Mach mal blau

Direkt am Wasser gebaut

Zehn Rudernde und ein Steuermann auf einem Ruderboot. Quelle: WFB / Jens Lehmkühler

Kaum irgendwo ist Bremen so maritim wie in Bremen-Nord: Per Schiff von der Innenstadt bequem erreichbar, wandeln Sie direkt an der Weser auf den Spuren des Walfangs und der Heringslogger, flanieren entlang des Vegesacker Museumshavens und der Maritimen Meile oder lauschen Rock, Folk und Shanty auf Hafenfesten und Festival-Wochenenden der Sea-Music-Szene. Die romantische Lesum lädt zu Kanutouren ein und zur Nachtruhe bleiben Sie gleich auf dem Wasser – im Schulschiff Deutschland. Ob kleine Segler oder "dicke Pötte", Bremen-Nord bringt Sie dem Meer ein Stück näher.

Grafik zeigt weißen Schriftzug Mach mal Blau auf blauem Hintergrund; Quelle: Dialog public relations

Blick auf einen Abschnitt des Stadtgartens in Vegesack an der Maritimen Meile.
Foto: Hans Schnatmeyer
Kultur und Genuss am Fluss - Maritime Meile

Dem Meer so nah, dass Sie es förmlich riechen können – so fühlt sich ein Bummel entlang der Vegesacker Weserpromenade an. Radfahrer erholen sich auf einer Parkbank und schauen den "dicken Pötten" hinterher, die bisweilen Richtung Nordsee vorbeistreifen. Und mit etwas Glück erhaschen Spaziergänger in Bremen-Nord einen Blick auf moderne Superyachten, die bei der gegenüberliegende Lürssen-Werft für Kunden aus aller Welt gefertigt werden. Genau 1.852 Meter – eine Seemeile – ist die Maritime Meile in Vegesack lang. Sie reicht vom Schulschiff Deutschland, am alten Hafen vorbei, bis zum trockengelegten Schlepper Regina am Fuße des Vegesacker Stadtgartens. Am Utkiek (Plattdeutsch für Aussicht) winkten früher die Frauen den Walfängern zum Abschied hinterher. Heute ist der Platz beliebter Treffpunkt und gastronomischer Schmelztiegel für urige Kneipen und gutbürgerliche Spezialitäten – so wie im Havenhaus, dem ehemaligen Wohngebäude des Hafenmeisters und mit über 300 Jahren ältestem Bauensemble Vegesacks. Es ist nicht zu übersehen: Ein riesiger Walkiefer aus Bronze weist als Torbogen den Weg. Damals wie heute ist auch die Strandlust aus dem gesellschaftlichen Leben Vegesacks nicht wegzudenken. Das Haus mit langer Tradition ist seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel, das kulinarische Köstlichkeiten mit einem traumhaften Flusspanorama vereint und damit Körper und Seele für die Weiterreise stärkt. Beispielsweise zur Signalstation: Stromaufwärts gelegen, direkt am Wasser, flanieren Sie an diesem roten Backsteinbau vorbei. Ursprünglich meldete die Station den Pegelstand der Weser an die passierenden Schiffe. Durch modernen Funk und Radar überflüssig geworden, ist sie inzwischen Mittelpunkt bei maritimen Festen und an Wochenenden für Besichtigungen rund um die Schifffahrtskommunikation zugänglich.


Tipp: Das Vegesacker Geschichtenhaus öffnet seine Pforten (Zum alten Speicher 5a). Reisen Sie durch die Geschichte des Bremer Nordens und des Walfangs. Vegesacker-Geschichtenhaus.de www.maritimemeile-bremen.de

Eindruck vom Hafenfest in Vegesack mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern.
Foto: © Jürgen Löschen
Schwofen, schippern, schlemmen, schnacken - Vegesacker Hafenfest und Grauer Esel

