Bremer-Norden-Runde

Berg und Wal

Im Hintergrund eine herrschaftliche weiße Villa, im Vordergrund eine Parkanlage mit Kirschblüte und anderen Bäumen; Quelle: WFB Wirtschaftsförderung Bremen

Gediegenes Wohnen in der Sommerfrische, Relikte der Großindustrie, Perlen der Parkarchitektur, Schifffahrt und Natur – die Bremer-Norden-Runde führt nicht nur durch die Jahrhunderte, sondern auch durch die verschiedensten Themenwelten: Abwechslungsreich, spannend und gar nicht mal so flach, wie man vermuten sollte. Bremer Schweiz wird diese von der Eiszeit geformte Geestlandschaft im Volksmund auch genannt. Vor der Fahrt also bitte noch einmal die Bremsen kontrollieren und dann eintauchen in Bremens maritimen und grünen Stadtteil.

Stationen der Bremer-Norden-Runde
Im Vordergrund Statue eines Mannes mit Fernglas, im Hintergrund Schiffsmasten
Foto: Hans Schnatmeyer
1. Der Vegesacker Hafen

Bereits seit dem Mittelalter erschwerte die allmähliche Versandung der Weser den Warentransport in die Stadt. Im 17. Jahrhundert beschloss die Bremer Kaufmannschaft, flussabwärts ein Hafenbecken anzulegen: 1622 wurde der Vegesacker Hafen als erste künstliche Hafenanlage Deutschlands eingeweiht. Inzwischen ist der alte Hafen ein Freiluft-Museum mit historischen und traditionellen Schiffen. In direkter Nachbarschaft liegt das 1927 erbaute Schulschiff Deutschland vor Anker. Den Dreimaster kann man besichtigen, darauf übernachten oder sogar in den Hafen der Ehe einlaufen – sprich: wer sich traut, kann hier heiraten!

Gepflasterter Platz umrahmt von Häusern und Bäumen
Foto: Dennis Siegel
2. Walfang und Seemannsbräute

Im 18. Jahrhundert wurde Vegesack ein wichtiger Stützpunkt für den Walfang. Jährlich legten damals bis zu 25 Walfangschiffe von hier in arktische Gewässer ab. Der tonnenweise gewonnene Waltran diente als Brennstoff für Lampen, die Hornplatten der Barten fanden etwa in Korsetts Verwendung. Mancher Kapitän schmückte die Pforte seines Hauses mit Walkiefer-Trophäen. Das erste Gebäude am Platz ist das 1648 erbaute Havenhaus – früher Dienstgebäude des Hafenmeisters, heute ein Restaurant und Hotel. Am davor gelagerten Utkiek (plattdeutsch: Ausguck) standen früher die Seemannsbräute, die ihren Männern zum Abschied winkten.

Im Vordergrund ein Schiff auf dem Trockenem, im Hintergrund eine Yacht
Foto: Torsten Krüger
3. Schiffbau und Stadtgarten

Im 19. und 20. Jahrhundert etablierte sich zunehmend der Schiffbau in Vegesack. Die 1875 gegründete Lürrssen-Werft existiert bis heute. Während sich die Schiffbauer zunächst als Spezialisten für Rennboote einen Namen machten, laufen heutzutage Luxusyachten und Marineschiffe vom Stapel. Von der Weser-Promenade aus, der Maritimen Meile, sind manchmal die imposanten Schiffe zu sehen. Einen reizvollen An- und Ausblick bietet auch der Stadtgarten, der die Maritime Meile flankiert. Hier setzte sich um 1800 der Arzt Albrecht Roth ein blühendes Denkmal, als er aus sandigem Ödland eine Perle der Botanik direkt am Geesthang schuf.

