Wissenschaft persönlich: Dr.-Ing. Monika Michaelis

Eine Frau steht in eleganter, schwarzer Kleidung vor einer Treppe.
Menschen, Ideen und Institutionen zusammenbringen – und so die Zukunft der Künstlichen Intelligenz mitgestalten: das macht Dr.-Ing. Monika Michaelis täglich. Warum sie echte Zusammenarbeit für den Schlüssel zu wissenschaftlichem Fortschritt hält und welche Antworten sie sonst noch parat hat, lest ihr bei „Wissenschaft persönlich“.

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen regelmäßig unseren Fragen  und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der richtige ist.

Im Juli stand uns Dr.-Ing. Monika Michaelis Rede und Antwort. Als Koordinatorin für Künstliche Intelligenz bei der U Bremen Research Alliance begeistert sie sich dafür, Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzubringen und so neue Ideen entstehen zu lassen. Gleichzeitig organisiert sie mit der IJCAI-ECAI 2026 eine der weltweit bedeutendsten KI-Konferenzen, die im August nach Bremen kommt. Im Interview spricht sie über ihren ungewöhnlichen Karriereweg, die besonderen Stärken des Wissenschaftsstandorts Bremen und darüber, warum Kooperationen für sie der Motor von Innovation sind. Alle Antworten lest ihr hier bei „Wissenschaft persönlich“.

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin bzw. Wissenschaftskommunikatorin geworden wären?

Vor meinem Studium wäre vielleicht eine künstlerische Richtung denkbar gewesen, Malerei und Theater haben mich lange begleitet. Die Begeisterung für die Naturwissenschaften war aber immer mindestens genauso groß. Mit Beginn des Studiums war für mich dann allerdings schnell klar, dass ich Wissenschaftlerin werden möchte.

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?

Besonders spannend finde ich es, wenn Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen oder Institutionen zusammenkommen und daraus etwas entsteht, das keiner allein hätte schaffen können. Das können neue Forschungsprojekte, langfristige Kooperationen oder auch große internationale Konferenzen wie die IJCAI-ECAI 2026 sein. Wenn dabei sichtbar wird, was für eine starke Forschungslandschaft Bremen hat, freut mich das jedes Mal aufs Neue.

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucher:innen erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?

Mein Stand würde wahrscheinlich ein großes Netzwerkspiel sein. Die Besucher:innen bekämen Karten mit unterschiedlichen Disziplinen, Forschungsthemen und Institutionen und müssten gemeinsam neue Kombinationen finden. Manche würden auf Anhieb funktionieren, andere erst auf den zweiten Blick. Genau darum geht es auch in meiner Arbeit: Menschen zusammenzubringen.

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?

Gesellschaftliche Herausforderungen lassen sich heute nur selten innerhalb einer einzelnen Disziplin oder Einrichtung lösen. Mein Beitrag ist es, Kooperationen zu ermöglichen und Wissenschaftler:innen dabei zu unterstützen, gemeinsam an diesen Fragen zu arbeiten. Gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz halte ich es für wichtig, dass technologische Entwicklungen nicht losgelöst von gesellschaftlichen Werten gedacht werden. Demokratie, Vielfalt, Weltoffenheit und internationale Zusammenarbeit sind für mich wichtige Voraussetzungen dafür, dass Innovationen langfristig gesellschaftlichen Nutzen entfalten können.

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?

Von Fortschritt spreche ich, wenn aus guten Ideen konkrete Projekte werden und aus einzelnen Forschungsgruppen echte Zusammenarbeit entsteht. Wenn ich dazu beitragen kann, die richtigen Menschen zusammenzubringen und gute Rahmenbedingungen für Forschung zu schaffen, ist das für mich ein Erfolg. Die Welt rette ich also momentan nicht selbst – ich helfe dabei, dass diejenigen besser zusammenarbeiten können, die daran forschen ;)

  • Verraten Sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?

Was wäre ich ohne meinen Laptop? Ob er nun mein liebstes Arbeitsinstrument ist, sei einmal dahingestellt – unverzichtbar ist er auf jeden Fall. Das wichtigste „Werkzeug“ meiner Arbeit sind aber eigentlich Gelegenheiten, Menschen zusammenzubringen. Viele gute Ideen und Kooperationen entstehen bei Netzwerktreffen, Workshops oder Konferenzen und nicht allein vor dem Bildschirm.

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?

Ursprünglich komme ich aus Lilienthal, also direkt aus dem Umland. Ich war die Erste in meiner Familie, die studiert hat, und an der Universität Bremen hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass das hier kein Hindernis ist. Ich habe Produktionstechnik und Geowissenschaften studiert und später auch promoviert. Nach einem Postdoc in Großbritannien war ein nächster Schritt nach Kanada geplant, den hat die Pandemie verhindert. Über Stationen in München, zunächst in einem Start-up und später im Wissenschaftsmanagement, hat es mich schließlich zurück nach Bremen gezogen, aus familiären Gründen, aber auch wegen der Möglichkeit, institutionsübergreifend in einer Forschungsallianz zu arbeiten.

  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?

Als Nordlicht fühle ich mich hier bis heute zu Hause. Die Universität Bremen ist für mich dabei immer ein Stück Herkunft geblieben – nicht nur geografisch, sondern auch in der Art, Wissenschaft zu denken und zu leben. Gleichzeitig schätze ich am Wissenschaftsstandort Bremen die enge Zusammenarbeit zwischen Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Wege sind kurz, die Forschungslandschaft ist außergewöhnlich stark und vieles entsteht hier aus echter Kooperation.