Dem DJ an der Weserpromenade lauschen, zur Live-Band am Utkiek tanzen und dabei den vorbeiziehenden Schiffen hinterherschauen – das Vegesacker Hafenfest hat sich zu einer festen Größe für viele Buten- und Binnen-Bremer entwickelt. Drei Tage voller Rock, Soul, Country und Jazz. Dazu die kostenlosen Rundfahrten auf den historischen Schiffen des Vegesacker Museumshavens, bei denen Hobby-Matrosen das Auf und Ab der Weserwellen und den Wind um die Nase hautnah spüren können. Dabei dürfen dann auch typische Leckereien und jede Menge Klönschnack nicht fehlen. Vielleicht verlagert sich der Abend dann noch zum Grauen Esel direkt am Vegesacker Hafen. Der Name des Restaurants hat ebenfalls etwas mit Klönschnack zu tun – einer Legende um die Bremer Stadtmusikanten. So hat der Esel der berühmten tierischen Musikergruppe angeblich in diesem Lokal sein Gnadenbrot erhalten, behauptete zumindest der Wirt anno 1910. Als Beweis ließ er ein Ölgemälde anfertigen, auf dem er grinsend und samt Bierhumpen mit dem Vieh posiert.


Umsonst & draußen: Vom 9. bis 11. Juni 2017 werden wieder bis zu 150.000 Besucher zum Vegesacker Hafenfest pilgern. Der Graue Esel ist werktags von 11:30-15 Uhr und von 17:30 Uhr bis Open End geöffnet, Sa. und So. durchgehend ab 11:30 Uhr. www.hafen-vegesack.de www.graueresel.com

Historische Segler im Vegesacker Museumshaven.
Foto: © Rainer Wendelken
Schiff ahoi - Vegesacker Museumshaven

Tradition und Moderne – in Vegesack kein Gegensatz. Wo früher das erste deutsche Dampfschiff gebaut wurde und einst Walfänger bis in die Arktis auszogen, flanieren Schaulustige heute über eine der modernsten Seilzug-Klappbrücken weltweit. Mit Veränderungen gehen die Vegesacker seit jeher erfinderisch um: Die zunehmende Versandung der Weser beantworteten sie 1622 mit dem ersten künstlich angelegten Hafen Deutschlands, der später größtes Zentrum der Heringsfischerei in ganz Europa war. Heutzutage liegen hier in Reih und Glied zahlreiche historische Schiffe – vom ersten Seenotrettungskreuzer der DGzRS und einem über 120 Jahre alten Heringslogger über Krabbenkutter und Weserkähne bis hin zum ältesten noch segelnden Stahlrumpfschiff der Welt. Wem das "Schiffe gucken" nicht genügt, der kann auch selber die Segel setzen. Viele der Skipper laden zu individuellen Törns auf Unterweser sowie Nord- und Ostsee ein.


Tipp: Besuchen Sie den Vegesacker Hafen an der Friedrich-Klippert-Straße auch im Winter. Dann sind hier die meisten historischen Schiffe zu bestaunen. Die Tages- und Langzeittörns finden unter Anleitung einer Crew statt. Anfrage unter: www.charterkontor-vegesack.de

Eine Liveband auf der Bühne
Foto: © Celkilt.
Da ist Musik drin - Internationales Festival Maritim

Immer wenn am ersten August-Wochenende die Bühnen geentert werden, geht in Bremen-Vegesack nichts mehr, außer: Musik, Musik, Musik. Beim Internationalen Festival Maritim treffen sich jedes Jahr die Stars der weltweiten Sea-Music-Szene rund um die Maritime Meile und den historischen Vegesacker Museumshaven. Sie haben Songs im Gepäck, die so vielfältig sind wie die Nationen, aus denen die Interpreten stammen: fetziger Irish- und Scottish-Rock, keltische Folklore, Bluegrass vom Feinsten sowie Balladen und Shantys, die Arbeitslieder der Seeleute früherer Zeiten. Alles in einer Tonlage, in der das Leben eben so spielt – mal melancholisch, mal voll überschäumender Lebensfreude. Über 100.000 Besucher lassen sich in etwa 170 Konzerten von diesen Rhythmen mitreißen. Rund um das Vegesacker Event lockt ein Rahmenprogramm mit Kunst, Kultur und Kulinarik. Ein in seiner Ausrichtung deutschlandweit einzigartiges Musikspektakel mit einer Strahlkraft, so funkensprühend wie das abschließende Höhenfeuerwerk.


