Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen regelmäßig unseren Fragen – und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der richtige ist.
Im Mai stand uns Prof. Dr. Louisa Kulke Rede und Antwort: Sie ist Professorin für Entwicklungspsychologie mit Pädagogischer Psychologie. Was Louisa Kulke an ihrer Arbeit besonders begeistert und was sie Nachwuchswissenschaftler:innen in Bremen empfehlen würde, erfahrt ihr hier bei „Wissenschaft persönlich":
Musicaldarstellerin – mir hat das Singen und Tanzen immer viel Spaß gemacht.
Die Möglichkeit, neues Wissen zu schaffen. Und das große Spektrum an verschiedenen Tätigkeiten: Mir macht es Spaß, im Labor neue Kenntnisse zu gewinnen, mich mit internationalen Kolleg*innen auszutauschen und das neuste Wissen an Studierende weiterzugeben.
Wie ein Spieleparadies: Mit Bällebad, Luftballons, vielen Stickern, Mal- und Bastelecke, Spielsachen, Kuscheltieren, Seifenblasen und allem was Spaß macht. Außerdem würde es nach den frischen Waffeln duften, die wir dort gerade backen. Und es gäbe Infos dazu, wie man unter www.neuro-kids.de bei uns mitmachen kann.
Kinder sind unsere Zukunft. Wir beschäftigen uns damit, wie sich Kinder entwickeln. Dabei werden Kinder in der Gesellschaft häufig unterschätzt oder ignoriert. Unsere neurowissenschaftlichen Erkenntnisse können Erwachsenen helfen, besser mit Kindern zu interagieren und sie mehr wertzuschätzen. Dadurch dass wir sowohl die typische als auch die besondere Entwicklung untersuchen, können wir helfen, Neurodivergenzen früh aufzudecken und die Betroffenen bestmöglich unterstützen.
Kinder werden oft unterschätzt. Unsere Forschung kann zeigen, dass Kinder schon mehr können und sozialer sind als viele denken. Wir helfen Erwachsenen, die Welt aus Sicht von Kindern zu sehen.
Koregistriertes Eye-tracking mit Elektroenzephalographie (EEG): Mit dem Eye-tracking können wir messen, wie die Welt aus Sicht von Kindern aussieht und mit dem EEG messen wir, was in ihrem Kopf vorgeht.
Ursprünglich komme ich aus Niedersachsen. Meine Forschungslaufbahn führte mich nach London (UK), San Diego (USA), Göttingen, Erlangen und schließlich nach Bremen. Das war ein großes Glück! Die Stelle in Bremen passte perfekt zu meinem Forschungsprofil mit vielen tollen Anknüpfungspunkten an den hervorragenden Wissenschaftsschwerpunkten vor Ort. Allerdings war sie kurz vor der Geburt meines 2. Kindes ausgeschrieben und ich wusste nicht, ob ich die Bewerbung rechtzeitig fertig stellen könnte – zum Glück hat es geklappt und ich durfte mit meinem kleinen Stillbaby „vorsingen“ (so nennen wir das Vorstellungsgespräch für Professuren).
Die Forschungsschwerpunkte bieten großartige Möglichkeiten zur Vernetzung. Außerdem finde ich es sympathisch, wie weltoffen und familienfreundlich Bremen ist.
Nö, momentan nicht.
Mit dem Fahrrad, einem jahrzehntealten Erbstück von meiner Oma.
Delfin – kluge Köpfe, weltoffen (Delphine schwimmen durch die ganze Welt), kümmern sich gut um den Nachwuchs und bringen auch unter schwierigen Bedingungen (im Ozean oder aufgrund des viel zu kleinen Finanzhaushalts) gute Leistung.
Meine Karriere und die Familie vereinen. Von Schwierigkeiten, Vertretungen für eine Elternzeit zu finanzieren bis zu Menschen, die es nicht gerne sehen, dass Wissenschaftlerinnen Kinder haben, gab es immer wieder Hürden.
Die Vereinbarkeit für die Generationen nach mir einfacher zu machen – zum Glück gibt es an der Uni Bremen einige engagierte Leute, die sich mit mir dafür einsetzen.
„What would you do if you knew you wouldn’t fail? Now do it!”
Mein eindrucksvollstes Scheitern ereignete sich als ich noch ganz frische Postdoc war. Ich wollte „nur schnell“ ein Paradigma zur Messung von „Theory of Mind“ replizieren, der Fähigkeiten die kognitiven Zustände von anderen zu verstehen. Aber es hat einfach nicht geklappt. Nach vieler Arbeit, vielen Studien, einem intensiven Austausch mit den Originalautor*innen und der Initiierung eines Multi-Lab Projektes zeigte sich, wie wichtig diese gescheiterte Replikation eigentlich war: das Originalparadigma funktionierte nicht so wie es sollte. Daraus habe ich gelernt, wie wichtig Replikationen, Open Science und der Austausch mit anderen Wissenschaftler*innen sind. Und das Scheitern in der Wissenschaft eine wichtige Bedeutung hat: wenn wir zeigen können, was nicht klappt, brauchen Andere damit keine Zeit mehr zu verschwenden, sondern können sich auf Dinge konzentrieren, die vielleicht besser klappen.
Letztendlich ist Scheitern ein großer Bestandteil der Wissenschaft und man braucht eine gewisse Resilienz, um damit produktiv umzugehen.
Beim Spielen, Toben und Quatsch machen mit meinen Kindern.
Das kommt ganz auf die persönlichen Interessen an – ich denke in Bremen ist für jede:n was dabei. Für Leute, die gerne viel unterwegs sind, würde ich eine zentrale Wohnlage empfehlen, für diejenigen, die es gerne ruhig mögen etwas am Stadtrand, Richtung Wümmewiesen, vielleicht nahe des Jan-Reiners-Weg damit man schön zur Uni radeln kann. Zum Weggehen würde ich die vielen kostenlosen Kulturangebote der Stadt Bremen empfehlen, zum Beispiel das Feuerwerk bei Musik & Licht am Hollersee oder die Breminale.
Mit meinem großartigen Forschungsteam.
Mit einem meiner Kinder – ich fände es faszinierend, die Welt noch einmal aus Sicht eines Kindes zu erleben
Fachbereich / Forschungsfeld
Psychologie und Neurowissenschaften
Aktuelle Position / Funktion
Professorin für Entwicklungspsychologie mit Pädagogischer Psychologie
Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt
Entwicklung der neuronalen Mechanismen von sozialer Kognition und Aufmerksamkeit
Geburtsjahr
1990
Familienstand
Verheiratet mit 3 Kindern