Wissenschaft persönlich: Nadja Sdanowitz

Eine Frau steht an eine Wand gelehnt.
Wissenschaft verständlich machen, ohne sie zu vereinfachen – genau darin sieht Nadja Sdanowitz ihre wichtigste Aufgabe. Mit Ausstellungen, Social Media und jeder Menge Neugier schafft sie im Haus der Wissenschaft Räume, in denen Menschen Forschung als Teil ihres eigenen Lebens erfahren können. Lest das ganze Interview bei "Wissenschaft persönlich".

© WFB/Jan Rathke

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen regelmäßig unseren Fragen  und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der richtige ist.

Im Juni stand uns Nadja Sdanowitz Rede und Antwort: Die Wissenschaftskommunikatorin begeistert bei ihrer Arbeit im Haus der Wissenschaft vor allem Momente, in denen Wissenschaft und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen. Mit einem Augenzwinkern verrät sie, dass hinter ihrer Arbeit nicht nur kreative Kommunikation, sondern auch die Kunst von hunderten Arbeitslisten steckt. In Zeiten von Desinformation hält sie verständliche Wissenschaftskommunikation für wichtiger denn je. Ein Beispiel dafür ist der „Tag der Wissenschaft", der am 27. Juni auf dem Domshof und umzu zum Staunen und Erleben einlädt. Ihr Ziel: Menschen dazu ermutigen, Fragen zu stellen, statt sich mit Schlagzeilen zufriedenzugeben. Was sie früher werden wollte und mit wem sie für einen Tag ihr Leben tauschen würde, erfahrt ihr bei „Wissenschaft persönlich".

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin bzw. Wissenschaftskommunikatorin geworden wären?

Psychotherapeutin oder Bestatterin 

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?

Ich bin super stolz, wenn neue Ausstellungen im Haus eröffnet werden und mit Gästen darüber ins Gespräch zu kommen. Die vielfältigen Perspektiven und Hintergründe sind sehr inspirierend.

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucher:innen erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?

Ganz ehrlich? Ich würde fein säuberlich erklären, was man zu beachten hat, um eine Arbeitsliste für studentische Hilfskräfte zu erstellen. Es scheint langweilig, ist aber eine Wissenschaft für sich. Der Stand wäre tapeziert mit den 837 Arbeitslisten, die ich seit meinem Start im Haus geschrieben habe. 

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?

Meine Arbeit hat gesellschaftliche Bedeutung, weil sie Wissenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich macht und den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördert. Gerade in Zeiten von Desinformation ist es wichtig, verlässliches Wissen verständlich zu vermitteln.

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?

Fortschritt ist für mich, wenn Menschen aus einer Ausstellung gehen und plötzlich neugierig geworden sind. Wenn jemand merkt: „Ah, Wissenschaft betrifft ja auch mein Leben.“ Die Welt rette ich vermutlich nicht, aber vielleicht sorgt meine Arbeit dafür, dass ein paar Menschen wieder Lust bekommen, Fragen zu stellen, statt nur Schlagzeilen zu lesen

  • Verraten Sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?

Canva ist tatsächlich eines meiner wichtigsten Arbeitsinstrumente. Wissenschaft verständlich zu vermitteln ist die eine Sache, aber gerade für Social Media ist es auch wichtig, sie hübsch aufzubereiten. 

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?

Mein Soziologie-Bachelor Studium hat mich nach Bremen gebracht. Besonders die Schwerpunkte im Bereich Geschlechter- und Migrationsforschung haben mich damals überzeugt, das sind Themen, die mich bis heute begleiten. Ursprünglich komme ich aus Haltern am See, einer Stadt am Rande des Ruhrgebiets.

  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?

Die Wege sind kurz. Man begegnet oft bekannten Gesichtern, kommt unkompliziert ins Gespräch und hat das Gefühl, dass die Wissenschaft hier gut vernetzt ist. Ich mag besonders, dass Forschung und Wissenschaftskommunikation in Bremen nicht nur innerhalb von Institutionen stattfinden, sondern sichtbar Teil der Stadt sind. 

  • Fehlt Ihnen etwas?

