Blockland-Runde

Kuh, Knipp und Kult

Eine Kuh blickt in die Kamera. Quelle: WFB

Das Blockland – ein Naherholungsgebiet mit Kultfaktor. Nur einige Minuten von der City entfernt, lässt es sich ideal mit dem Rad erkunden. Landwirtschaftlich geprägt wohnen hier weit mehr Kühe als Menschen. Für seltene Tiere und Pflanzen ist dieses Marschland ein wichtiger und geschützter Lebensraum. Für Radfahrer, Inlineskater und Spaziergänger ist es eines der schönsten Ausflugsziele Bremens. Los geht die Tour am Hauptbahnhof. Mit der Überquerung der Autobahn heißt es "Adé PKW und Freie Fahrt für freie Radler!" Die Stadt… welche Stadt?… gerät sofort in Vergessenheit, während sich vor dem Auge eine flache, großartige Landschaft mit einer einzigartigen Geschichte ausbreitet.

Stationen der Blockland-Runde
Blick eine Wiese hinunter auf eine Brücke, einen Kuppelbau, zwei Kirchtürme und andere Gebäude
Foto: Ingo Wagner
1. Großstadtdschungel mit New Yorker Flair

Das aktuelle Erscheinungsbild des Bremer Bürgerparks ist das ausgewachsene Ergebnis dessen, was 1866 begonnen wurde: Eine als idealisierte Natur gestaltete Grünanlage mit Wasserläufen, verschiedensten Baumarten und malerischen Blickachsen – bis heute ein Balsam auf den Seelen Bremer Großstadtpflanzen und Besuchern jeglichen Alters. Die Gestaltung des Bremer Parks ist auch vom New Yorker Central Park beeinflusst, sagt man. Direkt an den Bürgerpark grenzt der etwas ungezähmtere Stadtwald. Empfehlenswert: Der Erlebnis- und Naturlehrpfad sorgt hier für Spaß und Wissenszuwachs in Sachen heimischer Natur.

Rechteckiges Gebäude mit großen Fensterfronten, im Hintergrund der Fallturm
Foto: ITB / Jens Lehmkuehler
2. Area of Innovation

Apropos Wissen, weithin sichtbar befindet sich das Wahrzeichen für den Wissenschaftsstandort Bremen – der Fallturm, ein Simulator für Schwerelosigkeit. Ebenfalls hier angesiedelt sind die Universität, das Universum und der Technologiepark. Mit großer Produktivität nutzen Wissenschaft und Wirtschaft hier Synergieeffekte. Einige schnelle Daten und Fakten: 20.000 Studierende, 500 Hightech-Unternehmen, 20 Forschungsinstitute und ein Fallturm.

Radierung zeigt Szene eines Deichbruchs
Foto: Focke Museum
3. "Wer nich will dieken, mut wieken"

Eigentlich müsste dieses weite Wiesenland ständig überschwemmt sein. Doch bereits seit dem Mittelalter sorgt hier ausgeklügelte Wasserbautechnik für trockene Füße – jedenfalls meistens. Vor rund 900 Jahren wurde das Gebiet an freie Siedler vergeben. Einzige Bedingung: Die Kolonisten waren verpflichtet, das Land zu entwässern und Deiche zu bauen. Mit Gräben und Sielen brachten die Bewohner die an Ebbe und Flut gebundene Wümme weitgehend unter Kontrolle. Sie machten das Land urbar und schufen ein Versorgungsnetz. Die vielen Teiche im Blockland, sogenannte Braken, zeugen noch heute von früheren Deichbrüchen.

Blick auf einen von Seegras, Schilf und anderen Pflanzen umwachsenen Graben
Foto: BUND / Georg Wietschorke
4. Grenzfluss: der Kuhgraben

Vermutlich leitet sich der Name Kuhgraben von dem Begriff Co ab: Grenze. Der Kuhgraben war bereits im Mittelalter neben seiner Funktion als Entwässerungsgraben ein wichtiger Transportweg. Er führte damals fast bis ins Stadtzentrum. Über den Kuhgraben wurde unter anderem Torf verschifft, der lange Zeit als wichtiger Brennstoff genutzt wurde. Der hinter dichten Büschen verborgenen Kuhgrabensee ist ein kleines, unberührtes Paradies. Von einer Sichthütte aus lassen sich scharenweise Wasservögel beobachten, die hier leben oder ihre Flugreise unterbrechen.

Strecke am Wümmedeich mit Radfahrern, Skatern und Rastenden an einem Fachwerkhaus
Foto: Ingo Wagner
5. Knipp Knipp Hurra! – Entspannung, Sport und Genuss auf norddeutsch

Der sanft geschwungene Wümmedeich ist das Herzstück des Blocklands. Das Geschnatter der Wasservögel wird ab und an vom Krähen der Hähne abgelöst. Wo früher Torfschiffer Rast machten, laden heute zahlreiche Ausflugslokale zum zünftigen Schlemmen im Biergarten oder Kaffeesieren unter Apfelbäumen ein. Kanufahrer und die bremische Grützwurstspezialität Knipp gehören hier genauso hin wie Freiluft-Yoga und Bio-Eis.