Ein rot geklinkertes Haus inmitten von herbstlichen Bäumen
Foto: Torsten Krüger
4. Bremer Vulkan und Wätjens Park

Am Ende der Promenade befand sich eine weitere Traditionswerft: Der Bremer Vulkan war bis zur Schließung 1996 der wichtigste Arbeitgeber im Bremer Norden. Inzwischen sind hier neue Betriebe angesiedelt. In direkter Nachbarschaft sorgte bürgerschaftliches Engagement für neue Blüte und dafür, dass Wätjens Park aus langem Dornröschenschlaf erwachte. "Very british" tickte offensichtlich der Bremer Kaufmann und Reeder Wätjen, der 1830 rund um seinen Sommersitz einen englischen Garten anlegen ließ. Die Krönung ist das Sommerhäuschen selbst: ein neogotischer Bau im Castle Style. Heute residiert hier ein Künstler.

Am Ufer der Weser liegt die Ruine des gigantischen U-Boot-Bunkers Valentin
Foto: Fritz Rapp
5. Bremer Wollkämmerei und U-Boot- Bunker Valentin

In Blumenthal liegt das Gelände der einstigen Bremer Wollkämmerei. Hier wurde 125 Jahre lang Wolle für die Textilindustrie verarbeitet. Die vergangene Pracht der Gebäude täuscht nicht darüber hinweg, dass im 2. Weltkrieg viele Zwangsarbeiter in der Kämmerei Dienst taten. Einige Kilometer weiter die Weser entlang befindet sich ein Denkmal gigantischen Ausmaßes: die Ruine des U-Boot-Bunkers Valentin als Relikt eines monströsen national-sozialistischen Rüstungsprojekts. Tausende Zwangsarbeiter starben hier. Ein neues Gedenkstätten-Konzept soll den Bunker zugänglich machen und an Unrecht und Leid erinnern.

Ein rot geklinkertes herrschaftliches Gebäude umgeben von Grün
Foto: Torsten Krüger
6. Burg Blomendal und Schloss Schönebeck

Zugegeben, für eine Burg kommt das Haus Blomendal recht schlicht daher und seine wechselvolle Geschichte klingt etwas nach Seemannsgarn, ist aber wahr: Von räuberischen Rittern im Jahr 1354 erbaut, kaufte der Bremer Rat den Unruhestiftern die Burg vorsichtshalber ab. Zeitweilig regierten dann von hier aus Ratsherren, die von den Einnahmen und Spanndiensten im Grünen gut leben konnten. Entlang schöner Geestbachtäler und durch Wohngebiete hindurch erreicht man Bremens einziges Schloss: Heute gehört das 1682 in einer Auelandschaft errichtete Schönebecker Schloss der Stadt und beherbergt ein Museum.

Im Vordergrund ein Schild mit Aufschrift Kränholm, im Hintergrund ein rot geklinkertes Fachwerkshaus
Foto: Christof Steuer
7. Lehnhofsiedlung und Haus Kränholm

Die Lehnhofsiedlung stammt aus dem Jahr 1951, knüpft architektonisch aber eher an den Landhausstil der 1930er Jahre an. "Back to the roots" könnte das Motto des Erbauers Eberhard Gildemeister gewesen sein, dessen reetgedeckte Walmdachvillen auch ein wenig an schlichte Moorkaten erinnern. Auf soviel Understatement legte es sein Vater Eduard beim Bau der Villa Kränholm wohl nicht an. Ursprünglich stand das Haus der Tochter von Baron Knoop woanders und sollte abgerissen werden. Lediglich Teile des Obergeschosses konnten gerettet und an den jetzigen Standort versetzt werden. Kunst, Kultur und gutes Essen entschädigen heute für den Verlust.

Ein Weg führt durch eine Parkanlage mit weitläufiger Wiese und Bäumen
Foto: Dennis Siegel
8. Baron Ludwig Knoop und der Park

Ludwig Knoop gehörte zu den größten Textilfabrikanten des 19. Jahrhunderts. Wegen seiner erfolgreichen Geschäfte in Russland, verlieh ihm der Zar den Titel eines Barons, doch Knoops Heimat blieb Bremen. Den Sommer verbrachte die Familie stets auf ihren Landsitzen oberhalb der Lesum. Der umliegende von Wilhelm Benque gestaltete Knoopsche Landschaftsgarten ist heute öffentlich und ein Parkjuwel erster Güte. Einige weitere Villen thronen in der Nachbarschaft auf dem Geestrücken, wie das Haus Schotteck oder das Haus Lesmona. Letzteres wurde durch den mit Katja Riemann verfilmten Briefroman "Sommer in Lesmona" berühmt.

