Links zwei Männer am Laptop, beide gucken den vor einem Bildschirm stehenden und redenden Mann an.

Bei CanSat drücken die Lehrkräfte freiwillig die Schulbank

Es ist ein ungewöhnliches Bild: Sechs Lehrerinnen und Lehrer haben sich an den Tischen im DLR_School_Lab Bremen versammelt, um für ein paar Stunden selbst wieder Schüler zu sein. Sie alle bereiten sich für den Wettbewerb CanSat Germany 2018 vor - und sie alle geben das hier aufgefrischte oder neu angeeignete Wissen an ihre Teams weiter, die im September in Bremen um den Einzug in das europäische CanSat-Finale kämpfen. 

 

Die Aufgabe ist für alle zehn Finalisten die gleiche: Sie entwickeln, programmieren und bauen Mini-Satelliten in der Größe von Getränkedosen, um mit Ihnen Messungen vorzunehmen, nachdem sie eine Rakete hoch in die Luft geschossen hat.

Eine Gruppe Menschen sitzt im DLR_School_Lab an u-förmig aufgestellten Tischen an ihren Laptops. Ein Mann steht daneben und erklärt ihnen etwas.

Ahmad Abouhalave vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gibt wertvolle Tipps für die Nutzung der Software Adruino

Quelle: WFB

Dirk Stiefs, Leiter des DLR_School_Lab Bremen, erklärt im Artikel CanSat 2018 - ein Satellit in Dosengröße begeistert Schüler und Lehrkräfte die Hintergründe dieses Wettbewerbs und erzählt von seinen Erfahrungen mit den Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften aus den letzten Jahren.

Erst kommt die Theorie, dann die Software-Übungen

Ahmad Abouhalave vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) steht vor einer Leinwand und gibt geduldig einen Einstieg in die Software mit dem wohlklingenden Namen Arduino, die beim CanSat-Wettbewerb die Basis zum Bau der Mini-Satelliten ist. Wir sind erst seit einigen Minuten mit dabei, steigen am ersten Tag bei einer der Software-Übungen ein. Die Teilnehmer haben bereits dreieinhalb Stunden intensives Zuhören und Ausprobieren hinter sich – und das ist erst der Anfang. Nach dem heutigen Tag, der erst in fünfeinhalb Stunden enden wird, erwartet sie noch der zweite Workshoptag, bei dem die bearbeitete Hardware verifiziert wird und Aerodynamik auf dem Stundenplan steht.

 

Insgesamt kamen sechs von zehn Betreuern zu diesem zweitägigen Workshop, der einer der Beiträge des DLR im CanSat-Wettbewerb ist. Schon nach kurzer Zeit sind wir gleichermaßen erstaunt und begeistert. Während der Einführung von Abouhalave gilt es direkt Aufgaben zu bewältigen, bei der die Software in der Praxis getestet wird: Die Teilnehmenden simulieren beispielsweise einen Temperaturanstieg, den der Satellit später messen soll, und sollen dabei die aktuelle Temperatur vom Programm anzeigen lassen. Die Stimmung ist locker, doch die Lehrkräfte arbeiten konzentriert. Die Ergebnisse sprechen für sich: Aufgabe mit Bravour erfüllt.


Im nächsten Modul kommt ein sogenanntes Breadboard hinzu – eine Steckplatine, mit der durch Ein- und Umstecken Schaltungen erstellt werden können. Um die Grundlagen der Beschaltungstechnik  zu vermitteln, sollen LED-Lichter durch richtige Schaltung und Programmierung im Halbsekunden-Takt blinken oder langsam gedimmt werden. Was hier spätestens deutlich wird: Die Lehrkräfte sind definitiv keine Anfänger auf dem Gebiet.

Lehrkräfte beim Bauen einer Steckplatine in einem Schulungsraum

Nicht zum ersten Mal arbeiten die Lehrkräfte mit Steckplatinen

Quelle: WFB

Konzentriertes Arbeiten bei 360 Grad

Nach einer Kaffeepause geht es an ein zeitintensiveres Modul: das Löten. Vor jeder Person liegt nun ein "CanSat Kit" – es geht daran, das Herz des Satelliten zu befestigen. Zwei Lehrkräfte haben noch keine Erfahrung mit dem Lötkolben und erhalten eine Extra-Einweisung von Abouhalave, der mit geschultem Auge und der Hilfe von zwei Kollegen alles im Blick hat. "Lötet nicht zu heiß! Guckt euch erst mal die Komponenten an", mahnt er. Dann werden die Lötkolben auf etwa 360 Grad Celsius erhitzt (was man nach einigen Momenten auch deutlich riecht) und dann geht’s Schritt für Schritt den Anleitungen nach, die auf den Tischen liegen. Knapp drei Stunden sind für die Zusammensetzung des "qbcan" eingeplant – eine Aufgabe, die höchste Konzentration erfordert.

