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Tonbandgerät - Record Nie Pause Tour 2018

Auf einen Blick

Termin

19.10.2018
20:00 - 00:00


Ort

Kulturzentrum Schlachthof / Schlachthofkneipe
Findorffstraße 51
28215 Bremen

„Da ist so viel, was sich ändert / und am Ende ändert's mich.“

 

Auf ihrem dritten Album erzählt die Hamburger Band Tonbandgerät von Übergängen, von

Ungewissheit und Übermut. Und das mit zwölf eingängigen Popsongs, die federleicht

euphorisieren und tiefgründig nachschwingen. Bereits der Titel zeugt von der klugen Poesie dieses

super sympathischen Vierers: „Zwischen all dem Lärm“.

„Lärm muss ja nichts Negatives sein“, sagt Sophia Poppensieker, Gitarristin und Songschreiberin

bei Tonbandgerät. „Zwischen all dem Lärm“, das habe für sie etwas Schwebendes. Im Transit. Von

der Freibadwiese der Kindheit über Korn und Brause als Teenager bis zu der erwachsenen

Erkenntnis: „Tschüs Karriereleiter / ich nehm die Graustufen“.

 

Der tolle Lärm um die Band wurde mit den Jahren lauter und lauter: 2012 gab's den New Music

Award der jungen ARD-Radiosender, der bereits Bands wie Kraftklub und Bonaparte einen Schub

verliehen hatte. 2013, zum Debüt „Heute ist für immer“, folgte der Hamburger Musikpreis Hans.

Beim Bundesvision Song Contest 2014 belegte Tonbandgerät einen mehr als amtlichen fünften

Platz. Gleichzeitig entwickelte sich die Gruppe mal eben zum Exportschlager für smarten

deutschsprachigen Pop: Das Goethe Institut schickte Sophia, Isa, Jakob und Ole auf Tour durch

die USA, später nach Israel, China und Tschechien. Und da standen dann auf einmal Kids mit

selbstgemalten Schildern in den Händen und schrieen „I love you“.

Irgendwo zwischen Hamburg und der Welt veröffentlichte Tonbandgerät zu alledem ihr zweites

Album „Wenn das Feuerwerk landet“. Auf den Festivalbühnen des Landes sind die vier seitdem

ebenso zuhause wie in den Arenen, die sie als Vorband der Andreas-Bourani-Tour 2016

bespielten. Dass sie 2017 schließlich zwei Mal die ausverkaufte Elbphilharmonie in eine magisch

funkelnde Popzauberkugel verwandelten, schien da nur noch konsequent. Viel schöner Lärm also.

Und jetzt?

Song für Song erlebt der Hörer, wie jede Veränderung ihr eigenes Tempo hat: Ein Aufbruch

braucht Anlauf, eine Liebe schleicht sich heraus. Und dann sind da noch jene, die einfach in einem

anderem Takt leben. „Tourist“ handelt von einer Frau, die das Flüchtige feiert. Den süßen Vogel

Freiheit besingt Tonbandgerät mit Leichtigkeit. Mit Pop, der mitreißt wie die besten Freunde, die

einen beim Lieblingslied auf die Tanzfläche ziehen. Natürlich ließe sich zeitgeistig behaupten, das

sei nun der Love-Song für die Generation Instagram-Story – kaum erlebt, schon wieder

verschwunden. Doch letztlich ist das Thema so immerjung wie Holly Golightly im Filmklassiker

„Breakfast at Tiffany's“ - ein charmantes Wesen mit rastlosem Herzen. Wie sich die neuen Songs

ohnehin durch eine beeindruckende Alterslosigkeit auszeichnen. Wenn Ole in „Für die die bleiben“

von Trauer singt, wenn das Piano nachhallt wie eine Erinnerung, wie soll man das dann nennen:

Altersweisheit? Nichtmehrganzjungklugheit? Sagen wir doch einfach: Lebenskenntnis.

Dieses Leben will allerdings nicht immer ganz passen: Wenn alle ausrasten, aber die innere

Konfettikanone nicht zünden will – von diesem Gefühl erzählt „Der Letzte der Nacht“. Eine Ballade,

die sich so real anfühlt wie der Dreck am Morgen nach der Party. Und vor dem geistigen Auge

tauchen sie bereits auf, all die Festivalbesucher und Clubgänger, die mit Staub im Haar und Träne

im Knopfloch diese Hymne im Chor singen: „Und die Laternen gehen aus / ich geh' auf Scherben

nach Haus.“ Schön wird das sein.

Weitere Informationen

Eintritt
29,30 Euro

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