  • Fehlt Ihnen etwas?

Wenn überhaupt, dann manchmal etwas mehr Mut, die eigenen Stärken auch nach außen zu zeigen. Bremen hat wissenschaftlich deutlich mehr zu bieten, als viele vermuten.

  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?

Mit den Öffentlichen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Wer regelmäßig auf dem Campus unterwegs ist, hat mich aber vermutlich auch schon öfter auf einem E-Scooter gesehen.

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?

Wahrscheinlich die Bremer Stadtmusikanten. Streng genommen sind das gleich vier Tiere, aber genau das macht den Vergleich für mich passend. Die Bremer Wissenschaftslandschaft lebt von sehr unterschiedlichen Hochschulen, Forschungsinstituten und Disziplinen. Jede Einrichtung hat ihre eigenen Stärken. Besonders stark wird der Standort aber dort, wo diese unterschiedlichen Akteure zusammenarbeiten und gemeinsam etwas auf die Beine stellen, das allein nicht möglich wäre.

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?

Die größte Herausforderung war die Zeit während der Pandemie. Nach meinem Postdoc in Großbritannien war ein nächster Schritt nach Kanada geplant, der dann nicht zustande kam. Ich musste meinen beruflichen Weg neu denken und mich mit Optionen beschäftigen, die ich zuvor nicht in Betracht gezogen hatte. Das war nicht immer einfach.

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?

Die naheliegendste Antwort ist natürlich die IJCAI-ECAI 2026. Als einer der Local Chairs bin ich an der Organisation einer der weltweit ältesten und renommiertesten KI-Konferenzen beteiligt, die im August 2026 in Bremen stattfindet. Mehrere tausend internationale Gäste, viele Partnerinstitutionen und eine Vielzahl von Veranstaltungen zusammenzubringen, ist eine Herausforderung, auf die ich mich freue – und vor der ich auch großen Respekt habe. Wichtig sind mir insbesondere auch die ganzen geplanten Outreach Formate für die Bremer Öffentlichkeit. Und danach? Dann kehre ich in die Wissenschaft zurück, nach einigen Jahren Pause keine kleine Herausforderung, aber eine, auf die ich mich sehr freue.

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?

Eine persönliche Erfolgsformel habe ich nicht. Aber ich glaube an Ausdauer, Neugier und daran, Gelegenheiten zu ergreifen, wenn sie sich bieten. Mein eigener Berufsweg war jedenfalls deutlich weniger geradlinig, als ich ihn ursprünglich geplant hatte.

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?

Am meisten gelernt habe ich wahrscheinlich aus Momenten, in denen sich ein Weg, den ich mir klar vorgestellt hatte, plötzlich nicht mehr so verwirklichen ließ. Während meines Studiums war das zum Beispiel der Übergang vom Diplom ins Bachelor-Master-System. Diese Umbruchphase hat meinen Studienweg stärker beeinflusst, als ich damals erwartet hätte, und gleichzeitig mein Interesse an Hochschulpolitik und Mitgestaltung geweckt.;

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?

Meine Batterien lade ich am liebsten mit Familie und Freunden auf. Besonders gut gelingt das am Meer, bei gutem Essen und einem Glas Wein. Kochen ist für mich außerdem eine echte Leidenschaft und ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag. Für den Kopf sind Kunst, Theater und Veranstaltungen wie das Hörkino immer wichtig geblieben. Und bei einer überwiegend sitzenden Bürotätigkeit gehört Sport für mich auch dazu..

  • Die nächsten Nachwuchswissenschaftler:innen zieht es nach Bremen. Was würden Sie ihnen raten, wo man wohnen und abends weggehen soll?

Ich würde empfehlen, möglichst in Fahrraddistanz zum Arbeitsplatz zu wohnen. Das macht den Alltag in Bremen sehr angenehm. Abends lohnt es sich, die Bremer Wein- und Gastroszene zu entdecken. Orte wie Grape & Salt, das Weincafé Engel, die Bar Rique, Küche 13 oder das Amai zeigen, dass Bremen kulinarisch deutlich mehr zu bieten hat, als viele vermuten.

  • Mit wem würden Sie diese Wissenschaftler:innen hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?

Mit möglichst vielen Menschen. Das klingt vielleicht nach einer Ausweichantwort, ist aber ernst gemeint. Eine der großen Stärken Bremens ist die Dichte und Vielfalt der Forschungslandschaft. Ich würde Nachwuchswissenschaftler:innen deshalb nicht nur ihre unmittelbaren Kolleg:innen vorstellen, sondern möglichst schnell Kontakte über die eigene Institution und Disziplin hinaus ermöglichen. Viele der spannendsten Kooperationen entstehen genau an diesen Schnittstellen.

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer Bremer oder Bremerhavener Persönlichkeit tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?

Mit dem Bremer Ratskellermeister. Einen Tag in der Schatzkammer des Ratskellers zu verbringen und einen Blick hinter die Kulissen einer der spannendsten Büroadressen Bremens zu bekommen, fände ich ausgesprochen reizvoll.

Fachbereich / Forschungsfeld
U Bremen Research Alliance


Aktuelle Position / Funktion
Koordinatorin für Künstliche Intelligenz

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt
Local Arrangement Commitee Chair der IJCAI-ECAI 2026


Geburtsjahr
1986


Familienstand
verheiratet


Eine Frau, die vor grün-blauen Stäben steht.

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