Blick durch Gräser an einem Fluss auf ein kleines Schiff
Foto: Ingo Wagner
9. Die schöne Lesum und die Raschens Werft

Die letzte Etappe ist eine der schönsten Strecken Bremens. Sie führt durch den Park vorbei an gediegenen Villen am Hang und längs der mäandernden Lesum, dem zweitkürzesten Fluss Deutschlands. Einige verbliebene Spuren des Lesumer Schiffbaus sind die historischen Fachwerkgebäude der 1776 gegründeten Raschens Werft. Etwa 100 Schiffe wurden hier gebaut, darunter Atlantik-taugliche Großsegler. Fast wieder am Ausgangspunkt angekommen werfen wir vom Lesumer Sperrwerk aus noch einen letzten Blick auf eine nahezu naturbelassene Flusslandschaft, kleine Segelyachten und vorbeiziehende Vogelschwärme.

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Besonderes

Sommer in Lesmona
Musikalisch und kulinarisch ein absoluter Leckerbissen. Anlässlich des Klassik Open Airs der Deutschen Kammerphilharmonie pilgert halb Bremen mit Picknickkorb und stilechter Kopfbedeckung in den Park. Besondere Herausforderung: Der schönste Picknickkorb wird prämiert. Mehr

Abkürzungen

Bitte einsteigen! An vielen Bahnhöfen kann man die Radstrecke durch ein paar Stationen mit dem Zug verkürzen.

Kulinarische Spezialitäten

Stinte aus der Weser. Die Stintsaison im Frühjahr ist kurz und dauert nur bis zu vier Wochen. Die kleinen Fische werden gebraten serviert. Früher eine Arme-Leute-Essen, heute eine Spezialität.

Bremer Babbeler: Das längste Hustenbonbon der Welt wird in Vegesack hergestellt.

Alternativrouten

Verbindung Blomendal und Verbindung Schönebecker Aue.

Ship and Bike

Hal över-Linienfahrt Bremen-Bremerhaven über Vegesack und zurück. Als Sonntagsausflug mit dem Hal över-Schiff und einem Leih-E-Bike, ab Bremen Martinianleger in Richtung Vegesack oder umgekehrt. Oder direkt weiter von Vegesack nach Worpswede. www.hal-oever.de

Mehr im Bremer Norden entdecken

Knoops Park in sattem Grün.Natur pur, maritime Vielfalt, sportliches Vergnügen, kulturelle Höhepunkte oder Aktivitäten für die ganze Familie - erleben Sie die abwechslungsreichen Seiten des Bremer Nordens! Mehr

RadServiceStation auf der Bremer-Norden-Runde

Das Logo der RadServiceStation Sie haben eine Panne oder wollen die Reifen Ihres Fahrrads aufpumpen? Besuchen Sie eine BIKE IT! Radservicestation auf der Tour.

Folgende Serviceleistungen finden Sie in jeder BREMEN BIKE IT! RadServiceStation vor:

  • Flickzeug und Luftpumpe stehen kostenfrei zur Verfügung
  • Werkzeug für kleinere Reparaturen
  • Fahrradschläuche der gängigen Ventilarten
  • Kostenfreie BREMEN BIKE IT! Radkarten

Wenn Sie die RadServiceStation nutzen wollen, sprechen Sie das Personal in den Lokalen an.

BREMEN BIKE IT! RadServiceStationen auf der Bremer-Norden-Runde

  • Zur gläsernen Werft
    Schulkenstraße 2
    28757 Bremen
    Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr geöffnet
    Montag Ruhetag