer Rakete in die Luft zu befördern um eine Mission auszuführen – möglich macht dies der deutsche CanSat-Wettbewerb, der Schülerinnen und Schülern aus dem ganzen Land die Möglichkeit gibt, ihr Talent und ihre wissenschaftlichen Interessen auszuleben und zu fördern.

 

Aus Bremen stammen dabei  zwei Teams: IRIS und plan@earth, die wir beide auf ihrem individuellen Weg begleiten. In diesem Artikel möchten wir Ihnen IRIS vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium vorstellen. Was bedeutet der Wettbewerb für sie, welchen Aufgaben stellen sie sich in den Arbeitsgruppensitzungen und was erwarten sie vom großen Finale und der Zukunft?

Das Team IRIS und ihre Lieblingsfächer

Ahmed Aslan (Mathe, Physik), Brsis Yacoub (Mathe, Politik, Informatik), Dmitrii Burobin (Mathe, Englisch, Sport), Jonathan Adamczyk (Informatik, Mathe), Marek Schüler (Englisch, Informatik), Salma Alkhatab (Mathe, Informatik, Physik, Englisch), Sireen Al Semadi (Physik, Informatik, Mathe), Youssef Machmouchi (Mathe, Physik, Chemie) 
 

Schülerinnen und Schuler vor Graffiti-Wänden

IRIS

Weitere Infos zum Bremer Team plan@earth bekommen Sie auf der Website. Folgen Sie dem Team auch gerne bei

Zum CanSat Germany-Wettbewerb

Was waren eure ersten Berührungspunkte mit der Raumfahrt?

Dmitrii: Ich mochte schon immer das Aussehen vom Weltall und war immer von der Unendlichkeit des Universums fasziniert. Aber ich wurde eines Tages enttäuscht, als Pluto von unserem Planetensystem entfernt wurde. Ich würde das gerne rückgängig machen. Außerdem mag ich Saturn, weil der schöne Ringe hat.

Marek: Ich habe mich schon seit meiner Kindheit für die Wissenschaft – besonders für Astronomie - interessiert und habe mich auch seit einigen Jahren für die verschiedenen Theorien darüber, wie das Universum enden wird, beschäftigt. Ich habe mich ebenfalls mit dem Fortschritt von SpaceX und Elon Musks Mission zum Mars beschäftigt, und bin einfach nur begeistert davon, in diesem Zeitalter zu leben.

Salma: Seitdem ich sieben Jahre alt war, ist mein Lieblings-TV-Kanal National Geographic, auf dem es nur naturwissenschaftliche Shows gibt. Dieser Kanal öffnete die Türen für mein Interesse an Astronomie, Naturwissenschaft und Technik. Ich hatte unbegrenzte Imagination und mich faszinierte alles wissenschaftliche, so dass meine beste Freundin ein Stern war und wir jeden Tag kurz nach 22 Uhr eine Sitzung auf dem Balkon meines Hauses hatten.

Sireen: Ich wollte immer Astrophysikerin werden. Das ist mein Ziel. Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für die Raumfahrt.
Ich weiß nicht, was die Berührungspunkte waren, aber wahrscheinlich die Dokumentarfilme über Weltraummissionen, die ich immer mit meinem Vater angeguckt habe. Ich war klein und konnte nicht alles verstehen, aber fand es sehr interessant.
In Syrien habe ich mich immer nachts , besonders während des Stromausfalls, auf die Dachterrasse unserer Wohnung gelegt und die Sterne beobachtet und auf die Überquerung der ISS und Sternschnuppen gewartet. Dadurch habe ich die Sternbilder gelernt.

Youssef: Mein Cousin hat an der Uni Luft- und Raumfahrt studiert und das war das erste Mal, dass ich so richtig aufmerksam auf diesem Themenbereich geworden bin. Zu der damaligen Zeit war ich 12 Jahre alt und die Neugier über die Raumfahrt wurde bei mir immer größer. Ich habe mir manchmal die Aufzeichnungen meines Cousins angeguckt, wobei ich leider nichts verstanden habe. Jedoch hat mich das nicht aufgehalten und ich fing an Dokumentationen über die Flüge zum Mars oder zum Mond zu gucken, und wie sie zustande kommen. Das hat mich sehr fasziniert und seitdem wollte ich auch eine Rakete oder ein flugfähiges Objekt bauen.