Blick über ein Wiese auf einen kleinen Forst mit Kirchturm in der Mitte
Foto: Katharina Ziegler
6. Schöne Aussichten im Land der Gräser

Jetzt einfach mal nichts sagen und nur die Aussicht wirken lassen. Richtung Norden fällt der Blick auf ein idyllisch anmutendes Gotteshaus. Seit dem 12. Jahrhundert trotzt die auf einer Warft errichtete und dem Heiligen Georg im Lande der Gräser geweihte Sankt-Jürgens-Kirche dem Hochwasser. In entgegen gesetzter Richtung ist die Sicht auf die Alte Wettern zu genießen. Schreibfehler? Nein. Der Begriff Wetterung meint ursprünglich einen Entwässerungsgraben. In diesem Fall ist es aber eine Gebietsbezeichnung.

Deichlandschaft mit Graben, Wiesen und blauem Himmel
Foto: Jens Joost-Krüger
7. Biotop Blockland

Der Reiz dieser Wiesenlandschaft liegt nicht zuletzt in seiner außergewöhnlichen Artenvielfalt. Als Lebensraum für bedrohte Vogelarten, für seltene Fische, Amphibien und Pflanzenarten muss das Blockland besonders geschützt werden. Der ökologisch betriebene Hof Bavendamm, der bereits 1374 urkundlich erwähnt wurde, steht heute exemplarisch für eine naturschonende Bewirtschaftung. Er bietet Besuchern die Möglichkeit, mehr über die Landwirtschaft im Blockland zu erfahren oder sich im hofeigenen Café für die Radtour zu stärken.

Fünf Eisläufer auf einer zugefrorenen Wümmewiese
Foto: Eisverein
8. Eiszeit in Bremen: die Semkenfahrt

Schon bald tauchen erste Zeichen großstädtischer Zivilisation am Horizont auf, wie Bremens höchste Erhebung: der etwa 50 Meter hohe Müllberg. Vorbei an Schrebergärten und entlang der alten Torfkahnstrecken führt der Weg unvermeidlich aus dem Blockland heraus. Wer hier an frostigen Tagen unterwegs ist, könnte noch Zeuge eines ziemlich ungewöhnlichen Schauspiels werden: Die Wiesen an der Semkenfahrt, einem der Hauptgräben im Blockland, werden zur drei Kilometer langen Eisbahn. Tausende Bremerinnen und Bremer gleiten dann auf Kufen über die extra für diesen Spaß geflutete und gefrorene Fläche im Blockland.

Radfahrer im Bürgerpark, im Hintergrund die Meierei
Foto: Ingo Wagner
9. Rückkehr in die Stadt

Zurück zum Ausgangspunkt geht es mitten durch den idyllischen Bürgerpark. Bemerkenswerte Bauwerke auf dieser Strecke sind das mondäne Parkhotel und die Meierei – ein gastwirtschaftlicher Betrieb, der in der Zeit um 1900 vornehmlich Milch an seine bürgerliche Kundschaft ausschenkte. Der eigene Viehbestand weidete damals direkt vor dem Haus.

1/9
Kulinarische Spezialitäten

Knipp, Buchweizentorte, Bio-Eis, Butterkuchen, Spargel

Knipp ist die Bremer Traditionsspeise schlechthin: Eine Art Grützwurst, die wahlweise mit Brot oder Kartoffeln, unbedingt aber knusprig gebraten und mit einer sauren Gurke verzehrt wird.

Abkürzungen

Die Gaststätten "Wümmeblick" und "Zur Schleuse" bieten von April bis Oktober einen besonderen Service: Mittels Ruderbootfähre kann man über die Wümme übersetzen.

Fähre Höftdeich:
Mittwoch 15 bis 21 Uhr
Donnerstag bis Montag 11 bis 21 Uhr

Zur Schleuse:
1. Mai bis zum 3. Oktober:
Dienstag bis Sonntag 11:30 bis 20 Uhr

Der Fährmann kommt auf Zuruf, der Fährverkehr ist jedoch von der Witterung abhängig.

RadServiceStation auf der Blockland-Runde

Das Logo der RadServiceStation Sie haben eine Panne oder wollen die Reifen Ihres Fahrrads aufpumpen? Besuchen Sie eine von vier BIKE IT! Radservicestationen auf der Tour.

Folgende Serviceleistungen finden Sie in jeder BREMEN BIKE IT! RadServiceStation vor:

  • Flickzeug und Luftpumpe stehen kostenfrei zur Verfügung
  • Werkzeug für kleinere Reparaturen
  • Fahrradschläuche der gängigen Ventilarten
  • Kostenfreie BREMEN BIKE IT! Radkarten

Wenn Sie die RadServiceStation nutzen wollen, sprechen Sie das Personal in den Lokalen an.

BREMEN BIKE IT! RadServiceStationen auf der Blockland-Runde

  • Haus am Walde
    Kuhgrabenweg 2
    28359 Bremen
    täglich ab 9 Uhr geöffnet
  • Wümmeblick Höftdeich
    Höftdeich 11
    28865 Lilienthal
    Täglich ab 11 Uhr geöffnet, außer mittwochs ab 15Uhr
    Dienstag Ruhetag
  • Eiscafé Kaemena
    Niederblockland 6
    28357 Bremen
    März bis Oktober täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet
  • Gasthaus Dammsiel
    Niederblockland 32
    28357 Bremen
    Dienstag ab 15 Uhr,
    Mittwoch bis Freitag ab 12 Uhr,
    Samstag, Sonn- und Feiertags ab 11 Uhr geöffnet
    Montag Ruhetag