 

Bevor es also am Samstag an die Verifizierung der Hardware und das Testen der Aerodynamik geht, steht jetzt erst einmal ein ausgiebiges Abendessen an, bei dem die Köpfe auch mal abschalten dürfen und auch sollen.

Eine Frau und ein Man sitzen an einem Tisch und löten, beide lachen. Links daneben beugt sich ein Mann über den Tisch und schaut zu.

Konzentriertes Arbeiten und der Spaß bleibt trotzdem nicht auf der Strecke - die Betreuer der CanSat-Teams probieren sich im Löten aus

Quelle: WFB

Im Gespräch mit Julius Fohgrub, Betreuer des Bremer CanSat-Teams IRIS

Zwischen den Übungen stellt sich Julius Fohgrub, 35, vom CanSat-Team IRIS aus Bremen unseren Fragen. Der Mathematik- und Physiklehrer lehrt seit 2010 am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Bremen-Huchting. Hier ist er neben seiner Lehrtätigkeit auch Fachbereichsleiter Physik.


Wie kamen Sie in Berührung mit dem Thema Raumfahrt und dem CanSat-Wettbewerb?

 

Ein Kollege von mir hat den CanSat-Wettbewerb die letzten drei Jahre an unserer Schule betreut und vor zwei Jahren auch gewonnen. Er wollte dieses Jahr gerne abgeben und hat mich angesprochen. Ich hatte total Lust, das zu machen und sagte zu. Es ist mein erstes Mal hier, vorher habe ich noch nie am CanSat-Wettbewerb teilgenommen.


Was nehmen die SchülerInnen inhaltlich aus dem Wettbewerb mit, was persönlich?

 

Inhaltlich glaube ich erst einmal, dass sie lernen werden, dass es doch viel schwieriger ist, als gedacht. Ein aktuelles Beispiel ist die Sponsorensuche: Die Schüler dachten am Anfang, sie schicken einfach eine E-Mail und kriegen von allen möglichen Akteuren Geld, aber so einfach ist das dann doch nicht. Auch das Löten haben sich die Schüler sich viel einfacher vorgestellt. Das haben sie jetzt zwei Wochen lang fleißig geübt. Sie lernen auch, den ganzen Prozess zu strukturieren und in einer Gruppe zu arbeiten – das ist für die meisten eine ganz schöne Herausforderung, weil das sonst im Schulalltag gar nicht so auftaucht. Und sie sehen, wie umfangreich solch ein Projekt ist. Was sie bereits ganz gut machen, ist, dass sie Aufgaben eingeteilt und bestimmt haben, wer für die Homepage verantwortlich ist, wer für die T-Shirts, wer die Materialien besorgt, wer für das Geld verantwortlich ist, für die Außenwirksamkeit und so weiter.

 
Was nehmen Sie als Lehrkraft aus diesem Wettbewerb mit?

 

Dadurch, dass ich vorher noch bei keinem Wettbewerb war, Schüler in der Hinsicht auch noch nie betreut habe und ich auch selbst solche Gelder nicht beantragt habe, lerne ich glaube ich genau so viel wie die Schüler.


Bei CanSat Germany engagieren sich zahlreiche Raumfahrtakteure. Worin besteht Ihrer Meinung nach der größte Mehrwert aus dieser praxisnahen Kooperation?

 

Ich glaube, dass alle mal sehen, dass solch ein Projekt auf ganz vielen Beinen steht und nicht nur von einer Person oder einer Organisation betrieben und durchgeführt wird. Dass da ganz viele hinter stehen und dass man die Raumfahrtakteure auch mal ansatzweise kennenlernt - das ist schon der große Mehrgewinn. Es ist ein gutes Beispiel, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit funktionieren kann und ich glaube, dass viele immer mehr erreichen als ein Einzelner.

STERNSTUNDEN 2018 – wir begleiten die Bremer Teams

Wir freuen uns, dass im Raumfahrtjahr gleich zwei Bremer Teams bei CanSat Germany 2018 unter den besten zehn Deutschlands sind. Wir blicken hinter die Kulissen des Wettbewerbs und begleiten die beiden Teams IRIS und plan@earth in der Vorbereitungs- und heißen Phase, wenn es heißt: 3... 2... 1... Lift off!
 

IRIS

Weitere Infos zum Bremer Team IRIS bekommen Sie auf der Website. Folgen Sie dem Team auch gerne bei

plan@earth

Weitere Infos zum Bremer Team plan@earth bekommen Sie auf der Website. Folgen Sie dem Team auch gerne bei

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