 

Inspiriert vom Team Recognize eurer Schule, das 2016 Jahren den CanSat Germany-Wettbewerb gewonnen hat und 2017 Deutschland bei CanSat Europe vertreten hat, habt ihr euch zur Teilnahme entschieden. Wer von euch hatte die Idee und war es einfach die anderen zu überzeugen mitzumachen?

Sireen: Salma und ich haben uns für CanSat schon vor der Teilnahme von Recognize interessiert. Wir haben von CanSat durch die Schulwebsite und das Team yesWeCan erfahren, wollten aber erst teilnehmen, wenn wir in der 11. Klasse sind, damit wir bis dahin noch mehr Kenntnisse im Fach Informatik sammeln.
Die Teilnahme von Recognize hat uns beide immer mehr inspiriert und dann haben wir angefangen, andere davon zu überzeugen. Später haben wir erfahren, dass Marek auch schon seit zwei Jahren an CanSat teilnehmen wollte. und die anderen Mitglieder haben auch sehr großes Interesse gezeigt.

 

Was sagen eure Freunde und Familien zu eurer Teilnahme?

Sireen: Sie sind alle sehr stolz auf uns und drücken uns die Daumen.

Zum Projekt

Euer Name ist auch euer Programm: InfraRed Imaging Satellite – kurz IRIS. Ihr werdet in eurer Sekundärmission thermische Infrarotbilder von der Erdoberfläche aufnehmen. Warum gerade Infrarot? Hattet ihr das Thema in der Schule?

Salma: Im Jahr vor dem Wettbewerb haben Salma und ich uns viel Mühe gegeben, um eine passende Idee für eine Sekundär-Mission zu finden. Zahlreiche Ideen wurden gefunden und auch mit einigen Lehrkräften diskutiert, jedoch waren alle aus unterschiedlichen Gründen nicht machbar. Unsere letzte Idee war es, dass wir zwei Propeller auf dem CanSat befestigen, damit der Cansat zu unserer oder auch zu einer anderen Position fliegt.

Leider waren solche Ideen vom Wettbewerb ausgeschlossen und in den letzten Stunden vor dem Bewerbungsschluss haben wir eine Idee nochmal untereinander diskutiert und uns dafür entschieden, dass diese unsere Sekundär-Mission sein wird.

Die Idee von Infrarot-Bildern ist uns am Anfang unserer Überlegungen in den Sinn gekommen. Sie war aber aufgrund der hohen Kosten für eine gebrauchte Kamera nicht umsetzbar. Durch thermische Infrarotbilder ist es möglich, die von lebenden Objekten ermittelte Wärme zu sehen. Auf diese Weise werden wir in der Lage sein, die vielfältigen biologischen und thermischen Aktivitäten von Lebewesen auf der Erde und vielleicht auch auf anderen Planeten zu erkennen.

 

Ging es nach Bekanntgabe der 10 Finalisten gleich los mit der Arbeit? Was habt ihr in den ersten Wochen gemacht?

Salma: Ein Tag nach der Bekanntgabe fand das erste Treffen unseres Teams statt. Da haben wir unsere Ideen detaillierter besprochen und die für die Primär-Mission gebrauchten Materialien bestellt.

 

Welche Momente haben für Begeisterung gesorgt?

Salma: Als das ehemalige Team unserer Schule, Recognize, den ersten Platz bei dem Deutschen CanSat Wettbewerb für das Jahr 2017 gewonnen hat.

 

Auf was freut ihr euch am meisten bis zur finalen Abschlusspräsentation vor der Jury im September? 

Jonathan: Ich freue mich am meisten auf den Zeitpunkt, an dem unser CanSat die Primär- und Sekundär-Mission erfüllen kann und alle Vorgänge reibungslos ablaufen können. 

 

Und wovor graut es euch am meisten?

