Wissenschaft persönlich: Prof. Dr. Louisa Kulke

Eine Junge Frau hat ein Baby auf dem Arm. Im Hintergrund spielen zwei kleine Kinder.
Prof. Dr. Louisa Kulke ist Professorin für Entwicklungspsychologie mit Pädagogischer Psychologie an der Universität Bremen. In ihrem aktuellem Forschungsprojekt beschäftigt sie sich mit der Entwicklung der neuralen Mechanismen von sozialer Kognition und Aufmerksamkeit.

Bremens Wissenschaft ist exzellent! Und daran haben natürlich die vielen schlauen Köpfe, die sich in den Laboren und den Hörsälen tummeln, erheblichen Anteil. Wer steckt hinter dem Erfolg der Bremer Wissenschaft? In unserer Porträt-Reihe Wissenschaft persönlich stellen sich Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen regelmäßig unseren Fragen  und verraten, was sie an ihrer Arbeit lieben und warum der Standort Bremen für sie genau der richtige ist.

Im Mai stand uns Prof. Dr. Louisa Kulke Rede und Antwort: Sie ist Professorin für Entwicklungspsychologie mit Pädagogischer Psychologie. Was Louisa Kulke an ihrer Arbeit besonders begeistert und was sie Nachwuchswissenschaftler:innen in Bremen empfehlen würde, erfahrt ihr hier bei „Wissenschaft persönlich":

 

  • Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin bzw. Wissenschaftskommunikatorin geworden wären?

Musicaldarstellerin – mir hat das Singen und Tanzen immer viel Spaß gemacht.

 

  • Wann finden Sie Ihren Job klasse? Welche Momente sorgen für Begeisterung?

Die Möglichkeit, neues Wissen zu schaffen. Und das große Spektrum an verschiedenen Tätigkeiten: Mir macht es Spaß, im Labor neue Kenntnisse zu gewinnen, mich mit internationalen Kolleg*innen auszutauschen und das neuste Wissen an Studierende weiterzugeben.

 

  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten auf dem Freimarkt einen Stand und müssten nun den Besucher:innen erklären, an was Sie gerade arbeiten – wie sähe Ihr Stand aus?

Wie ein Spieleparadies: Mit Bällebad, Luftballons, vielen Stickern, Mal- und Bastelecke, Spielsachen, Kuscheltieren, Seifenblasen und allem was Spaß macht. Außerdem würde es nach den frischen Waffeln duften, die wir dort gerade backen. Und es gäbe Infos dazu, wie man unter www.neuro-kids.de bei uns mitmachen kann.

 

  • Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihre Arbeit und worin besteht der Nutzen?

Kinder sind unsere Zukunft. Wir beschäftigen uns damit, wie sich Kinder entwickeln. Dabei werden Kinder in der Gesellschaft häufig unterschätzt oder ignoriert. Unsere neurowissenschaftlichen Erkenntnisse können Erwachsenen helfen, besser mit Kindern zu interagieren und sie mehr wertzuschätzen. Dadurch dass wir sowohl die typische als auch die besondere Entwicklung untersuchen, können wir helfen, Neurodivergenzen früh aufzudecken und die Betroffenen bestmöglich unterstützen.

 

  • Wann sprechen Sie bei Ihrer Arbeit von Fortschritt? Oder anders gefragt: Womit retten Sie die Welt?

Kinder werden oft unterschätzt. Unsere Forschung kann zeigen, dass Kinder schon mehr können und sozialer sind als viele denken. Wir helfen Erwachsenen, die Welt aus Sicht von Kindern zu sehen.

 

  • Verraten Sie uns Ihr liebstes Arbeitsinstrument oder Ihre wichtigste Forschungsmethode?

Koregistriertes Eye-tracking mit Elektroenzephalographie (EEG): Mit dem Eye-tracking können wir messen, wie die Welt aus Sicht von Kindern aussieht und mit dem EEG messen wir, was in ihrem Kopf vorgeht.

 

  • Wann und warum führte Sie Ihr Weg nach Bremen? Und woher kamen Sie?

Ursprünglich komme ich aus Niedersachsen. Meine Forschungslaufbahn führte mich nach London (UK), San Diego (USA), Göttingen, Erlangen und schließlich nach Bremen. Das war ein großes Glück! Die Stelle in Bremen passte perfekt zu meinem Forschungsprofil mit vielen tollen Anknüpfungspunkten an den hervorragenden Wissenschaftsschwerpunkten vor Ort. Allerdings war sie kurz vor der Geburt meines 2. Kindes ausgeschrieben und ich wusste nicht, ob ich die Bewerbung rechtzeitig fertig stellen könnte – zum Glück hat es geklappt und ich durfte mit meinem kleinen Stillbaby „vorsingen“ (so nennen wir das Vorstellungsgespräch für Professuren).

  • Was schätzen Sie am Land Bremen als Wissenschaftsstandort? Was hält Sie hier?