Wahrscheinlich manchmal einfach mehr Zeit und mehr Geld für gute Ideen. Und vielleicht ein magischer „Alles beantworten“-Knopf für E-Mails. 

  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?

Ich liebe Straßenbahnfahren, ein guter Podcast in die Ohren und ab geht‘s. Wenn das Wetter mitspielt oder mal nichts fährt, laufe ich aber auch sehr gerne.

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?

Mit fleißigen Bienchen. In einem Bienenstock arbeiten alle gleichzeitig an ganz verschiedenen Themen, und trotzdem entsteht am Ende etwas Gemeinsames. Außerdem wirkt von außen oft alles sehr geordnet… bis man einmal hinter die Kulissen schaut. 

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?

Mich selbst ernst zu nehmen und darauf zu bestehen, auch ernst genommen zu werden. Gerade als junge Frau wird einem das nicht immer leicht gemacht. Ich habe gelernt, klarer für die eigenen Ideen einzustehen und mich nicht kleiner zu machen, nur damit es für andere angenehmer ist.

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?

Vermutlich weiterhin die Herausforderung, Wissenschaft verständlich zu machen, ohne sie zu vereinfachen. Und persönlich: gelassener zu bleiben, wenn gleichzeitig 14 Tabs im Kopf offen sind. 

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?

Freundlich bleiben und hoffen, dass niemand merkt, wie oft man improvisiert. 

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?

Ich habe gelernt, dass Emotionen nichts sind, das man unterdrücken muss. Gerade in der Arbeit mit Menschen können sie eine große Stärke sein, man muss nur lernen, sie bewusst wahrzunehmen und zu lernen, was dahintersteckt. Nicht jede Reaktion muss sofort ausgesprochen werden, aber Gefühle komplett auszublenden funktioniert auf Dauer genauso wenig. 

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?

Durch Zeit mit meinen Freund:innen, einen Eiskaffee in der Sonne und Kuscheln mit meiner Katze.

  • Die nächsten Nachwuchswissenschaftler:innen zieht es nach Bremen. Was würden Sie ihnen raten, wo man wohnen und abends weggehen soll?

Wohnen: auf jeden Fall in der Neustadt. Ich lebe dort selbst seit sechs Jahren, hier hat man alles: Natur, urbanes Leben und kurze Wege. Abends gehe ich gerne in die Pipe im Viertel oder ins Papp in der Neustadt. Hier kann man schon nachmittags hin und am Laptop arbeiten und später gibt es dann einen Feierabendsekt mit lieben Menschen.

  • Mit wem würden Sie diese Wissenschaftler:innen hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?

Ich würde sie mit unserer Veranstaltungsreihe Wissen um 11 im Haus der Wissenschaft bekannt machen (ein bisschen Promo muss sein). Dort werden wissenschaftliche Themen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen verständlich und niedrigschwellig vermittelt. Besonders schön ist dabei, dass ganz verschiedene Menschen zusammenkommen, man automatisch aus der eigenen Bubble herauskommt und neue Perspektiven kennenlernt. 

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer Bremer oder Bremerhavener Persönlichkeit tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?

Ich würde gern einen Tag das Leben einer Mitarbeiterin in meinem Supermarkt übernehmen, die mich jedes Mal total beeindruckt. Sie hat eine super freundliche, offene Art und schafft es in wenigen Augenblicken, dass Menschen mit einem Lächeln aus dem Laden gehen, auch wenn sie vorher gestresst waren. Aus meiner Sicht schafft sie damit etwas Riesengroßes im Kleinen: Sie prägt viele kurze Begegnungen im Alltag und hinterlässt dabei ganz unmittelbar positive Momente bei sehr unterschiedlichen Menschen.

Fachbereich / Forschungsfeld
Erziehungs- und Bildungswissenschaften

 

Aktuelle Position / Funktion
Wissenschaftskommunikatorin, Projekt- und Personalmanagement im Haus der Wissenschaft

 

Geburtsjahr
1996

Porträtfoto einer Frau mit braunen Haaren. Hinter ihr steht auf einem Rednerpult: "Haus der Wissenschaft".

© WFB/Jan Rathke

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