Vom 4. bis 6. August 2017 wird in Vegesack wieder umsonst & draußen gerockt und gesteppt. Wer auf dem Wasserweg kommen möchte: Die An- und Abreise ist auch per Schiff möglich (von und bis Martinianleger, Fahrtzeit jeweils ca. eine Stunde). www.festival-maritim.de www.hal-oever.de

Die auf der Weser liegende Schulschiff Deutschland kurz bevor die Sonne ganz am Horizont verschwunden ist.
Foto: © Hans Schnatmeyer
Auf Segel setzen - Schulschiff Deutschland

In der Abendsonne gemütlich an Deck verweilen und pure Windjammer-Romantik einatmen? Bei geöffnetem Bullauge dem sanften Wellengang lauschen und dabei entspannt eindämmern? Auf dem Schulschiff Deutschland hat der Alltag Urlaub und tauchen die Gäste hautnah ins Matrosenleben ein. Wo Weser und Lesum sich vereinen, versprechen insgesamt 30 Einzel- und Doppelkabinen ein rustikales und zugleich einmaliges Übernachtungserlebnis auf dem Wasser vor den Toren Vegesacks. Wer es etwas komfortabler mag, wählt die Kapitänssuite inklusive Sektfrühstück auf dem 86 Meter langen maritimen Denkmal. Als einziges noch erhaltenes Vollschiff Deutschlands, diente es ab 1927 zur Seemannsausbildung in der Handelsschifffahrt und steuerte zahlreiche Übersee-Gewässer an. Heute ist der weiße Segler mit seinen drei markanten Masten schon von weitem an der Vegesacker Promenade zu bestaunen. Auch in den wortwörtlichen Hafen der Ehe können Verliebte hier einlaufen: Einmal monatlich finden im Kapitänssalon standesamtliche und kirchliche Trauungen statt.


Besichtigungen täglich von 10 bis 18 Uhr. Der erste Samstag im Monat von 14 bis 18 Uhr. Ab dem 1. November bis Ende Februar bis 17 Uhr. Erwachsene zahlen 3 Euro, Kinder ab 0,50 Euro (ohne Führung). Familien und Gruppen sowie geführte Touren auf Anfrage. Unterstellen des Fahrrads auf dem Schiff für Übernachtungsgäste möglich. www.schulschiff-deutschland.de www.bremen-tourismus.de Wessen großer Tag bevorsteht und noch eine Location in Bremen gesucht wird, findet hier ganz bestimmt etwas passendes: Schulschiff Deutschland

Eine Schiff auf der Weser
Foto: Hal Över
Volle Fahrt voraus - bike & ship und historische Lesumfahrt

Die Radtour von der Bremer City gen Bremen-Nord auf dem Wasserweg zu starten, klingt zunächst paradox, ist aber kinderleicht. Mit bike & ship bietet die Schifffahrtsgesellschaft Hal över ab Martinianleger nicht nur die Fahrradmitnahme auf der Route nach Bremerhaven über Vegesack, Blumenthal, Farge und zurück. Vielmehr können an der Schlachte auch Elektrofahrräder ausgeliehen werden. Genießen Sie in entspannter Atmosphäre die Natur und lassen sich vom offenen Oberdeck den Fahrtwind um die Nase wehen, während Ihr Drahtesel sicher verstaut ist oder der E-Bike-Akku an Bord lädt. Wem der Sinn mehr nach einer geführten Tour mit spannenden und wissenswerten Anekdoten steht, dem sei die Historische Lesumfahrt ans Herz gelegt. Bei Kaffee und Kuchen zieht die vielfältige Stadt- und Marschlandschaft zwischen City, Überseestadt, Werderland und Vegesack an den Passagieren vorbei, bis ab dem Schulschiff Deutschland die Lesum zu malerischen Villen und Gärten führt. Ein Landgang in den Burglesumer Knoops Park bildet den Höhepunkt der Fahrt, auf deren Rückweg passend zum Thema auch aus „Sommer in Lesmona“ gelesen wird. 


bike & ship gilt auf allen Linien von Hal över. Von April bis September ist die tägliche E-Bike-Ausleihe am Martinianleger möglich. Die Lesumfahrt dauert max. 4,5 Stunden, Preis: 9,50-19 Euro. Termine 2017: 28.5., 9.7, 6.8. und 8.10. www.hal-oever.de

Zehn Rudernde und ein Steuermann auf einem Ruderboot.
Foto: WFB / © Jens Lehmkühler
Land in Sicht - Kanu- und Segel-Touren

