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What is Love? Von Amor bis Tinder: Ausstellung in der Kunsthalle Bremen

Auf einen Blick

Termin

07.07.2018 -
21.10.2018


Ort

Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
28195 Bremen

Fragen rund um die Liebe beschäftigen uns alle – ein Leben lang. Anhand von etwa 40 Werken aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen geht die Ausstellung „What is Love? Von Amor bis Tinder“ zeitlosen Fragen zu Liebe, Partnerschaft, Erotik, Schönheit und Narzissmus nach. Ergänzende Leihgaben befassen sich mit Online-Dating. Von zeitgenössischen Künstlern wird vor allem die international genutzte App Tinder immer wieder aufgegriffen. Sie gehört in Deutschland zu den am häufigsten heruntergeladenen und gleichzeitig am meisten diskutierten Apps ihrer Art. 

Das Internet hat zunächst nichts mit der Liebe zu tun. Trotzdem hat es unsere Vorstellung von Liebe, Partnersuche und Beziehungen nachhaltig beeinflusst. Spätestens seit 2017 ist „tindern“ in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Der Begriff findet sich in der neuen Duden-Ausgabe und bedeutet, man nutzt die Tinder-App. 

Die Ausstellung umfasst Werke aus verschiedenen Epochen. Sie zeigen unter anderem glückliche Paare, erotische Szenen und ideale Frauen. Präsentiert werden Gemälde, Skulpturen und Fotografien, beispielsweise von Anselm Feuerbach, Aristide Maillol, Pablo Picasso, Theodor Rehbenitz und Tom Wood. 

 

Verkündung der drei Gewinner des Kunstwettbewerbs „What is Love? Liebe & Dating im digitalen Zeitalter“

 

Anlässlich der aktuellen Ausstellung „What is Love?“ (7.-21. Oktober 2018) haben die Kunsthalle

Bremen und das Monopol-Magazin einen Kunstwettbewerb zum Thema „What is Love? Liebe & Dating im digitalen Zeitalter“ ausgerufen. Die Ausschreibung lief vom 1. Mai bis zum 8. Juli 2018. 

 

Hervorzuheben ist die Vielzahl und die Vielfalt der Einreichungen: Insgesamt wurden über 1.100 Werke eingereicht. Sie stammen von KünstlerInnen und KunststudentInnen aber auch von Autodidakten aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Eingereicht werden konnten Fotografien, Videos, Digitale Anwendungen, Malerei und Arbeiten auf Papier. Die Bandbreite wurde ausgeschöpft und somit finden sich in der Online-Galerie vielseitige Darstellungen des Themas „What is Love?  Liebe & Dating im digitalen Zeitalter“. Die Website www.WhatIsLove.de und alle eingereichten Werke bleiben bis zum  31. Oktober 2018 online und werden im Anschluss gelöscht. 

 

Über die Vergabe der drei Preise hat nun eine Fachjury anhand von digitalen Dossiers entschieden. Die Jury-Mitglieder waren Eva Fischer- Hausdorf (Kunsthalle Bremen), Sebastian Frenzel (Monopol) und Asli Serbest (Hochschule für Künste Bremen).

 

Die Preisträger

Der 1. Platz geht an Bettina Kirmair (*1987 in Dachau) und ihre Arbeit „Warten auf Romeo (2017)

Der 2. Platz geht an Lore Gold (*1994 in Hamburg) und ihre Arbeit „not too close in distance (2018).

Der 3. Platz geht an Daniel Wrede (*1979 in Pinneberg) und seine Arbeit „Hermann R.“ (2017). 

Besondere Erwähnung: Die Schmidts und das Video „I am Human and I need to be loved“ (2018). 

 

Die mit dem 1. Preis prämierte Arbeit wird in Form von Stopmotion-Video in die Schau „What is Love? Von Amor bis Tinder“ integriert. Außerdem wurde entschieden, dass die beiden mit dem 2. und 3. Platz ausgezeichneten Arbeiten ebenfalls präsentiert werden. Ab Samstag, 25. August bis Sonntag, den 21. Oktober 2018 sind die Kunstwerke in der Kunsthalle Bremen im Rahmen der Ausstellung zu sehen. 