Ahmed: Dass wir unsere gesetzten Ziele in der entsprechenden Zeit nicht vollenden können.
Brsis: Uns graut es am meisten davor, dass unser Cansat während der Probe aus unterschiedlichen Gründen kaputt gehen könnte. Denn es könnte sein, dass sich der Fallschirm einfach nicht öffnet, oder dass die Speicherkarte sich entfernt. Ebenso könnte es passieren, dass das Programm nicht auf der Speicherkarte gespeichert wird.

 

Wie habt ihr euch selbst und die Arbeitsabläufe organisiert?

Sireen: Wir haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der wir unsere Treffen und Arbeitsabläufe organisieren. Wir haben noch keinen festen Plan, wer was macht aber wer sich zum Beispiel für Software interessiert, arbeitet an der Software, und wer sich mehr für  Hardware interessiert, arbeitet an der Hardware. Aber bald werden wir einen festen Plan erstellen. 

 

Wie häufig trefft ihr euch und könnt ihr uns paar Einblicke geben, wie ein ganz normaler Arbeitstag an dem Projekt bei euch ausschaut?

Salma: Wir versuchen uns jede Woche mindestens einmal zu treffen, jedoch kann das nicht immer gelingen, da wir zwischendurch Klausuren schreiben. Wir haben bis jetzt zwei Arbeitsplätze. Einmal unseren PC-Raum in der Schule und das Hackerspace Bremen.

 

Habt ihr euch mit den Projekten der anderen Finalisten vertraut gemacht oder konzentriert ihr euch voll und ganz auf euch?

Dmitrii: Am meisten konzentrieren wir uns auf unser Projekt, jedoch gibt es Momente, in denen wir uns von den anderen Finalisten inspirieren lassen, um zu versuchen unser Projekt so gut wie möglich zu gestalten.

 

Schon mal an den Sieg gedacht? Wenn ihr gewinnen solltet, was passiert dann?

Jonathan: Wir haben es uns als Ziel gesetzt unser Bestes zu geben, somit gingen wir auch die Vorstellung ein, dass wir diesen Wettbewerb gewinnen können. Sollten wir den Wettbewerb gewinnen, dann können wir am Europäischen Wettbewerb teilnehmen und versuchen dort auch zu gewinnen.

Sireen: Ja, wir glauben an unseren Sieg, und wir werden unser Bestes geben, um den ersten Platz bei dem deutschen Wettbewerb zu belegen.

 

Was glaubt ihr, woran es liegt, dass Bremen beim CanSat-Wettbewerb häufig vorne dabei ist?

Sireen: Weil Bremen eine Raumfahrtstadt ist.  Die großen und wichtigen Unternehmen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), OHB, ZARM, Airbus Defence and Space, HE Space und das Olbers-Planetarium sind alle in Bremen ansässig . Sogar ein Teil der International Space Station wurde in Bremen gebaut. Das ist ein Grund, warum die Bewohner von Bremen sich für Raumfahrt interessieren und warum die Bremer CanSat-Teams immer vorne sind. Sie interessieren sich schon seit ihrer Kindheit für Raumfahrt und sind begeistert, was die Stadt bisher ermöglicht hat. 

Im Teamwork arbeiten die Schülerinnen und Schüler an ihrem Satelliten
Das zusammenbauen des Satelliten erfordert auch akribische Lötarbeit
Zum Bau des Satelliten werden diverse Materialien benötigt - gemeinsam setzt das Team sie zusammen.
Beim Zusammenbauen des Satelliten ist höchste Konzentration gefragt

Zum Team und dem künftigen Werdegang

Das Ende eurer Schulzeit kommt irgendwann – was werdet ihr wohl am meisten vermissen? Was schätzt ihr heute am meisten am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium?

Dmitrii: Am meisten werde ich meine Freunde vermissen, welche immer hilfsbereit sind und mit denen es Spaß macht, solche Projekte wie CanSat gemeinsam umzusetzen.

Jonathan: Die Lehrer waren immer offen für Fragen und haben uns immer unterstützt.

 

Begeistert euch die Raumfahrt oder sind es mehr die Fachdisziplinen, die euch reizen?

Jonathan: Die Raumfahrt begeistert mich sehr. Sie ist für uns Menschen von erheblicher Bedeutung,  insbesondere dann, wenn man an die Zukunft denkt.

Sireen: Alles, was mit Raumfahrt zu tun hat, reizt mich – ohne Ausnahmen!