Selbst altbekannte Quartiere entdeckt der Besucher mit völlig neuen Augen, sobald er sie vom Wasser aus betrachtet. Schilfbewachsene Ufer, saftige Wiesen mit grasenden Kühen, zu umschiffendes Geäst der Bäume und Libellen, die sich auf dem Paddel niederlassen – eine Kanutour mit Freunden und Familie ist immer ein kleines Abenteuer. Auf der Lesum-Route über die Wümme bis Dammsiel am Rande des Blocklandes können Interessierte mit der Kanusportabteilung des TURA Bremen e.V. einige der schönsten Seiten von Bremen-Nord kennenlernen. Der Verein bietet darüber hinaus regelmäßige Kurse für Neueinsteiger und Kenner des Kanusports an. Auch für Segel-Fans ist die Lesum ein wahres Eldorado: Knapp 20 Segelvereine sind am Flussufer zu Hause und bieten Liegeplätze für erfahrene Segler mit eigenem Boot.


Am Lesumhafen 26 bietet TURA Bremen den Erwerb des Europäischen Paddelpasses in Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen für 50 Euro, ermäßigt 25 Euro (Nicht-Mitglieder). Konditionen für geführte Touren (z.B. Schulklassen oder Geburtstage) und Termine siehe: www.turakanusport.de www.fachverband-segeln-bremen.de

Statue zeigt Mann mit Ferngals am Rande eines Hafenbeckens mit Segelbooten.
Foto: © Hans Schnatmeyer
Den Norden neu entdecken - Führungen und Rundgänge

Wer Bremen-Nord von seiner maritimen, natürlichen und historischen Seite einmal näher kennenlernen möchte, nimmt am besten an einer der verschiedenen Gästeführungen teil. Entdecken Sie Vegesacks Maritime Meile samt ältestem Hafenspeicher der Stadt oder wandeln Sie auf den Spuren hier bestatteter berühmter Persönlichkeiten vergangener Tage. Erfahren Sie mehr über die Töchterresidenzen und ihre ehemaligen Bewohner im Burglesumer Knoops Park oder lernen Sie die vielen Gesichter Blumenthals kennen – von Burg Blomendal über Wätjens Park bis zur Wollkämmerei. Die BTZ vermittelt Rundgänge mit den verschiedensten Schwerpunkten – von Architektur und Kirchen bis hin zu Parks, Friedhöfen und Museen. Es gibt typische Touren im Angebot oder es können mit einem Gästeführer individuelle Themenabgestimmt werden.


Wie wär's zum Beispiel mit einer Gästeführung entlang der "Maritimen Meile"? Die Tour kostet 68 Euro pro Gruppe. www.bremen-tourismus.de www.vegesack-marketing.de

Blick auf die Landschaft rund um die Lesum bei Sonnenuntergang.
Foto: © Hans Schnatmeyer
Riviera des Nordens - Lesumer Flusslandschaft

Schilf legt sich wie ein schützender Mantel um ihre Ufer, das Summen der Bienen wird zeitweise übertönt vom Ruf der hier heimischen Nachtigall, vereinzelt ins Wasser ragende Stege wecken Lust auf einen spontanen Segeltörn. Die Lesum, ein Zusammenfluss aus Wümme und Hamme, bietet auf ihrem zehn Kilometer langen Verlauf Entspannung und Romantik pur. Zu früheren Zeiten ein bedeutender Schifffahrtsweg für Torfkähne, ist die Wasserader am Rande der Bremer Schweiz heutzutage beliebte Naturkulisse zwischen flachem Marschland am Südufer und erhobener Geestkante im Norden. Nicht von ungefähr errichteten Bremer Kaufleute vergangener Tage ihre Sommervillen vorzugsweise mit Aussicht auf die funkelnde Lesum. Der Admiral-Brommy-Weg – benannt nach dem hier einst lebenden Befehlshaber der ersten gesamtdeutschen Marineflotte – führt unterhalb vom Burglesumer Knoops Park direkt entlang der bremischen Riviera.


Tipp: Am Alten Torfhafen in St. Magnus, am Weg "Auf dem Steinberg", lädt ein Rastplatz unmittelbar am Wasser zum Picknick und Verschnaufen ein. Wasserseitig bietet die Lesum- und Worpswede-Fahrt zwischen Mai und Oktober beste Ausblicke auf das hohe Ufer. Preise und Zeiten unter: www.hal-oever.de

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