Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen regelmäßig unseren Fragen – und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der richtige ist.
Im Oktober stand uns Dr. Tobias Wolff Rede und Antwort: Er ist Leiter für Ausstellungen und Entwicklung im Universum® Bremen. Der promovierte Meeresgeologe gestaltet heute faszinierende Dauer- und Sonderausstellungen und bringt wissenschaftliche Themen auf eindrucksvolle Weise zum Leben. Wie sein perfekter Freimarktstand aussehen würde und was ihn an seiner Arbeit besonders begeistert, verrät er hier bei „Wissenschaft persönlich“.
Vermutlich hätte ich Architektur oder Produktdesign oder etwas Ähnliches studiert. Denn ein dreidimensionales Verständnis von etwas zu entwickeln, unter ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten, das hätte mich auch begeistert. In gewisser Weise ist das nun auch Teil meiner jetzigen Tätigkeit, z. B. bei der Exponatentwicklung und der Ausstellungskonzeption.
Ein Teil meiner Arbeit ist ja die Entwicklung von Exponaten, bzw. die Recherche von existierenden Exponaten, die ein bestimmtes Phänomen erlebbar machen. Da eine wirklich überzeugende Lösung in Verbindung mit einer einfachen, aber passenden Erklärung hinzubekommen, das macht wirklich Spaß. Vor allem, wenn dabei eine Art Aha-Effekt bei unseren Besuchenden ausgelöst wird.
Ich würde ein Modell der Ausstellung zeigen, die ich gerade im Team entwickle, und daneben zwei oder drei Prototypen für interaktive Exponate. Das sind einfache und schnell gebaute Versionen des Exponates, an denen man ein Phänomen testen kann.
Ich verstehe unseren Job so, dass wir Übersetzende sind. Scheinbar komplexe, wissenschaftliche Zusammenhänge so herunterzubrechen, dass auch Menschen ohne wissenschaftliche Vorbildung sie verstehen können. Dabei muss man natürlich im Blick behalten, dass alle Gäste mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Herangehensweisen zu uns kommen.
Wenn wir es hinbekommen, dass Kinder und Erwachsene bei uns positive Erlebnisse an Exponaten haben, dabei zu Erkenntnissen gelangen und sich selbst als kompetent wahrnehmen, dann haben wir schon viel erreicht. Denn das ist die Grundlage, um selber aktiv und gut informiert am Leben teilhaben zu können: Gerade im Hinblick auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Technisierung und Klimawandel ist das sehr wichtig.
Ein weicher Bleistift, mit dem man eine erste Skizze eines Exponates oder eine erste Mindmap zu einer Ausstellung machen kann.
Studiert habe ich Geologie in Freiburg. Für die Promotion bin ich zur Uni Bremen gekommen und habe im Bereich von Klima- und Meereswissenschaften gearbeitet. Nach der Promotion war ich dann ein halbes Jahr Volontär am Exploratorium in San Francisco, dem ersten Science Center weltweit und Vorreiter auf dem Gebiet der interaktiven Ausstellungen. Lustigerweise war mein Doktorvater, Gerold Wefer, zur selben Zeit in der Projektentwicklung für das Universum® Bremen involviert. Und so bin ich dann nach Bremen zurückgekehrt und bin seit Anfang an Teil des Entwicklungsteams des Universum® Bremen.
Ich denke, Bremen hat sich ja als Wissenschaftsstandort quasi selbst entdeckt und sehr gut etabliert. Es gibt einige Bereiche wie Meereswissenschaften, KI oder Raumfahrt, die sich immer weiter entwickeln. Dabei gibt es eine große Offenheit zum Austausch und das ist auch gut für die Wissenschaftskommunikation und öffentlichkeitswirksame Projekte wie das Universum®.
Die Berge, die ich in Freiburg und San Francisco vor der Haustür hatte. Die bringen Dreidimensionalität in den Blick.
Ehrlich gesagt fast immer mit dem Fahrrad. Ein Auto habe ich hier noch nie gehabt und das brauche ich auch gar nicht, außer gelegentlich mal ein Fahrzeug über Carsharing.
Die Antilope würde vielleicht ganz gut passen. Sie ist wendig, widerstandsfähig und kann sich schnell an ihre Umgebung anpassen.
Das sind vor allem fixe Deadlines bei großen Ausstellungsprojekten gewesen, wenn vieles parallel koordiniert werden muss, um dann bei der Eröffnung alles fertig zu haben.
Große Herausforderungen werden weiterhin sein, neue, spannende Themen zu finden und für unsere Besuchenden erlebnis- und erkenntnisreiche Erfahrungen zu ermöglichen.
Ich finde es immer spannend, wenn ein Prozess bei mir persönlich oder im Team irgendwann einfach läuft und man quasi in einen Flow hineinkommt. Dann lösen sich viele Herausforderungen plötzlich schnell und unkompliziert.
Das waren Situationen, in denen die Beteiligten bei einem Projekt nicht genügend involviert und da abgeholt wurden, wo sie inhaltlich standen. Diese Kommunikation im Vorfeld ist sehr wichtig und braucht Zeit, da musste ich einiges dazulernen.
Durch Sport im Freien. Beachvolleyball, Radfahren, Wandern. Und im Winter auch Skilanglauf in Skandinavien.
Gut wohnen kann man in Bremen in vielen Stadtteilen, finde ich. Es muss nicht immer das Viertel sein, denn die Neustadt, Walle oder Findorff haben auch viel zu bieten. Und dort gibt es auch zunehmend mehr kulturelle Angebote, gute Cafés und so. Aber im Viertel landet man sowieso zwangsläufig oft.
Mit verschiedenen Protagonist:innen der Fahrrad-Szene. Bremen wird als Fahrradstadt unter den Großstädten wahrgenommen und die Vorzüge, die sich daraus ergeben, sollten allen Neuankömmlingen schmackhaft gemacht werden.
Ich würde gerne mit einem Antarktis-Überwinterer vom Alfred-Wegener-Institut tauschen und versuchen, an diesem Tag die Faszination dieses Kontinents zu erspüren.
Fachbereich / Forschungsfeld
ursprünglich Meeresgeologie
Aktuelle Position / Funktion
Leiter Ausstellung und Entwicklung im Universum® Bremen
Aktuelle Tätigkeiten / aktuelle Forschungsprojekte
Entwicklung von Dauer- und Sonderausstellungen