 

Bremen gilt als Deutschlands bedeutendste Raumfahrtstadt und europaweit als einer der größten und wichtigsten Raumfahrtstandorte. Könntet ihr euch vorstellen, nach Ende eurer Schulzeit der Raumfahrt treu zu bleiben und zu studieren oder eine Ausbildung zu machen?

Salma: Raumfahrt interessiert mich und hat mich seit meiner Kindheit interessiert. Ich bin eine Person, die vielfältige Interessen hat. Astrophysik ist ein Bereich, in dem ich möglicherweise eine Karriere anstreben möchte. Ich war vor einiger Zeit für zwei Wochen bei der Deutschen Schülerakademie, bei der ich einen Astronomie-Kurs besuchte. In diesem Kurs lernte ich innerhalb von nur zwei Wochen den Stoff, den die Astronomiestudenten innerhalb von zwei Semestern an der Uni lernen. Wegen diesem intensiven Kurs habe ich schon reichlich Erfahrung über Astronomie, Astrophysik und Kosmologie gesammelt und denke nicht, dass ich Astronomie in der Zukunft studieren werde.

Sireen: Ja klar, ich möchte sowieso Astrophysik und Informatik studieren und auch gerne später beim DLR oder OHB arbeiten. Ich habe Praktika im DLR und im Olbers-Planetarium absolviert. Beim Letzteren durfte ich selbst eine Veranstaltung zum Nachthimmel und zu den Sternbildern führen. Während meines Herbstpraktikums habe ich OHB im Technologiepark und das ZARM besucht und die Arbeitsbedingungen in diesen Firmen kennengelernt, was mir sehr gefallen hat. Ich war immer schon der Raumfahrt treu, sogar bevor ich zur Schule ging, und werde für immer der Raumfahrt treu bleiben – auch nach Ende meiner Schulzeit.

Youssef: Ja auf jeden Fall, ein Arbeitsplatz in der Raumfahrtbranche wäre ein sehr angesehener Job, den ich mir als Ziel setzen würde.  

 

Würdet ihr hierfür auch in Bremen bleiben?

Sireen: Da Bremen eine Raumfahrtstadt ist und ich mich für Raumfahrt interessiere, lege ich meine Zukunft hier in Bremen fest.

 

Wobei und wodurch wird euer Kopf wieder frei – was macht ihr in eurer Freizeit, wenn ihr nicht an eurem Satelliten arbeitet?

Dmitrii: In meiner Freizeit tanze ich: Tanzen macht mich fröhlich und lässt die Sorgen des Alltags vergessen. Außerdem gucke ich Animes und verbringe viel Zeit am PC. Ich spiele dort nicht nur Videospiele, sondern diskutiere mit meinen Freunden über verschiedene Themen und beschäftige mich mit dem Design und der Bearbeitung von Videos.

Salma: Ich versuche mich immer zu verbessern und mich zu entwickeln. Nicht nur in physikalischen oder Programmierungsbereichen, sondern bei allem Möglichen. Ich lese gerne Bücher. Meine Favoriten sind dabei englischsprachige sowie russische Literatur, Psychologie-Bücher und Science-Fiction. TV-Shows über Neuropsychologie, Physik und Technik im Allgemeinen sowie Astrophysik und Kosmologie interessieren mich seit meiner Kindheit. In der letzten Zeit neige ich mehr zur Arbeit an kreativen Projekten mit Arduino.

Sireen: In meiner Freizeit lese ich von neuen Raumfahrt-Missionen, lese Science-Fiction-Bücher über Raumfahrt und gucke auch Science-Fiction-Animes. Ich schlafe und träume auch viel, meistens von der Zukunft. Durch Singen und Meditieren in den Nachthimmel wird mein Kopf wieder frei.

 

Wen aus Bremen würdet ihr denn gerne mal persönlich treffen?

Sireen: Anna Metz, eine Ingenieurin, die bei OHB in Bremen arbeitet, und auch Astronautin werden möchte.

schülerinnen und Schüler beim Arbeiten

Zusammen wollen die Schülerinnen und Schüler vom Team IRIS den besten Mini-Satelliten bauen

Quelle: WFB/Ginter