Die Forschungsschwerpunkte bieten großartige Möglichkeiten zur Vernetzung. Außerdem finde ich es sympathisch, wie weltoffen und familienfreundlich Bremen ist.

 

  • Fehlt Ihnen etwas?

Nö, momentan nicht.

 

  • Die Wege in Bremen und Bremerhaven sind bekanntlich kurz. Wie bewegen Sie sich durch die Stadt?

Mit dem Fahrrad, einem jahrzehntealten Erbstück von meiner Oma.

 

  • Wenn Sie die Wissenschaftsszene im Land Bremen mit einem Tier vergleichen sollten, welches würden Sie wählen und warum?

Delfin – kluge Köpfe, weltoffen (Delphine schwimmen durch die ganze Welt), kümmern sich gut um den Nachwuchs und bringen auch unter schwierigen Bedingungen (im Ozean oder aufgrund des viel zu kleinen Finanzhaushalts) gute Leistung.

 

  • Was war die größte Herausforderung Ihrer wissenschaftlichen/beruflichen Laufbahn, die Sie zu meistern hatten?

Meine Karriere und die Familie vereinen. Von Schwierigkeiten, Vertretungen für eine Elternzeit zu finanzieren bis zu Menschen, die es nicht gerne sehen, dass Wissenschaftlerinnen Kinder haben, gab es immer wieder Hürden.

 

  • Welche stehen Ihnen noch bevor?

Die Vereinbarkeit für die Generationen nach mir einfacher zu machen – zum Glück gibt es an der Uni Bremen einige engagierte Leute, die sich mit mir dafür einsetzen.

 

  • Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel?

„What would you do if you knew you wouldn’t fail? Now do it!”

 

  • Aus welchem Scheitern haben Sie am meisten gelernt?

Mein eindrucksvollstes Scheitern ereignete sich als ich noch ganz frische Postdoc war. Ich wollte „nur schnell“ ein Paradigma zur Messung von „Theory of Mind“ replizieren, der Fähigkeiten die kognitiven Zustände von anderen zu verstehen. Aber es hat einfach nicht geklappt. Nach vieler Arbeit, vielen Studien, einem intensiven Austausch mit den Originalautor*innen und der Initiierung eines Multi-Lab Projektes zeigte sich, wie wichtig diese gescheiterte Replikation eigentlich war: das Originalparadigma funktionierte nicht so wie es sollte. Daraus habe ich gelernt, wie wichtig Replikationen, Open Science und der Austausch mit anderen Wissenschaftler*innen sind. Und das Scheitern in der Wissenschaft eine wichtige Bedeutung hat: wenn wir zeigen können, was nicht klappt, brauchen Andere damit keine Zeit mehr zu verschwenden, sondern können sich auf Dinge konzentrieren, die vielleicht besser klappen.

Letztendlich ist Scheitern ein großer Bestandteil der Wissenschaft und man braucht eine gewisse Resilienz, um damit produktiv umzugehen.

 

  • Wobei oder wodurch wird Ihr Kopf wieder frei?

Beim Spielen, Toben und Quatsch machen mit meinen Kindern.

 

  • Die nächsten Nachwuchswissenschaftler:innen ziehen nach Bremen. Was würden Sie ihnen raten, wo man wohnen und abends weggehen soll?

Das kommt ganz auf die persönlichen Interessen an – ich denke in Bremen ist für jede:n was dabei. Für Leute, die gerne viel unterwegs sind, würde ich eine zentrale Wohnlage empfehlen, für diejenigen, die es gerne ruhig mögen etwas am Stadtrand, Richtung Wümmewiesen, vielleicht nahe des Jan-Reiners-Weg damit man schön zur Uni radeln kann. Zum Weggehen würde ich die vielen kostenlosen Kulturangebote der Stadt Bremen empfehlen, zum Beispiel das Feuerwerk bei Musik & Licht am Hollersee oder die Breminale.

 

  • Mit wem würden Sie diese Wissenschaftler:innen hier in Bremen oder Bremerhaven bekannt machen wollen?

Mit meinem großartigen Forschungsteam.

 

  • Wenn Sie einen Tag lang Ihr Leben mit einer Bremer oder Bremerhavener Persönlichkeit tauschen könnten, wessen Leben würden Sie wählen?

Mit einem meiner Kinder – ich fände es faszinierend, die Welt noch einmal aus Sicht eines Kindes zu erleben

Eine junge Frau in einem hellblauem Blazer lacht freundlich.

Fachbereich / Forschungsfeld
Psychologie und Neurowissenschaften

 

Aktuelle Position / Funktion
Professorin für Entwicklungspsychologie mit Pädagogischer Psychologie

 

Aktuelle Tätigkeit / aktuelles Forschungsprojekt
Entwicklung der neuronalen Mechanismen von sozialer Kognition und Aufmerksamkeit

 

Geburtsjahr
1990

 

Familienstand
Verheiratet mit 3 Kindern

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