 

Begründung der Jury:

 

1. Preis: Bettina Kirmair: Warten auf Romeo, 2017


Besonders überzeugt hat die Jury Bettina Kirmairs Arbeit „Warten auf Romeo“, in der sie den berühmten Balkon aus Shakespeares Romeo und Julia als Plattform für neue unmittelbare Begegnungen inszeniert. Die studierte Bühnen- und Kostümbildnerin transferierte einen schmucklosen modernen Balkon in einen Ausstellungsraum, um von dort aus Besucher zu Grillwurst und Bier einzuladen, und schuf so einen analogen und bestechend erfolgreichen Gegenentwurf zum Online- Dating. Kirmairs Arbeit vereint dabei auf sowohl vielschichtige wie überzeugend simple Weise literarische Referenzen von Shakespeare bis Samuel Beckett („Warten auf Godot“), kunsthistorische Bezüge auf Francisco de Goya und Edouard Manet und ironisiert zugleich die traditionelle Rolle der Frau als passiv Wartende.

 

2. Preis: Lore Gold: not too close in distance, 2018


Lore Gold veröffentlicht in der Konzeptarbeit „not too close in distance“ einen Chat zwischen ihr und einem Mann, der sie recht bald nach der Kontaktaufnahme um Geld für seinen angeblich kranken Sohn bittet. Während seine Forderungen immer drängender werden, konkretisiert sich die Vermutung, dass es sich um einen Fall von „Romance-Scamming“ handelt, eine zeitgenössische Form des Heiratsschwindels: mit gefälschten Profilen gaukeln die Scammer beim Online- Dating Verliebtheit vor, um schließlich Geld zu erschleichen. Gold möchte ihrem Chatpartner helfen: sie bietet ihm an, ihm einen Teil des Erlöses ihrer Gemälde zu senden. Jedoch schafft sie es nicht, einen Interessenten dafür zu finden. In „not too close in Distance“ erforscht die Künstlerin die komplexe Psychologie von heutigen (Online-) Beziehungen und ihre Parallelen zum Kunstschaffen, insbesondere der Malerei: Wa(h)re Kunst, Wa(h)re Liebe. Dabei überzeugte die Jury besonders, wie humorvoll und zugleich kritisch Gold die Grenze zwischen Kunst und Leben in ihrer Arbeit verwischt. Der Rezipient weiß nie, was Realität und was Fiktion ist.

 

3. Preis: Daniel Wrede: Hermann R.


Daniel Wrede verwendet für Hermann R. zwei herkömmliche Kleiderbügel, die er in verschiedenen Variationen ineinander schiebt. Sie ergänzen sich dadurch zu einem neuen zeichenhaft Ganzen, das Wrede als Sinnbild für den Algorithmus von Dating-Apps versteht: als symmetrische Teile einer Einheit scheinen sie wie füreinander gemacht. Durch den Titel verweist der Künstler auf den Rorschach-Test: wie beim Persönlichkeitstest lassen auch die Variationen der Kleiderbügel verschiedene individuelle Assoziationen zu. Wrede überzeugt durch sein souveränes konzeptuelles und minimalistisches Vorgehen, in dem er die schlichten Kleiderbügel in einen völlig neuen Kontext überführt und dabei sowohl gewitzt wie auch gefühlvoll der ästhetischen Qualität des Alltagsobjekts nachspürt.

 

Besondere Erwähnung: Die Schmidts: I am Humand and i need to be loved

 

Besonders erwähnen möchte die Jury das Video „I am Human and I need to be loved” der Künstlergruppe Die Schmidts. In der konzeptuell und ästhetisch überzeugenden Arbeit gehen maskierte und dadurch entindividualisierte Personen den Ritualen der Nacht nach: Chatten mit potentiellen Liebenspartnern, Vorbereiten auf das Ausgehen, der Weg zum Date… Die mehrfache Wiederholung der gleichen Bilder und stetige Beschleunigung des Schnitts lassen die dargestellten Handlungen schließlich bedeutungsleer erscheinen – die Protagonisten wirken gehetzt und eingesperrt in ihrem immer gleichen Tun. Besonders stimmig fand die Jury den klug eingesetzten Sound, der im Zusammenspiel mit dem Visuellen eine eindrückliche Dynamik und Energie freisetzt.

Weitere Informationen

Eintritt
bis 9 Euro

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